Push (auch Push-Produktion oder Push-Prinzip) bezeichnet ein Fertigungssteuerungskonzept, bei dem die Produktion auf Basis von Prognosen und Plänen angestoßen wird, ohne einen konkreten Kundenauftrag abzuwarten. Material und Aufträge werden durch die Wertschöpfungskette „gedrückt“, jeder Prozessschritt produziert, was der Produktionsplan vorgibt, unabhängig davon, ob der nachfolgende Prozess die Teile tatsächlich benötigt. Das Push-Prinzip steht damit im direkten Gegensatz zum Pull-Prinzip, das die Produktion am tatsächlichen Bedarf ausrichtet.
In einem Push-System basiert die Produktionsplanung auf Absatzprognosen, historischen Daten und Erfahrungswerten. Ein zentraler Produktionsplan legt fest, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt in welchem Prozessschritt gefertigt werden. Die einzelnen Arbeitsstationen produzieren gemäß diesem Plan und schieben ihre Ergebnisse an die nächste Station weiter, unabhängig davon, ob dort gerade Kapazität oder Bedarf besteht.
Typische Merkmale eines Push-Systems sind:
Der fundamentale Unterschied zwischen Push und Pull liegt in der Auslösung der Produktion: Während beim Push-Prinzip ein vorgelagerter Plan die Fertigung anstößt, wird beim Pull-Prinzip erst produziert, wenn der nachfolgende Prozess oder der Kunde einen konkreten Bedarf signalisiert, beispielsweise über Kanban-Karten oder einen Supermarkt. Im Lean-Kontext wird das Pull-Prinzip gegenüber dem Push-Prinzip bevorzugt, da es Überproduktion, die größte der sieben Verschwendungsarten, systematisch vermeidet.
Allerdings ist Push nicht in jedem Fall die schlechtere Lösung. In bestimmten Situationen kann ein Push-System durchaus sinnvoll oder sogar notwendig sein: bei sehr langen Beschaffungszeiten, bei saisonaler Vorproduktion oder wenn der Kundenauftrag keine ausreichende Vorlaufzeit für eine bedarfsorientierte Fertigung bietet (vgl. Roser 2020, S. 7). Entscheidend ist, dass Unternehmen bewusst entscheiden, wo sie Push- und wo sie Pull-Steuerung einsetzen.
Ein wesentliches Problem von Push-Systemen ist der sogenannte Bullwhip-Effekt: Kleine Schwankungen in der Endkundennachfrage verstärken sich in vorgelagerten Stufen der Lieferkette enorm. Da jede Stufe ihre eigenen Prognosen erstellt und Sicherheitsbestände aufbaut, schaukeln sich die Bestellmengen immer weiter auf. Die Folge sind überhöhte Bestände, erhöhte Lagerkosten und im schlimmsten Fall Abschreibungen auf nicht mehr verwertbares Material.
Im Wertstromdesign werden Push-Verbindungen zwischen Prozessschritten als gestreifter Pfeil dargestellt. Diese Visualisierung hilft, Stellen in der Wertschöpfungskette zu identifizieren, an denen eine Umstellung von Push auf Pull sinnvoll ist. Das Ziel eines Lean-Wertstroms besteht darin, möglichst viele Push-Verbindungen durch Pull-Mechanismen zu ersetzen und so einen durchgängigen, bedarfsgesteuerten Materialfluss zu schaffen (vgl. Klevers 2015, S. 48–51).
Praxisbezug: Auch in administrativen Prozessen findet sich häufig ein Push-Muster: Informationen und Aufgaben werden an Kollegen „geschoben“, ohne deren aktuelle Auslastung zu berücksichtigen. Ein Pull-basierter Ansatz würde stattdessen Aufgaben erst dann zuweisen, wenn Kapazität verfügbar ist (vgl. Albat 2014, S. 27–29).
Roser, C. (2020): Wenn Pull die falsche Lösung ist, in: YOKOTEN 06/2020, S. 7.
Albat, J. (2014): Lean in der Administration, Teil 2, in: YOKOTEN 04/2014, S. 27–29.
Furukawa-Caspary, M. (2015): Beyond Large-Scale Production, in: YOKOTEN 04/2015, S. 6–11.
Leikep, S. (2022): Eine Lean-Reise, Weltmarktführer ebm-papst setzt auf stabile Prozesse und neue Ziele, in: YOKOTEN 06/2022.