Wertschöpfung bezeichnet alle Aktivitäten in einem Prozess, die das Produkt oder die Dienstleistung aus Kundensicht direkt verändern und für die der Kunde bereit ist zu zahlen. Im Kontext von Lean Management und Operational Excellence bildet das Verständnis von Wertschöpfung die Grundlage für jede Prozessoptimierung. Nur wenn klar definiert ist, was aus Kundensicht Wert darstellt, lassen sich wertschöpfende von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten unterscheiden (vgl. Klevers 2015, S. 16–17) und systematisch Verschwendung eliminieren.
Die Lean-Philosophie unterteilt Aktivitäten in einem Unternehmen in wertschöpfende und nicht wertschöpfende Tätigkeiten. Eine kontinuierliche Reduzierung des Anteils der nicht wertschöpfenden Tätigkeiten soll dazu führen, dass Ressourcen effizienter genutzt werden. In der Praxis werden drei Kategorien unterschieden:
Nicht immer ist die Grenze zwischen Verschwendung und Wertschöpfung eindeutig zu ziehen. Tätigkeiten, die in einer ersten Optimierungsrunde als notwendig, aber unterstützend definiert werden, können in einer zweiten Optimierungsschleife zur Verschwendung werden, da sie aufgrund der erreichten Verbesserungen nicht mehr benötigt werden. Ein nachhaltig wirksamer Abbau von Verschwendung kann nur erreicht werden, wenn man den Ablauf ganzheitlich betrachtet.
Im Rahmen von TPM wird Wertschöpfung eng mit der Eliminierung von Verlusten verknüpft. TPM erreicht die Einführung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit dem Ziel, sämtliche Verluste und Verschwendungen zu vermeiden, hauptsächlich dadurch, dass funktionsübergreifende Gruppenarbeit im Unternehmen eingesetzt wird (vgl. May/Schimek 2015, S. 15–16). Die Zielerreichung wird mit Kennzahlen in sechs Kategorien verfolgt: Produktivität (P), Qualität (Q), Kosten (C), Lieferservice (D), Sicherheit und Umwelt (S) sowie Motivation (M).
Der Wertschöpfungsanteil in typischen Produktionsprozessen liegt oft bei nur 5–15 % der Gesamtdurchlaufzeit. Das bedeutet, dass der überwiegende Teil der Aktivitäten keinen direkten Kundennutzen erzeugt (vgl. OJT Solutions 2023, S. 21–22). Das Wertstromdesign macht diese Verhältnisse transparent und zeigt auf, wo die größten Verbesserungspotenziale liegen. Das Ziel ist dabei stets, den Anteil wertschöpfender Tätigkeiten systematisch zu erhöhen.
Praxisregel: Wertschöpfung erkennt man, indem man sich fragt: „Würde der Kunde für diese Tätigkeit bezahlen?“ Nur wer den Value aus Kundensicht definiert hat, kann zwischen Wertschöpfung, notwendiger Stütztätigkeit und reiner Verschwendung unterscheiden.
Neben der betriebswirtschaftlichen Betrachtung hat Wertschöpfung auch eine volkswirtschaftliche Dimension. Der Anteil wertschöpfender Arbeit in einer Gesellschaft bestimmt maßgeblich deren Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. In Zeiten zunehmender Dienstleistungsorientierung und Digitalisierung stellt sich die Frage, wie Wertschöpfung neu zu definieren ist (vgl. Syska 2018, S. 10–12). Die Unterscheidung zwischen wertschöpfenden und nicht wertschöpfenden Tätigkeiten bleibt dabei das zentrale Analyseinstrument, unabhängig davon, ob es um physische Produkte oder digitale Dienstleistungen geht.
Wertschöpfung entsteht nur dort, wo Menschen mit ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen Produkte und Dienstleistungen erschaffen, die Kunden tatsächlich benötigen. Daher ist die kontinuierliche Mitarbeiterentwicklung eine unmittelbare Voraussetzung für nachhaltige Wertschöpfung (vgl. OJT Solutions 2017, S. 19–22) (vgl. May 2019, S. 15).
Syska, A. (2018): Wertschöpfung neu denken, in: YOKOTEN 06/2018, S. 10–12.
May, C. (2019): Wertschöpfung wertschätzen, in: YOKOTEN 04/2019, S. 15.
Syska, A. (2020): Gedanken zur Wertschöpfung, in: YOKOTEN 04/2020, S. 33–34.
Syska, A. (2015): Ikone von Wertschöpfung und Wohlstand, in: YOKOTEN 02/2015, S. 14–15.