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Operational Excellence

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Was ist "One Piece Flow"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

One Piece Flow (auch Single Piece Flow oder Einzelstückfluss) beschreibt ein Fertigungsprinzip, bei dem jedes Werkstück einzeln und ohne Unterbrechung von einem Bearbeitungsschritt zum nächsten weitergegeben wird. Anders als bei der klassischen Losfertigung, in der ganze Chargen zwischen Arbeitsstationen aufgestaut werden, durchläuft im One Piece Flow jedes Teil die gesamte Prozesskette, bevor das nächste begonnen wird. Diese Methode reduziert Verschwendung in Form von Beständen, Wartezeiten und Transportwegen drastisch und ist ein zentrales Element von Lean Management und TPM (vgl. OJT Solutions 2019, S. 106–111).

Grundprinzip und Funktionsweise

Das Grundprinzip des One Piece Flow lässt sich auf eine einfache Regel reduzieren: „Mache eins, bewege eins, prüfe eins.“ Jeder Prozessschritt bearbeitet genau ein Werkstück und gibt es sofort an den nachfolgenden Schritt weiter. Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Fluss (engl. Continuous Flow), der den gesamten Wertstrom synchronisiert. Die Bearbeitungszeit eines Teils entspricht im Idealfall nahezu der gesamten Durchlaufzeit, Wartezeiten und Liegezeiten entfallen weitgehend.

Die Umsetzung erfordert typischerweise eine zellenförmige Anordnung der Arbeitsplätze. In einer U-förmigen Fertigungszelle sind die Maschinen und Stationen so aufgestellt, dass ein Mitarbeiter mehrere Prozessschritte nacheinander ausführen kann, ohne lange Wege zurücklegen zu müssen. Diese Layoutgestaltung ist eng verbunden mit dem Konzept der Chaku-Chaku-Linie, bei der der Bediener das Teil von Station zu Station trägt und lediglich einlegt, während die Bearbeitung automatisch erfolgt.

Vorteile gegenüber Losfertigung

Bei der Losfertigung werden ganze Chargen zwischen den Arbeitsstationen transportiert. Jedes Los muss erst vollständig bearbeitet sein, bevor es weitergegeben wird. Das führt zu hohen Zwischenbeständen, langen Durchlaufzeiten und verspäteter Fehlererkennung. Im One Piece Flow hingegen wird ein Fehler sofort am nächsten Prozessschritt sichtbar, die Fehlerkette wird unterbrochen, bevor eine ganze Charge betroffen ist.

  • Kürzere Durchlaufzeiten: Da Werkstücke nicht auf den Abschluss eines gesamten Loses warten müssen, verkürzt sich die Durchlaufzeit drastisch. Was in der Losfertigung Tage dauert, kann im Einzelstückfluss in Stunden oder Minuten abgeschlossen werden.
  • Geringere Bestände: Der Umlaufbestand (Work in Process) wird auf ein Minimum reduziert (vgl. Klevers 2015, S. 82–83). Zwischen den Stationen befindet sich im Idealfall nur ein einziges Teil. Das setzt gebundenes Kapital frei und reduziert den Flächenbedarf.
  • Schnelle Qualitätsrückmeldung: Qualitätsprobleme werden sofort erkannt, da jedes Einzelstück unmittelbar nach der Bearbeitung geprüft wird. Die Nacharbeit sinkt erheblich.
  • Höhere Flexibilität: Ohne große Losgrößen kann die Produktion schneller auf veränderte Kundenanforderungen reagieren. Produktwechsel sind einfacher möglich.
  • Sichtbare Probleme: Jede Störung wird sofort spürbar, weil der Fluss stoppt. Das zwingt die Organisation, Ursachen zu beseitigen, statt sie durch Bestände zu kaschieren.

Voraussetzungen für die Umsetzung

One Piece Flow stellt hohe Anforderungen an die Prozessstabilität. Wenn Maschinen häufig ausfallen oder die Rüstzeiten lang sind, bricht der Fluss zusammen. Daher ist die Einführung typischerweise mit begleitenden Maßnahmen verbunden: SMED (schnelles Rüsten) ermöglicht kurze Umstellzeiten, Autonome Instandhaltung erhöht die Maschinenverfügbarkeit, und Standardisierte Arbeit sichert gleichmäßige Zykluszeiten.

