Lexikon
Forum
Downloads
Shop
Fachmagazin YOKOTEN
Login
Suche

Operational Excellence

Effizienzsteigerung im gesamten Unternehmen durch Null-Verluste, Null-Stillstände, Null-Fehler und Null-Unfälle unter Einbeziehung aller Mitarbeiter in selbstorganisierten Teams. Ein System, das betriebliche Verbesserungsansätze wie Lean, TPM, Six Sigma, Kaizen und KVP vereint.

   Zurück

Qualität & Six Sigma

In diesem Kompetenzbereich geht es darum, eine optimale Qualität sicherzustellen, um die Kundenzufriedenheit zu erhalten und zu steigern. Six Sigma ist dafür eine bewährte Methode. Weiterhin finden Sie hier Seminare zu den vielfältigen Themen der Qualitätssicherung.

   Zurück

Künstliche Intelligenz (KI)

Künstliche Intelligenz (KI) transformiert Branchen, revolutioniert Arbeitsweisen und schafft völlig neue Geschäftsmodelle. Mit unserem Weiterbildungsprogramm rüsten wir Sie mit dem notwendigen Wissen und den Werkzeugen aus, um die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen erfolgreich zu gestalten.

   Zurück

Was ist "Push"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Push (auch Push-Produktion oder Push-Prinzip) bezeichnet ein Fertigungssteuerungskonzept, bei dem die Produktion auf Basis von Prognosen und Plänen angestoßen wird, ohne einen konkreten Kundenauftrag abzuwarten. Material und Aufträge werden durch die Wertschöpfungskette „gedrückt“, jeder Prozessschritt produziert, was der Produktionsplan vorgibt, unabhängig davon, ob der nachfolgende Prozess die Teile tatsächlich benötigt. Das Push-Prinzip steht damit im direkten Gegensatz zum Pull-Prinzip, das die Produktion am tatsächlichen Bedarf ausrichtet.

Funktionsweise und Merkmale

In einem Push-System basiert die Produktionsplanung auf Absatzprognosen, historischen Daten und Erfahrungswerten. Ein zentraler Produktionsplan legt fest, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt in welchem Prozessschritt gefertigt werden. Die einzelnen Arbeitsstationen produzieren gemäß diesem Plan und schieben ihre Ergebnisse an die nächste Station weiter, unabhängig davon, ob dort gerade Kapazität oder Bedarf besteht.

Typische Merkmale eines Push-Systems sind:

  • Zentrale Steuerung: Ein übergeordneter Produktionsplan steuert alle Prozessschritte, häufig über ein ERP- oder MRP-System.
  • Prognosebasiert: Die Fertigungsmengen werden auf Basis von Bedarfsvorhersagen festgelegt, nicht aufgrund realer Kundenabrufe.
  • Hohe Bestände: Zwischen den Prozessschritten entstehen Pufferbestände, da jede Station unabhängig vom Nachfolgeprozess produziert.
  • Lange Durchlaufzeiten: Material verbringt einen großen Teil der Durchlaufzeit wartend in Zwischenlagern.

Push vs. Pull

Der fundamentale Unterschied zwischen Push und Pull liegt in der Auslösung der Produktion: Während beim Push-Prinzip ein vorgelagerter Plan die Fertigung anstößt, wird beim Pull-Prinzip erst produziert, wenn der nachfolgende Prozess oder der Kunde einen konkreten Bedarf signalisiert, beispielsweise über Kanban-Karten oder einen Supermarkt. Im Lean-Kontext wird das Pull-Prinzip gegenüber dem Push-Prinzip bevorzugt, da es Überproduktion, die größte der sieben Verschwendungsarten, systematisch vermeidet.

Allerdings ist Push nicht in jedem Fall die schlechtere Lösung. In bestimmten Situationen kann ein Push-System durchaus sinnvoll oder sogar notwendig sein: bei sehr langen Beschaffungszeiten, bei saisonaler Vorproduktion oder wenn der Kundenauftrag keine ausreichende Vorlaufzeit für eine bedarfsorientierte Fertigung bietet (vgl. Roser 2020, S. 7). Entscheidend ist, dass Unternehmen bewusst entscheiden, wo sie Push- und wo sie Pull-Steuerung einsetzen.

Push-Effekte in der Wertschöpfungskette

Ein wesentliches Problem von Push-Systemen ist der sogenannte Bullwhip-Effekt: Kleine Schwankungen in der Endkundennachfrage verstärken sich in vorgelagerten Stufen der Lieferkette enorm. Da jede Stufe ihre eigenen Prognosen erstellt und Sicherheitsbestände aufbaut, schaukeln sich die Bestellmengen immer weiter auf. Die Folge sind überhöhte Bestände, erhöhte Lagerkosten und im schlimmsten Fall Abschreibungen auf nicht mehr verwertbares Material.

Im Wertstromdesign werden Push-Verbindungen zwischen Prozessschritten als gestreifter Pfeil dargestellt. Diese Visualisierung hilft, Stellen in der Wertschöpfungskette zu identifizieren, an denen eine Umstellung von Push auf Pull sinnvoll ist. Das Ziel eines Lean-Wertstroms besteht darin, möglichst viele Push-Verbindungen durch Pull-Mechanismen zu ersetzen und so einen durchgängigen, bedarfsgesteuerten Materialfluss zu schaffen (vgl. Klevers 2015, S. 48–51).

Praxisbezug: Auch in administrativen Prozessen findet sich häufig ein Push-Muster: Informationen und Aufgaben werden an Kollegen „geschoben“, ohne deren aktuelle Auslastung zu berücksichtigen. Ein Pull-basierter Ansatz würde stattdessen Aufgaben erst dann zuweisen, wenn Kapazität verfügbar ist (vgl. Albat 2014, S. 27–29).

Quellenangaben

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 48–51.

Roser, C. (2020): Wenn Pull die falsche Lösung ist, in: YOKOTEN 06/2020, S. 7.

Albat, J. (2014): Lean in der Administration, Teil 2, in: YOKOTEN 04/2014, S. 27–29.

Weiterführende Literatur

Teeuwen, B.; Grombach, A. (2019): SMED, Die Erfolgsmethode für schnelles Rüsten und Umstellen. 3. unveränd. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Furukawa-Caspary, M. (2015): Beyond Large-Scale Production, in: YOKOTEN 04/2015, S. 6–11.

Leikep, S. (2022): Eine Lean-Reise, Weltmarktführer ebm-papst setzt auf stabile Prozesse und neue Ziele, in: YOKOTEN 06/2022.

Verwandte Konzepte

  • Pull, Bedarfsgesteuerte Fertigung als Gegenprinzip zu Push.
  • Kanban, Signalkartensystem zur Umsetzung von Pull-Steuerung.
  • Supermarkt, Definiertes Pufferlager an der Schnittstelle zwischen Push und Pull.
  • Wertstromdesign, Methode zur Visualisierung und Optimierung des Materialflusses.
  • Bullwhip-Effekt, Aufschaukelung von Bestellschwankungen in Push-Systemen.
  • Verschwendung, Überproduktion als größte Verlustquelle im Push-System.

Vertrag widerrufen

Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie geben Einwilligung zu unseren Cookies, wenn Sie unsere Webseite weiterhin nutzen.