Standard Work Type 1-3 bezeichnet im Toyota-Produktionssystem die drei Grundtypen der Standardarbeit, die sich nach dem Verhältnis von manueller Arbeit zu Maschinenarbeit unterscheiden. Diese Klassifizierung hilft Produktionsingenieuren und Führungskräften, die richtige Dokumentationsform und Verbesserungsstrategie für jeden Arbeitsplatz zu wählen. Die Unterscheidung ist von praktischer Bedeutung, weil der Ansatzpunkt für Verbesserungen sich je nach Typ grundlegend unterscheidet.
Standard Work Type 1 beschreibt Prozesse, die ausschließlich aus manueller Tätigkeit bestehen, ohne maschinelle Unterstützung. Typische Beispiele sind Montagearbeitsplätze, Kommissionierung, manuelle Prüfung und Verpackung. Der Werker bestimmt mit seiner Arbeitsgeschwindigkeit den Takt des Prozesses vollständig.
Bei Type 1 liegt der Verbesserungsfokus auf der Optimierung der Arbeitsbewegungen: Greifwege verkürzen, ergönomische Arbeitsplatzgestaltung, Eliminierung unnötiger Handgriffe und Reduktion von Laufwegen. Die Dokumentation erfolgt typischerweise über ein Standardarbeitsblatt, das die Reihenfolge der Arbeitsschritte, die Taktzeit und den Laufweg des Mitarbeiters beschreibt. Da keine Maschinenzeiten berücksichtigt werden müssen, ist die Taktzeitbalancierung vergleichsweise einfach.
Standard Work Type 2 beschreibt Prozesse, in denen der Mitarbeiter mit einer oder mehreren Maschinen zusammenarbeitet. Der Werker bestückt die Maschine, startet den automatischen Zyklus und führt während der Maschinenzeit andere manuelle Tätigkeiten aus, etwa die Entnahme des vorherigen Teils, eine Sichtprüfung oder die Vorbereitung des nächsten Einlegeteils.
Die Herausforderung bei Type 2 besteht in der optimalen Abstimmung von manueller Arbeit und Maschinenzeit. Das sogenannte Mensch-Maschine-Diagramm dokumentiert, wann der Mitarbeiter arbeitet und wann die Maschine läuft. Das Ziel ist es, die Wartezeit des Mitarbeiters auf die Maschine zu minimieren. Im Idealfall kann der Werker während der Maschinenlaufzeit eine andere Maschine bedienen, die sogenannte Mehrmaschinenarbeit.
Standard Work Type 3 beschreibt hochautomatisierte Prozesse, bei denen die Maschinenzeit den Takt bestimmt und der Mitarbeiter primär überwachende und versorgene Aufgaben übernimmt. Typische Beispiele sind Spritzgussanlagen, CNC-Bearbeitungszentren oder automatisierte Montagezellen. Der Werker be- und entlädt die Maschine, führt Qualitätsprüfungen durch und überwacht den automatischen Prozess.
Bei Type 3 liegt der Verbesserungsfokus auf der Reduzierung der Rüstzeiten, der Steigerung der Maschinenverfügbarkeit durch TPM und der Optimierung des Maschinenzyklus. Der Mitarbeiter wird häufig mehrere Maschinen gleichzeitig betreuen, wobei die Laufwege und die Reihenfolge der Maschinenbedienung standardisiert werden müssen. Die OEE-Kennzahl (Overall Equipment Effectiveness) ist bei Type 3 der wichtigste Leistungsindikator, weil sie Verfügbarkeit, Leistung und Qualität der Anlage in einer einzigen Zahl zusammenfasst.
Für jeden Standard-Work-Typ existieren spezifische Dokumentationsformulare. Bei Type 1 genügt das Standardarbeitsblatt mit Arbeitsreihenfolge, Taktzeit und Laufweg. Type 2 erfordert zusätzlich die Standardarbeitskombinationstabelle (Standardized Work Combination Table), die manuell Arbeit, Maschinenzeit und Gehzeit grafisch in einer Zeitleiste darstellt. Bei Type 3 kommt das Maschinenkapazitätsblatt (Production Capacity Sheet) hinzu, das die Kapazität jeder einzelnen Maschine dokumentiert und den Engpass identifiziert.
Die Unterscheidung der drei Typen ist für Kaizen-Aktivitäten von zentraler Bedeutung, weil sie den Ansatzpunkt für Verbesserungen bestimmt: Bei Type 1 geht es um Arbeitsbewegungen, bei Type 2 um die Mensch-Maschine-Abstimmung und bei Type 3 um Maschinenleistung und -verfügbarkeit. Wer den Typ falsch einschätzt, optimiert am falschen Hebel. Ein Team, das bei einem maschinengebundenen Prozess die Handgriffe des Werkers optimiert, verschwendet seine Energie, der Engpass liegt in der Maschinenzeit, nicht in der manuellen Arbeit.
Praxistipp: Bestimmen Sie für jeden Arbeitsplatz den Standard-Work-Typ, bevor Sie mit der Verbesserungsarbeit beginnen. Nutzen Sie bei Type 2 ein Mensch-Maschine-Diagramm, um Wartezeiten sichtbar zu machen. Bei Type 3 konzentrieren Sie sich auf die OEE-Kennzahl und Rüstzeitreduzierung statt auf die Optimierung manueller Handgriffe.