Wert (Value) bezeichnet die Summe aller Merkmale eines Produkts oder einer Dienstleistung, die aus Kundensicht nützlich sind. Im Lean Management definiert ausschließlich der Kunde, was Wertschöpfung darstellt, alles, wofür der Kunde nicht bereit ist zu zahlen, gilt als Verschwendung. Dieses Prinzip ist das Fundament des Toyota-Produktionssystems und Ausgangspunkt jeder Lean-Transformation. Siehe auch den verwandten Eintrag Value, der den englischsprachigen Lean-Begriff vertieft.
Im TPM-Kontext wird Wert über drei zentrale Dimensionen definiert, die gemeinsam den Kundenwert bestimmen:
Diese drei Dimensionen spiegeln sich in den Zielkategorien des TPM wider: Produktivität (P), Qualität (Q), Kosten (C), Lieferservice (D), Sicherheit (S) und Motivation (M), das sogenannte PQCDSM-Modell (vgl. May/Schimek 2015, S. 16–18). Der Wertbegriff bildet damit die Brücke zwischen Kundenerwartung und operativer Exzellenz.
Die klare Abgrenzung zwischen wertschöpfenden und nicht wertschöpfenden Aktivitäten ist Grundlage jeder Lean-Initiative. Nur wenn Material oder Information aktiv im Sinne des Kunden transformiert wird, entsteht Wertschöpfung. Alle anderen Tätigkeiten, Warten, Transportieren, Lagern, Prüfen, verbrauchen Ressourcen, ohne den Wert des Produkts aus Kundensicht zu erhöhen. In einem typischen Produktionsprozess entfallen oft nur wenige Prozent der Durchlaufzeit auf echte Wertschöpfung (vgl. Klevers 2015, S. 27–29).
Wertschöpfung zu steigern bedeutet, Verschwendung (Muda) systematisch durch Kaizen zu reduzieren. Der Wertbegriff dient dabei als Kompass: Jede Verbesserungsmaßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie den Anteil wertschöpfender Aktivitäten erhöht oder nicht wertschöpfende Tätigkeiten eliminiert.
Über den operativen Kontext hinaus gewinnt der Wertbegriff in der strategischen Unternehmensführung zunehmend an Bedeutung. Wertschöpfung ist nicht nur ein Thema für die Produktion, auch in administrativen Bereichen, in der Produktentwicklung und im Service muss jede Aktivität hinsichtlich ihres Beitrags zum Kundenwert hinterfragt werden. Das Ziel von TPM in administrativen Bereichen liegt in der Optimierung der Geschäftsabläufe. Methoden wie (vgl. May/Schimek 2015, S. 76–81) Value Stream Mapping und Makigami machen Verschwendung auch in indirekten Prozessen sichtbar.
Wert als Denkprinzip: Das Ziel der allermeisten Unternehmen ist es, Gewinn zu erwirtschaften, um das Unternehmen am Markt zu sichern und auszubauen. Wertschöpfung, also die Erzeugung von Kundenwert, ist dabei kein Kostenfaktor, sondern die eigentliche Daseinsberechtigung des Unternehmens.
Syska, A. (2020): Gedanken zur Wertschöpfung, in: YOKOTEN 04/2020, S. 33–34.
Syska, A. (2018): Wertschöpfung neu denken, in: YOKOTEN 06/2018, S. 10–12.