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Was ist "Taiichi Ohno (1912 - 1990)"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Taiichi Ohno (1912–1990) gilt als der Begründer des Toyota-Produktionssystems (TPS) und damit als einer der einflussreichsten Industriemanager des 20. Jahrhunderts. Als Ingenieur und späterer Vizepräsident von Toyota entwickelte er die Prinzipien der schlanken Produktion, die heute weltweit unter dem Begriff Lean Management bekannt sind. Sein Werk hat die industrielle Fertigung grundlegend verändert und bildet das Fundament für Operational Excellence.

Leben und Karriere

Taiichi Ohno wurde 1912 in Dalian (Mandschurei, damals Japan) geboren. Nach seinem Studium trat er 1932 bei der Toyoda Spinning and Weaving Company ein, die später in die Toyota Motor Corporation aufging. In der Textilfertigung sammelte er erste Erfahrungen mit effizienter Produktion und dem Prinzip der Fehlervermeidung, Konzepte, die er später auf die Automobilproduktion übertrug (vgl. Furukawa-Caspary 2013, S. 14–17).

Ab den 1950er-Jahren begann Ohno, das Toyota-Produktionssystem systematisch aufzubauen. Unter dem Druck begrenzter Ressourcen im Nachkriegsjapan entwickelte er Methoden, die mit minimalem Einsatz maximale Wertschöpfung ermöglichten. Er stieg in der Toyota-Hierarchie auf und wurde 1975 zum Vizepräsidenten ernannt. Nach seinem Ausscheiden bei Toyota 1978 blieb er als Berater und Mentor aktiv. Taiichi Ohno verstarb am 28. Mai 1990.

Die Säulen des Toyota-Produktionssystems

Ohnos zentraler Beitrag war die Entwicklung der zwei Säulen des TPS:

  • Just-in-Time (JIT): Jedes Teil wird genau dann produziert und geliefert, wenn es im nächsten Prozessschritt benötigt wird. Bestände werden radikal reduziert, Durchlaufzeiten verkürzt und Verschwendung eliminiert.
  • Jidoka (Autonomation): Maschinen und Prozesse werden so gestaltet, dass sie Fehler automatisch erkennen und stoppen. Qualität wird in den Prozess eingebaut statt nachträglich geprüft.

Beide Säulen sind untrennbar miteinander verbunden: Just-in-Time funktioniert nur bei hoher Prozessqualität, und Jidoka stellt sicher, dass fehlerhafte Teile nicht an den nächsten Prozess weitergegeben werden. Dieses Zusammenspiel macht die Stärke des TPS aus.

Kanban, Ohnos Schlüsselinnovation

Eine der bekanntesten Innovationen Ohnos ist das Kanban-System. Inspiriert von der Funktionsweise amerikanischer Supermärkte, in denen Regale erst dann aufgefüllt werden, wenn Ware entnommen wurde, entwickelte Ohno ein kartenbasiertes Steuerungssystem für die Produktion. Kanban realisiert das Pull-Prinzip: Nicht der vorgelagerte Prozess drückt Material in die Fertigung, sondern der nachgelagerte Prozess zieht genau die Menge, die er benötigt (vgl. Franke 2012, S. 4–5).

Der Kreidekreis und das Prinzip Genchi Genbutsu

Berühmt ist Ohnos Methode des Kreidekreises: Er zeichnete einen Kreis auf den Fabrikboden und wies junge Ingenieure an, stundenlang darin stehen zu bleiben und den Produktionsprozess zu beobachten. Erst wer die Realität am Gemba wirklich verstanden hatte, durfte Verbesserungsvorschläge machen. Diese Übung verkörpert das Prinzip Genchi Genbutsu, an den Ort des Geschehens gehen und sich mit eigenen Augen ein Bild machen (vgl. OJT Solutions 2019, S. 116–119) (vgl. Roser 2016, S. 18–21).

Ohno prägte auch den Begriff der sieben Verschwendungsarten (Muda): Überproduktion, Wartezeit, Transport, übermäßige Bearbeitung, Bestände, unnötige Bewegung und Nacharbeit. Für ihn war Überproduktion die schlimmste Form der Verschwendung, weil sie alle anderen Verschwendungsarten nach sich zieht (vgl. Klevers 2015, S. 16–17).

Ohnos Vermächtnis

Taiichi Ohnos Einfluss reicht weit über Toyota hinaus. Seine Ideen bilden die Grundlage für Lean Management, TPM und zahlreiche weitere Ansätze zur Prozessverbesserung. Sein 1978 erschienenes Buch „Toyota Production System: Beyond Large-Scale Production“ zählt zu den einflussreichsten Werken der Managementliteratur. Die von ihm entwickelten Prinzipien, Verschwendung eliminieren, Qualität einbauen, respektvoller Umgang mit Menschen, sind zeitlos und universell anwendbar (vgl. Furukawa-Caspary 2013, S. 14–17).

Merke: Taiichi Ohno hat gezeigt, dass Produktivitätssteigerung nicht durch härteres, sondern durch klugeres Arbeiten erreicht wird. Sein Grundsatz „Geh an den Ort des Geschehens und sieh selbst“ ist bis heute die wichtigste Verhaltensregel für Führungskräfte in Lean-Organisationen.

Quellenangaben

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 16–17, 50–51.

Furukawa-Caspary, M. (2013): Taiichi Ohno: „reloaded“, in: YOKOTEN 04/2013, S. 14–17.

Roser, C. (2016): Der Kreidekreis von Taiichi Ohno, in: YOKOTEN 02/2016, S. 18–21.

Franke, K. (2012): Siegeszug einer kleinen Karte, in: YOKOTEN 05/2012, S. 4–5.

Weiterführende Literatur

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Teeuwen, B.; Grombach, A. (2019): SMED, Die Erfolgsmethode für schnelles Rüsten und Umstellen. 3. unveränd. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Rother, M.; May, C. (2019): Das KATA Praxishandbuch, Anpassungsfähiger und innovativer mit 20 Minuten täglicher Übung. Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Furukawa-Caspary, M. (2013): Taiichi Ohno: „reloaded“, in: YOKOTEN 05/2013, S. 14–16.

Furukawa-Caspary, M. (2013): Taiichi Ohno: „reloaded“, in: YOKOTEN 06/2013, S. 14–16.

Furukawa-Caspary, M. (2014): Taiichi Ohno reloaded, in: YOKOTEN 02/2014, S. 26–27.

Verwandte Konzepte

  • Toyota-Produktionssystem, Das von Ohno geschaffene Produktionssystem.
  • Just-in-Time, Eine der zwei Säulen des TPS.
  • Jidoka, Autonomation als zweite Säule des TPS.
  • Kanban, Von Ohno entwickeltes visuelles Steuerungssystem.
  • Verschwendung, Die sieben Verschwendungsarten nach Ohno.
  • Gemba, Der Ort des Geschehens, den Ohno zur Pflicht für Führungskräfte machte.
  • Pull-Produktion, Das Zieh-Prinzip als Kern des Kanban-Systems.
  • Lean Management, Westliche Weiterentwicklung der Ohno-Prinzipien.

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