Eine Mission beschreibt den grundlegenden Zweck und Daseinssinn einer Organisation, also die Antwort auf die Frage, warum das Unternehmen existiert und welchen Beitrag es für seine Kunden, Mitarbeiter und die Gesellschaft leistet. Während eine Vision das angestrebte Zukunftsbild zeichnet, definiert die Mission den aktuellen Auftrag und die Werte, an denen sich das tägliche Handeln orientiert. In der Praxis von TPM und Lean Management bildet die Mission gemeinsam mit Vision und Strategie den strategischen Rahmen, der alle Verbesserungsaktivitäten auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet.
Mission und Vision werden häufig verwechselt, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen. Die Vision beschreibt, wo ein Unternehmen in Zukunft stehen möchte, einen idealen Zielzustand, der inspiriert und Orientierung gibt. Die Mission hingegen beantwortet die Frage nach dem „Warum“ und dem „Wofür“ im Hier und Jetzt. Sie gibt den Mitarbeitern einen Sinn für ihre tägliche Arbeit und bildet die Grundlage für strategische Entscheidungen.
Im Kontext von Operational Excellence ist eine klar formulierte Mission besonders wichtig, weil sie als Kompass für die Hoshin Kanri-Zielentfaltung dient: Strategische Ziele und operative Maßnahmen müssen stets im Einklang mit dem übergeordneten Unternehmenszweck stehen (vgl. Franke 2013, S. 10–13).
Eine wirkungsvolle Mission erfüllt mehrere Kriterien:
In exzellenten Unternehmen ist die Mission kein Wandposter, sondern wird im täglichen Shopfloor Management gelebt. Führungskräfte übersetzen die Mission in konkrete Ziele für ihre Bereiche und machen sie so für jeden Mitarbeiter greifbar. Die Kata-Denkweise unterstützt diesen Prozess, indem sie Mitarbeiter befähigt, eigenständig Zielzustände anzustreben, die im Einklang mit der übergeordneten Mission stehen (vgl. May 2020, S. 21).
Die Verbindung zwischen Mission und operativer Umsetzung zeigt sich besonders deutlich im Hoshin-Kanri-Prozess: Ausgehend von der langfristigen Mission werden über die Vision die strategischen Durchbruchsziele abgeleitet, die wiederum in Jahresziele und konkrete Maßnahmen übersetzt werden. Dieser Kaskadierungsprozess stellt sicher, dass alle Aktivitäten im Unternehmen auf den gemeinsamen Zweck einzahlen.
Die Formulierung einer Mission ist Aufgabe der obersten Führungsebene, ihre Verankerung im Unternehmen jedoch eine gemeinschaftliche Anstrengung. Wirksame Missionen entstehen nicht im Elfenbeinturm, sondern im Dialog mit den Mitarbeitern aller Ebenen. Dabei hat sich bewährt, die Mission gemeinsam mit den Bereichsverantwortlichen in konkrete Leitlinien für den jeweiligen Verantwortungsbereich zu übersetzen. In der Lean-Philosophie wird diese Kaskadierung als „Catchball“-Prozess bezeichnet: Ziele und Erwartungen werden nicht nur von oben nach unten kommuniziert, sondern im Wechselspiel zwischen den Ebenen abgestimmt.
Praxishinweis: Eine Mission entfaltet ihre Wirkung nur, wenn sie von der Führung vorgelebt wird. Unternehmen, die ihre Mission ernst nehmen, nutzen sie als Entscheidungskriterium: Jede strategische Initiative und jede größere Investition wird daran gemessen, ob sie zum Unternehmenszweck beiträgt.
Franke, K. (2013): Am Stern orientieren, Hoshin Kanri, in: YOKOTEN 02/2013, S. 10–13.
Constantin May (2020): Kommt Strom aus der Steckdose?, in: YOKOTEN 01/2020, S. 11–11.