FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) ist eine systematische Methode zur präventiven Risikoanalyse, die potenzielle Fehler in Produkten, Prozessen oder Systemen frühzeitig identifiziert, bewertet und durch gezielte Maßnahmen vermeidet. Der englische Begriff lautet „Failure Mode and Effects Analysis“. Die Methode wurde ursprünglich in der Luft- und Raumfahrt entwickelt und ist heute in der Automobil-, Elektronik- und Medizintechnikindustrie ein fester Bestandteil der Qualitätssicherung.
Die FMEA basiert auf dem Gedanken, dass es wirtschaftlicher ist, Fehler zu verhindern als sie später zu korrigieren. Je früher ein potenzieller Fehler erkannt wird, desto geringer sind die Kosten für seine Vermeidung. Im Rahmen einer FMEA werden für jedes Bauteil oder jeden Prozessschritt drei zentrale Fragen beantwortet: Welche Fehler können auftreten? Welche Auswirkungen haben diese Fehler? Und welche Ursachen liegen den Fehlern zugrunde?
Die Ergebnisse münden in konkrete Vermeidungs- und Entdeckungsmaßnahmen, die dokumentiert und nachverfolgt werden. Die FMEA ist damit kein einmaliges Dokument, sondern ein lebendiges Arbeitsinstrument, das über den gesamten Produktlebenszyklus fortgeschrieben wird.
Je nach Anwendungsbereich werden verschiedene FMEA-Typen unterschieden:
Jeder identifizierte potenzielle Fehler wird anhand von drei Kriterien auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet:
Aus dem Produkt dieser drei Bewertungen ergibt sich die Risikoprioritätszahl (RPZ): RPZ = B × A × E. Die RPZ kann Werte zwischen 1 und 1.000 annehmen. Je höher die RPZ, desto dringlicher ist der Handlungsbedarf. In der Praxis werden häufig alle Fehler mit einer RPZ über einem definierten Schwellenwert, etwa 125 oder 200, als vorrangig eingestuft.
May und Schimek betonen, dass die RPZ nicht isoliert betrachtet werden sollte. Auch Fehler mit niedriger Gesamtpunktzahl können kritisch sein, wenn einzelne Bewertungsdimensionen extrem hoch ausfallen, etwa eine Bedeutung von 9 oder 10 bei sicherheitsrelevanten Merkmalen.
Mit der Harmonisierung der FMEA-Methodik durch den AIAG/VDA-Standard (2019) wurde die klassische RPZ ergänzt durch die Aufgabenpriorität (AP). Diese unterteilt die Handlungspriorität in drei Stufen, hoch (H), mittel (M) und niedrig (N), basierend auf einer tabellarischen Zuordnung der Bewertungskombinationen. Damit wird vermieden, dass mathematisch gleiche RPZ-Werte bei unterschiedlichen Bewertungsprofilen zu falschen Priorisierungen führen.
Im Rahmen von TPM wird die FMEA insbesondere in der Säule Geplante Instandhaltung und bei der Anlaufoptimierung eingesetzt. Bei der Planung neuer Anlagen hilft die Design-FMEA, konstruktive Schwachstellen zu erkennen, bevor die Anlage in Betrieb geht. Bei bestehenden Anlagen liefert die Prozess-FMEA eine systematische Grundlage, um wiederkehrende Störungen zu analysieren und präventive Wartungsstrategien abzuleiten (vgl. May/Schimek 2015, S. 69–70).
Die FMEA arbeitet eng mit anderen Analysewerkzeugen zusammen. Ein Ishikawa-Diagramm kann genutzt werden, um mögliche Fehlerursachen strukturiert zu sammeln. Das DoE (Design of Experiments) ermöglicht anschließend, die in der FMEA identifizierten kritischen Parameter experimentell zu optimieren.
Praxistipp: Führen Sie die FMEA stets im interdisziplinären Team durch, mit Vertretern aus Konstruktion, Fertigung, Qualität und Instandhaltung. Die unterschiedlichen Perspektiven erhöhen die Vollständigkeit der Fehleranalyse erheblich.