SCRUM ist ein agiles Framework für das Projektmanagement, das ursprünglich aus der Softwareentwicklung stammt und zunehmend auch in Lean-orientierten Unternehmen Anwendung findet. Die Ursprünge basieren auf dem 1986 erschienenen Artikel von Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka. Weiterentwickelt wurde die Idee von Jeff Sutherland, der erstmals die Rollen der einzelnen Projektmitglieder neu beschrieb. Seitdem wurde SCRUM stark in der IT-Branche vorangetrieben und findet seit einiger Zeit immer mehr Anklang in Bereichen klassischen Projektmanagements (vgl. Wenz 2014, S. 6–17).
Kernidee: Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement gibt man sich bei SCRUM nicht der Illusion hin, von Anfang an den genauen Weg zu kennen, der am Ende zum Projektziel führt. Änderungen in den Anforderungen sind kein ungeliebter Bestandteil, sondern ein erwarteter und einkalkulierter Teil des Prozesses (vgl. Wenz 2014, S. 6–17).
Bei SCRUM gibt es drei klar definierte Rollen, die zusammen das SCRUM-Team bilden (vgl. Wenz 2014, S. 6–17):
Innerhalb des SCRUM-Frameworks nimmt der SCRUM-Master verschiedene Rollen ein, die zum Teil starke Parallelen zum Kobetsu Kaizen (1. Säule des TPM-Hauses)-Coach aufweisen (vgl. Wenz 2015, S. 20–22):
Aufgrund der Vielschichtigkeit ist ein besonderes Skillset für die Rolle des SCRUM-Masters notwendig: tiefes theoretisches Fachwissen, eine kritische Prozesssicht zum Hinterfragen von Annahmen sowie die Fähigkeit, das Team zu alternativen Lösungen zu führen. Gerade diese letzte Rolle kommt einem Kobetsu Kaizen (1. Säule des TPM-Hauses)-Coach sehr nahe (vgl. Wenz 2015, S. 20–22).
Ein SCRUM-Projekt folgt einem klar strukturierten, iterativen Ablauf (vgl. Wenz 2014, S. 6–17):
Agiles Projektmanagement nach SCRUM bietet gegenüber klassischen Methoden mehrere Vorteile hinsichtlich der Wertschöpfung (vgl. Wenz 2015, S. 24–26):
Bei klassischem Projektmanagement werden Ergebnisse erst am Ende des Projektes geliefert. Bei SCRUM erhalten die Stakeholder bereits am Ende eines jeden Sprints ein getestetes und lauffähiges Produktinkrement. Diese als Continuous Delivery bezeichnete Methode eröffnet die Möglichkeit, dass der Kunde bereits zum Ende eines Sprints den umgesetzten Teil nutzen kann. In der Umsetzung kleiner lauffähiger Inkremente liegt eine höchstmögliche Wertschöpfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt (vgl. Wenz 2015, S. 24–26).
Bei SCRUM sind Änderungen in den Spezifikationen nicht nur akzeptiert, sondern als erwarteter Bestandteil eingeplant. Der Product Owner priorisiert permanent das Product Backlog, sodass einmal getroffene Annahmen und Reihenfolgen jederzeit angepasst werden können. Auch neue Anforderungen der Stakeholder können leicht berücksichtigt werden. Die einzige zeitliche Konstante bildet der Sprint selbst, während eines Sprints ist das Team vor neuen Anforderungen geschützt (vgl. Wenz 2015, S. 24–26).
SCRUM stellt das klassische Projektdreieck aus Zeit, Budget und Anforderungen auf den Kopf. Die Einhaltung von Zeit und Budget wird in den Vordergrund gestellt. Da kurzzyklisch und regelmäßig eine Priorisierung des nächsten Inkrements vorgenommen wird, sind bereits ungefähr zur Projekthälfte mehr als 80 Prozent der Funktionalität umgesetzt. Nicht selten werden Projekte deshalb mit 80 Prozent Funktionalität beendet, weil der Mehraufwand für die letzten 20 Prozent in keinem Kosten-Nutzen-Verhältnis steht (vgl. Wenz 2015, S. 24–26).
Die Einführung von SCRUM in Lean-orientierten Unternehmen verläuft ähnlich wie die Einführung von Lean selbst, was zugleich eine gute und eine schlechte Nachricht ist. Die Erfahrung zeigt, dass nach anfänglicher Euphorie alte Gewohnheiten zurückkehren können (vgl. Wenz 2015, S. 18–20).
Typische Herausforderungen bei der Einführung von SCRUM umfassen: Das tägliche SCRUM Meeting wandelt sich von einem kurzen Informationsaustausch zu ausufernden Diskussionen. Der Projektleiter nimmt wieder seine klassische Rolle ein und lässt sich den Status berichten, statt als dienende Führungskraft zu agieren. Die Zuweisung von Aufgaben durch den Projektleiter schränkt den Freiraum des Teams ein, der für den Erfolg von SCRUM essenziell ist (vgl. Wenz 2015, S. 18–20).
