Verluste bezeichnen im Kontext von TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) und Operational Excellence jeden Aufwand, der größer ist als für den gewünschten Zweck erforderlich. Im Gegensatz zum kaufmännischen Verlustbegriff beschreiben Verluste hier schlicht verbesserungsfähige Zustände in Produktion, Administration und Logistik. Beide Begriffe, Verluste und Verschwendung, haben sich als deutsche Übersetzung des japanischen Muda eingebürgert. Dem Wort Verschwendung wohnt dabei etwas Vorwurfsvolles inne, weshalb im TPM-Umfeld bevorzugt von Verlusten gesprochen wird. Die Eliminierung von Verlusten ist eine der zentralen Leitlinien von TPM und bildet die Grundlage für den Baustein der zielgerichteten, kontinuierlichen Verbesserung (vgl. May/Schimek 2015, S. 26–27).

Quelle: CETPM Seminarunterlagen 2026
Wichtig: Im japanischen Original umfasst der Begriff Muda neben der negativen Konnotation auch die positive Bedeutung Verbesserungspotenzial. Jeder identifizierte Verlust ist zugleich eine Chance zur Steigerung der Wertschöpfung. Die systematische Suche nach Verlusten ist daher keine Schuldzuweisung, sondern eine Methode zur Leistungsverbesserung.
TPM verfügt über die umfangreichste Verlustsystematik aller bekannten Verbesserungsprogramme. Es werden 16 Verlustarten unterschieden, die in drei Kategorien gegliedert sind: Maschinen und Anlagen, Mitarbeiter sowie Ressourcen. In diesen 16 Verlustarten finden sich die sieben Verschwendungsarten (Muda) wieder, die im Scaled Agile Framework (SAFe) bzw. in der -Philosophie unterschieden werden. Der Fokus ist allerdings herkunftsbedingt unterschiedlich: Während die 16 Verlustarten den Schwerpunkt auf technische und menschliche Aspekte legen, fokussieren die sieben Verschwendungsarten stärker auf Logistikverluste (vgl. May/Schimek 2015, S. 27) (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 10–12).
Die ersten acht Verluste betreffen die Effizienz der Produktionseinrichtungen und haben unmittelbare Auswirkungen auf die OEE:
Koch spricht in diesem Zusammenhang von den sechs großen Verlusten, die direkt die OEE beeinflussen. Um eine deutliche Übersicht der unterschiedlichen Arten von Verlusten zu erhalten, werden diese nach ihrem Einfluss auf Verfügbarkeit, Leistung und Qualität geordnet. Verluste reduzieren die verfügbare Kapazität einer Maschine und machen den Unterschied zwischen theoretischer Maximalleistung und tatsächlichem Output sichtbar.
Die Verlustarten 9 bis 13 beeinträchtigen die Effizienz der menschlichen Arbeit und haben unmittelbare Auswirkungen auf die produktiv genutzte Arbeitszeit:
Die letzten drei Verlustarten verhindern die effiziente Nutzung der Produktionsressourcen:
Praxistipp: Gerade bei Energieverlusten kann die systematische Suche nach vielen kleinen Verlusten große Einsparungen bringen. So hat der Einsatz von Luftverbrauchsmessgeräten in einigen Fällen gezeigt, dass durch gründliche Wartung pneumatischer Anlagen der Druckluftverbrauch um circa 40 Prozent reduziert werden konnte (vgl. May/Schimek 2015, S. 30–31).
Neben den 16 TPM-Verlustarten existiert die aus dem Toyota-Produktionssystem stammende Systematik der sieben Verschwendungsarten, auch als die sieben tödlichen Verluste oder sieben Mudas bekannt (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 10–12). Diese Verlustarten gelten für jeden Prozess und jedes Unternehmen:
Ergänzend hat Toyota die Konzepte Mura (Ungleichmäßigkeit) und Muri (Überlastung) als weitere Verlustursachen identifiziert. Alle drei stehen in Zusammenhang: Ungleichmäßigkeit führt zu Überlastung, beides erzeugt Verschwendung.
In der TPM-Praxis werden häufig die acht Maschinenverluste als Referenzrahmen für die Verbesserungsarbeit an Maschinen und Anlagen herangezogen (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 27–28). Diese acht Verluste sind hilfreich bei der Unterscheidung der verschiedenen Verbesserungspotenziale und helfen bei der Auswahl der in Angriff zu nehmenden Themen. Sie umfassen die sieben in der TPM-Systematik aufgeführten Maschinenverluste ergänzt um die geplanten Stillstände.