Die Taktzeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Jeder Prozessschritt muss so ausgelegt sein, dass er innerhalb der Taktzeit abgeschlossen wird. Ist ein Schritt deutlich länger, entsteht ein Engpass, der den gesamten Fluss blockiert. Die Harmonisierung der Zykluszeiten aller Stationen, das sogenannte Line Balancing, ist deshalb eine wesentliche Planungsaufgabe bei der Gestaltung von One-Piece-Flow-Zellen.

One Piece Flow und Pull-Prinzip

Der Einzelstückfluss ist eng mit dem Pull-Prinzip verknüpft. Während One Piece Flow den physischen Materialfluss innerhalb einer Fertigungszelle beschreibt, regelt das Pull-Prinzip die Steuerung zwischen den Zellen: Erst wenn der nachgelagerte Prozess ein Teil verbraucht, wird im vorgelagerten Prozess ein neues Teil produziert. Zusammen bilden sie das Fundament der Just-in-Time-Produktion, bei der nur das produziert wird, was der Kunde tatsächlich benötigt, in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit.

Praxistipp: Der Einstieg in One Piece Flow gelingt am besten schrittweise. Zunächst die Losgrößen halbieren, dann weiter reduzieren. Parallel dazu Rüstzeiten verkürzen und Prozessstabilität erhöhen. Jede Losgrößenreduzierung macht Probleme sichtbar, die gelöst werden müssen, genau das ist der Kern der kontinuierlichen Verbesserung (vgl. OJT Solutions 2023, S. 59–60).

Grenzen und Anwendungsbereiche

One Piece Flow ist nicht in jeder Situation realisierbar. Prozesse mit extrem unterschiedlichen Zykluszeiten, Chargenverfahren (z. B. Öfen, Lackieranlagen) oder hohem Automatisierungsgrad lassen sich nicht immer im Einzelstückfluss betreiben. Hier kommen alternative Steuerungsverfahren wie CONWIP oder Supermarkt-Systeme zum Einsatz. Entscheidend ist, die Losgrößen so weit wie möglich zu reduzieren und sich dem Ideal des One Piece Flow anzunähern, auch wenn es nicht vollständig erreicht wird.

Neben der Produktion lässt sich das Prinzip des Einzelstückflusses auch auf administrative Prozesse übertragen: Jeder Vorgang (Auftrag, Antrag, Rechnung) wird einzeln und vollständig bearbeitet, statt in Stapeln gesammelt zu werden. In Office Excellence-Programmen hilft dieses Prinzip, Liegezeiten und Rückstände in Büroprozessen zu eliminieren.

Quellenangaben

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. Ein Handbuch für Praktiker. Bestände abbauen, Durchlaufzeiten senken, Flexibler reagieren. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 82–115.

OJT Solutions Inc. (2019): Toyotas Geheimrezepte für die Problemlösung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden, S. 106–111.

OJT Solutions Inc. (2023): Toyotas Fehlerlehre, Von der Kunst, Fehler in Erfolge zu verwandeln. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden, S. 59–60.

Weiterführende Literatur

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. Grundlagen und Einführung von TPM, oder wie Sie Operational Excellence erreichen. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Teeuwen, B.; Grombach, A. (2019): SMED, Die Erfolgsmethode für schnelles Rüsten und Umstellen. 3. unveränd. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2017): Toyotas Geheimrezepte für die Mitarbeiterentwicklung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, CETPM Publishing, Herrieden.

Verwandte Konzepte

  • Pull-Produktion, Steuerungsprinzip, das Überproduktion vermeidet.
  • Just-in-Time, Lieferung genau zur richtigen Zeit und Menge.
  • SMED, Schnelles Rüsten als Voraussetzung für kleine Lose.
  • CONWIP, Steuerungsalternative bei begrenztem WIP.
  • Wertstromdesign, Methode zur Analyse und Gestaltung des Materialflusses.
  • Taktzeit, Kundentakt als Auslegungsgröße der Fertigung.
  • Supermarkt, Pufferlager zur Entkopplung nicht verkettbarer Prozesse.
  • Standardisierte Arbeit, Grundlage für stabile Zykluszeiten.

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