TIM WOOD ist ein im Lean Management weit verbreitetes Akronym für die sieben klassischen Verschwendungsarten, die Taiichi Ohno im Rahmen des Toyota-Produktionssystems identifiziert hat. Die Buchstaben stehen für Transport, Inventory (Bestände), Motion (Bewegung), Waiting (Warten), Overproduction (Überproduktion), Overprocessing (Überbearbeitung) und Defects (Fehler/Nacharbeit). Das Akronym dient als leicht merkbare Gedächtnisstütze, um Verschwendung systematisch zu erkennen und zu beseitigen.
Jeder Transport von Material, Werkstücken oder Produkten, der nicht unmittelbar zur Wertschöpfung beiträgt, ist Verschwendung. Dazu gehören unnötige Wege zwischen Lager und Arbeitsplatz, umständliche Materialflüsse durch schlecht geplante Layouts und mehrfaches Umlagern von Zwischenprodukten. Transport erhöht die Durchlaufzeit, bindet Ressourcen und birgt das Risiko von Transportschäden.
Überhöhte Bestände an Rohmaterial, Halbfertigprodukten oder Fertigwaren binden Kapital, beanspruchen Lagerfläche und verdecken Prozessprobleme. Bestände entstehen häufig als Puffer, um Schwankungen in der Produktion auszugleichen. Im Lean-Verständnis sind sie jedoch ein Symptom für tieferliegende Probleme wie unzuverlässige Maschinen, lange Rüstzeiten oder mangelnde Abstimmung zwischen den Prozessschritten (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 10–12).
Unnötige Bewegungen der Mitarbeiter, Greifen, Bücken, Drehen, Laufen, sind Verschwendung, die nicht nur Zeit kostet, sondern auch zu ergonomischen Belastungen führt. Die Ursachen liegen oft in schlecht gestalteten Arbeitsplätzen, fehlender Ordnung oder ungünstiger Anordnung von Werkzeugen und Materialien.
Wartezeiten entstehen, wenn Mitarbeiter auf Material, Informationen, Maschinenfreigaben oder Entscheidungen warten müssen. Sie unterbrechen den Fluss und erhöhen die Durchlaufzeit, ohne Wert zu schaffen. Ursachen sind häufig unausgeglichene Arbeitsinhalte, mangelnde Synchronisation zwischen Prozessschritten oder unzuverlässige Anlagen.
Überproduktion gilt im Toyota-Produktionssystem als die schlimmste aller Verschwendungsarten, weil sie alle anderen Arten nach sich zieht (vgl. OJT Solutions 2019, S. 121). Wer mehr produziert als der Kunde benötigt, erzeugt Bestände, erfordert Transport und Lagerfläche, bindet Kapital und verdeckt Qualitätsprobleme. Das Pull-Prinzip und die bedarfsgesteuerte Produktion sind die wichtigsten Gegenmaßnahmen (vgl. Klevers 2015, S. 17–18).
Überbearbeitung liegt vor, wenn an einem Produkt mehr Arbeit geleistet wird, als der Kunde verlangt oder bereit ist zu bezahlen. Dazu gehören unnötig enge Toleranzen, zu aufwendige Oberflächenbehandlungen, redundante Prüfschritte oder die Verwendung überdimensionierter Maschinen für einfache Bearbeitungen.
Fehlerhafte Teile erfordern Nacharbeit, Sortierung oder Ausschuss, alles Aktivitäten, die Ressourcen verbrauchen, ohne Wert zu schaffen. Darüber hinaus führen Fehler zu Lieferverzögerungen, Kundenbeschwerden und erhöhtem Prüfaufwand. TPM bekämpft diese Verschwendungsart durch systematische Anlagenverbesserung und die Null-Fehler-Strategie.
Das Akronym TIM WOOD wird in vielen Unternehmen als Werkzeug für Verschwendungsrundgänge (Waste Walks) eingesetzt. Dabei gehen Teams durch die Fertigung oder Bürobereiche und identifizieren systematisch Verschwendung anhand der sieben Kategorien. Manche Unternehmen erweitern das Akronym zu TIM WOODS, wobei das S für Skills (ungenutztes Mitarbeiterpotenzial) steht, die achte Verschwendungsart, die erst später ergänzt wurde.
Praxistipp: Führen Sie regelmäßige Verschwendungsrundgänge mit TIM WOOD als Checkliste durch. Nehmen Sie ein Formular mit den sieben Kategorien mit und notieren Sie konkrete Beispiele für jede Art. Beginnen Sie mit der sichtbarsten Verschwendung, meist Transport und Bestände, und arbeiten Sie sich zu den subtileren Formen wie Überbearbeitung und ungenutztem Potenzial vor.
Ohno, T. (1988): Toyota Production System, Beyond Large-Scale Production. Productivity Press, Portland OR, S. 19–20.