Die OEE macht alle Maschinenverluste messbar. Bei 100 Prozent OEE ist der ideale Wirkungsgrad einer Maschine erreicht. Ideale Maschinen gibt es nicht, man muss immer mit planbaren und nicht planbaren Verlusten rechnen. Die OEE fasst drei grundlegende Verlustbereiche zusammen:
OEE-Formel: OEE = Verfügbarkeitsgrad × Leistungsgrad × Qualitätsgrad. Die OEE macht alle Verluste sichtbar. Es geht nicht um den Wirkungsgrad, der erreicht wird, sondern um das Verbesserungspotenzial (vgl. Koch 2021, S. 26–27). Die weitverbreitete Annahme, eine OEE von 85 Prozent sei Weltklasseniveau, ist nicht korrekt. Die OEE hängt von vielen Faktoren ab und ist nur eingeschränkt als Benchmark geeignet.
Für die Verlustbekämpfung ist es entscheidend, nicht nur die sichtbaren Störungen zu beseitigen, sondern deren tiefer liegende Ursachen zu erforschen und zu eliminieren. Dieser Sachverhalt lässt sich mit dem Eisbergmodell veranschaulichen: Der sichtbare Teil des Eisbergs steht für die wahrgenommenen Ausfälle und Störungen, doch der größte Teil liegt unter der Wasseroberfläche. Wird nur die Störung selbst beseitigt, tritt sie immer wieder auf. Nur durch systematische Ursachenforschung und Beseitigung der Abnormalitäten kann der Kern des Problems gefunden und gelöst werden (vgl. May/Schimek 2015, S. 36).
Dieses Prinzip spiegelt sich in der Herangehensweise bei Toyota wider: Beim Auftreten von Störungen war jeder Mitarbeiter verpflichtet, die Montagelinie sofort anzuhalten und die Ursache zu beseitigen, ein fundamentaler Paradigmenwechsel gegenüber der früheren Praxis.
Im Rahmen des TPM-Bausteins Zielgerichtete, kontinuierliche Verbesserung wird die Verlustbekämpfung schrittweise angegangen:
Fachleute beziffern das Potenzial dieses Bausteins auf eine Verminderung der Herstellungskosten von bis zu 30 Prozent (vgl. May/Schimek 2015, S. 36–38).

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Verluste treten nicht nur in der Produktion auf. Der TPM-Baustein TPM in administrativen Bereichen überträgt die Verlustanalyse und -beseitigung auf Büro- und Verwaltungsprozesse mit Werkzeugen wie Anlaufüberwachung (5. Säule von TPM)-Aktionen und Jidoka. Auch im Bereich Arbeitssicherheit spielt die Verlustbetrachtung eine zentrale Rolle: Das Heinrichsche Gesetz zeigt, dass 300 Beinahe-Unfälle die statistische Grundlage für 29 mittelschwere Vorkommnisse und letztlich einen schweren Unfall bilden. Die konsequente Beseitigung kleiner Verluste reduziert daher die Wahrscheinlichkeit schwerer Vorfälle signifikant.
Im Kontext von Lean ist die Verlustbekämpfung ebenfalls zentral. Lean betrachtet Prozesse als Wertkette und nimmt bei der Unterscheidung zwischen Wertschöpfung und Verlust stets den Blickwinkel des Kunden ein. Ein Grundgedanke ist, dass jeder Prozess einen kontinuierlichen Fluss erreichen muss, ohne Zwischenvorräte und nur bei konkreter Kundennachfrage. Das Verschwendung macht Verluste sichtbar und ermöglicht die systematische Reduktion von Beständen und Durchlaufzeit.
Für die nachhaltige Verlustbekämpfung ist eine durchgängige Zielkaskade erforderlich, die von den Unternehmenszielen über die Bereichsziele bis zu den Teamzielen reicht. Auf jeder Ebene werden die größten Verluste identifiziert und mit KATA-Zyklen systematisch angegangen. Die OEE-Visualisierung spielt dabei eine besondere Rolle: Eine gut strukturierte OEE-Aktivitätentafel mit Pareto-Analyse der Verluste und Maßnahmenplan hat bereits durch die bloße Sichtbarmachung an Engpassanlagen einen positiven Einfluss.
May, C.; Grombach, A. (2017): TPM und Operational Excellence Reference Model, Teil 2, in: YOKOTEN 06/2017, S. 28–30.
Demarmels, S. (2021): Lost Food, aus dem Blickwinkel einer wertschöpfungsorientierten Volkswirtschaft, in: YOKOTEN 06/2021, S. 2.
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