SCRUM lebt davon, dass die Mitglieder des Entwicklungsteams in einem Freiraum miteinander agieren können, ohne Einwirkungen von außen. Sie sind die Spezialisten, die am besten wissen, wo sie besonders effizient und effektiv eingesetzt werden können (vgl. Wenz 2015, S. 18–20).
Die erfolgreiche Verankerung von SCRUM im Unternehmen erfordert mehr als die Einführung einzelner Methoden. Die Erfahrung zeigt, dass der größte Widerstand nicht bei den Werkzeugen liegt, sondern beim Mindset der Menschen. Vielen fehlt der Wille und der Mut, Neues auszuprobieren, und ohne Unterstützung der Führungsebene scheitern Initiativen häufig (vgl. Lindner 2021, S. 24–25).
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die Erkenntnis, dass SCRUM als Ganzes funktioniert, nicht in Einzelteilen. Unternehmen, die sagen, sie würden nach SCRUM arbeiten, es aber tatsächlich nicht tun, erleben keine Fortschritte. Erst das konsequente Anwenden aller Prinzipien und Werte des SCRUM-Frameworks führt zum Erfolg. Dabei hilft der Austausch mit erfahrenen Praktikern und die kontinuierliche Weiterbildung (vgl. Lindner 2021, S. 24–25).
Praxiserkenntnis: Die Einführung von SCRUM führt anfangs häufig zu einer deutlich erhöhten Projektgeschwindigkeit. Dann wird der Punkt erreicht, an dem zuarbeitende Organisationsteile wie IT oder Rechtsabteilung der Geschwindigkeit nicht mehr folgen können. Ziel von SCRUM ist nicht das Verkürzen der Projektdauer, sondern die Verbesserung der Qualität, dennoch wird durch den Freiraum des Entwicklungsteams meist eine Verkürzung erreicht (vgl. Wenz 2015, S. 18–20).
SCRUM und Lean teilen fundamentale Prinzipien. Beide Ansätze setzen auf iteratives Vorgehen, kontinuierliche Verbesserung und die Einbeziehung aller Beteiligten. SCRUM integriert verstärkt KATA, Instandhaltungsstrategie und Ansätze aus dem Kobetsu Kaizen (1. Säule des TPM-Hauses)-Coaching. Der Monozukuri-Gedanke nach Takahiro Fujimoto versteht ein Endprodukt als die Summe aller Informationen und Tätigkeiten. Da jeder schlechte Prozess ein Makel am Endprodukt ist, führen Projekte, die Prozesse verbessern, unmittelbar zu einer Verbesserung des Endproduktes (vgl. Wenz 2015, S. 24–26).
Aus Lean-Sicht bietet SCRUM den Vorteil, das Projektrisiko zu minimieren. Die größten Risiken bei Projekten betreffen die Bereiche Planung, Kommunikation und Qualität. Bei SCRUM ist der Planungsaspekt überschaubar: Es werden nur übergeordnete Themen priorisiert, und lediglich der aktuelle Sprint wird detailliert ausgeplant. Durch frühes und stetiges Kundenfeedback werden Disparitäten zwischen Projektziel und umgesetzten Teilen schnell offensichtlich (vgl. Wenz 2015, S. 24–26).
Das SCRUM-Framework definiert mehrere zentrale Artefakte und Ereignisse, die den strukturierten Ablauf sicherstellen:
Aus den Praxiserfahrungen lassen sich zentrale Erfolgsfaktoren für SCRUM-Projekte ableiten:
Wenz, J. (2014): SCRUM bei Leanprojekten, Schritt für Schritt besser werden und aus Erfahrung lernen, in: YOKOTEN 06/2014, S. 6–17.
Wenz, J. (2015): SCRUM bei Lean Projekten, Wie werden Projekte agil?, in: YOKOTEN 02/2015, S. 18–20.
Wenz, J. (2015): Wertschöpfung durch Scrum, Warum nutzen überzeugte Lean-Anhänger die Scrum-Methodik?, in: YOKOTEN 04/2015, S. 24–26.
Wenz, J. (2015): Die Rolle des Scrum-Masters, Coach, dienende Führungskraft, Prozesseigentümer, in: YOKOTEN 05/2015, S. 20–22.
Lindner, C. (2021): Agile Transformation, Wie es gelingen kann, Agilität dauerhaft im Unternehmen zu etablieren, in: YOKOTEN 05/2021, S. 24–25.
Rother, M.; May, C. (2019): Das KATA-Praxishandbuch. CETPM Publishing, Herrieden.
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