Just in Time (JIT) ist ein Produktions- und Logistikprinzip, bei dem Materialien, Teile und Produkte genau in der benötigten Menge, zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort bereitgestellt werden. Das Konzept stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und bildet zusammen mit Jidoka (Autonomation) eine der beiden tragenden Säulen der Toyota-Philosophie. Ziel von JIT ist die konsequente Vermeidung von Beständen, Wartezeiten und Überproduktion, den drei größten Quellen von Verschwendung in Fertigungsprozessen.
Taiichi Ohno, der als Architekt des Toyota-Produktionssystems gilt, entwickelte JIT in den 1950er- und 1960er-Jahren als Antwort auf die besonderen Bedingungen der japanischen Nachkriegswirtschaft. Während westliche Automobilhersteller auf große Losfertigungen und umfangreiche Lagerbestände setzten, musste Toyota mit knappen Ressourcen und geringen Stückzahlen auskommen. Ohno erkannte, dass Bestände nicht Sicherheit schaffen, sondern Probleme verdecken: Überproduktion bindet Kapital, beansprucht Lagerfläche und verschleiert Qualitätsmängel, Engpässe und ineffiziente Prozesse.
Das Bild des „Wasserspiegels“ illustriert dieses Prinzip: Hohe Bestände sind wie ein hoher Wasserstand, der die Felsen (Probleme) im Fluss verbirgt. Erst wenn der Wasserstand, also der Bestand, gesenkt wird, werden die Hindernisse sichtbar und können systematisch beseitigt werden. JIT fordert dieses bewusste Senken des Bestands als Hebel zur kontinuierlichen Verbesserung.
JIT funktioniert nicht als isolierte Maßnahme, sondern erfordert ein Gesamtsystem stabiler und zuverlässiger Prozesse. Zu den wesentlichen Voraussetzungen gehören eine hohe Anlagenverfügbarkeit (unterstützt durch TPM und insbesondere die Autonome Instandhaltung), standardisierte Arbeitsprozesse, zuverlässige Lieferanten und eine robuste Qualitätssicherung, etwa durch Poka Yoke. Ohne diese Grundlagen führt JIT nicht zu Effizienz, sondern zu ständigen Produktionsunterbrechungen.
Die Einführung von JIT erfolgt daher schrittweise: Zunächst werden die Prozesse stabilisiert und Verlustquellen beseitigt, dann werden die Bestände sukzessive reduziert. Jede Bestandsreduzierung legt neue Probleme offen, die als Verbesserungschancen genutzt werden. Dieser iterative Prozess macht JIT zu einem Treiber der Kontinuierlichen Verbesserung, nicht nur zu einem Logistikkonzept.
Praxisbezug: JIT erfordert eine enge Abstimmung entlang der gesamten Lieferkette. Bei Hyundai Mobis in Korea etwa werden Module sequenzgenau an das Montageband geliefert, die richtige Reihenfolge und der präzise Takt sind entscheidend für den Erfolg (vgl. Roser 2019, S. 12–14).
Die Wertstromanalyse ist das zentrale Analysewerkzeug, um den Weg zu einer JIT-gerechten Produktion zu planen. Sie macht die Bestände zwischen den Prozessschritten sichtbar, identifiziert nicht-wertschöpfende Aktivitäten und liefert die Grundlage für ein optimiertes Wertstromdesign mit Flüssen, Supermärkten und Pull-Regelkreisen. Das Zieldesign einer JIT-Produktion ist ein durchgängiger Materialfluss vom Lieferanten bis zum Kunden mit minimalen Beständen und kurzen Durchlaufzeiten.
Roser, C. (2019): Just-in-Time bei Hyundai Mobis in Korea, in: YOKOTEN 02/2019, S. 12–14.
Kamberg, M. (2017): Kulturwandel zur lernenden Organisation, in: YOKOTEN 05/2017, S. 6–9.
Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden.