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Was ist "Verschwendung"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Verschwendung (Muda) bezeichnet alle Aktivitäten in einem Prozess, die Ressourcen verbrauchen, aber keinen Wert aus Kundensicht erzeugen. Im Lean Management und im Toyota-Produktionssystem ist die systematische Identifikation und Eliminierung von Verschwendung das zentrale Prinzip zur Steigerung der Wertschöpfung. Das Grundprinzip lautet: Gehe zu Gemba, suche nach Muda, mache Kaizen (vgl. May/Schimek 2015, S. 14).

Wertschoepfung vs. direkte und indirekte Verschwendung (Muda)

Quelle: May, C. (2026): CETPM Vorlesungsmaterial

Die sieben Verschwendungsarten

Das Toyota-Produktionssystem definiert sieben Verlustarten, die in jedem Prozess und jedem Unternehmen auftreten können:

  • Überproduktion: Mehr produzieren als der Kunde benötigt, gilt als schlimmste Verschwendungsart, da sie alle anderen verstärkt.
  • Warten: Stillstandszeiten durch fehlendes Material, fehlende Informationen oder ungenügende Abstimmung zwischen Prozessschritten.
  • Transport: Unnötiges Bewegen von Material oder Informationen, das keinen Mehrwert aus Kundensicht schafft.
  • Überbearbeitung: Arbeitsschritte, die über die Kundenanforderung hinausgehen oder durch ungenügende Prozessgestaltung entstehen.
  • Bestände: Roh-, Halb- und Fertigwaren, die über den unmittelbaren Bedarf hinaus vorgehalten werden und Kapital binden.
  • Bewegung: Unnötige Bewegungen von Personen durch schlechte Arbeitsplatzgestaltung oder Werkslayout.
  • Fehler und Nacharbeit: Defekte Produkte, die nachgebessert oder verworfen werden müssen, ein direkter Verlust an Produktionsvolumen.

Wertschöpfend, nicht wertschöpfend und unterstützend

Die Lean-Philosophie unterteilt alle Aktivitäten in wertschöpfende und nicht wertschöpfende Tätigkeiten. Nicht immer ist die Grenze eindeutig zu ziehen: Aktivitäten wie Bearbeiten oder Montieren sind klar wertschöpfend, Warten und Nacharbeiten klar Verschwendung. Dazwischen liegen unterstützende Tätigkeiten wie Qualitätsprüfungen oder Materialtransport, die zwar derzeit notwendig sind, aber keinen direkten Kundenwert erzeugen (vgl. Klevers 2015, S. 23–24). In einer zweiten Optimierungsschleife können auch diese zur Verschwendung werden, wenn sie durch Verbesserungen nicht mehr benötigt werden.

Muda, Mura und Muri

Verschwendung (Muda) ist eine von drei Verlustformen im Toyota-Produktionssystem. Die beiden anderen sind Mura (Ungleichmäßigkeit) und Muri (Überlastung). Während Muda die offensichtlichste Verlustform darstellt, sind Mura und Muri häufig deren Ursache: Schwankungen in der Nachfrage (Mura) oder Überlastung von Mitarbeitern und Maschinen (Muri) erzeugen Verschwendung. Eine nachhaltige Verlustreduzierung muss daher alle drei Kategorien adressieren (vgl. Roser 2015, S. 23–27).

Analysen von Abläufen zeigen immer wieder: Die Zeitanteile, in denen tatsächlich Wertschöpfung geschieht, betragen oft nur einen Bruchteil der gesamten Durchlaufzeit. Der Großteil der Zeit entfällt auf Warten, Lagern und Transportieren, alles nicht wertschöpfende Tätigkeiten.

Quellenangaben

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 14.

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 23–24.

Roser, C. (2015): Muda, Mura, Muri, in: YOKOTEN 05/2015, S. 23–27.

Weiterführende Literatur

Teeuwen, B.; Grombach, A. (2019): SMED, Die Erfolgsmethode für schnelles Rüsten und Umstellen. 3. unveränd. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Teeuwen, B.; Schaller, C. (2017): 5S, Die Erfolgsmethode zur Arbeitsplatzorganisation. 4. unveränd. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2023): Toyotas Fehlerlehre, Von der Kunst, Fehler in Erfolge zu verwandeln. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden, S. 119–121.

Syska, A. (2018): Wertschöpfung neu denken, in: YOKOTEN 06/2018, S. 10–12.

Vollmer, L. (2016): Die vierte Art der Verschwendung, in: YOKOTEN 01/2016, S. 18–19.

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