Pick by Light ist ein lichtgesteuertes Kommissioniersystem, bei dem Leuchtanzeigen an den Lagerplätzen den Mitarbeiter visuell zum richtigen Entnahmefach und zur korrekten Entnahmemenge führen. Durch die direkte optische Führung entfallen zeitaufwendige Suchvorgänge und die Fehlerquote bei der Kommissionierung sinkt erheblich. Das Prinzip folgt dem Lean-Grundsatz, Verschwendung durch visuelle Steuerung zu eliminieren und den Mitarbeiter von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten zu entlasten.
An jedem Lagerfach ist eine Anzeigeeinheit montiert, die typischerweise aus einer Signalleuchte, einem numerischen Display für die Entnahmemenge und einer Quittierungstaste besteht. Sobald ein Kommissionierauftrag ausgelöst wird, leuchtet die Anzeige am entsprechenden Fach auf und zeigt die benötigte Stückzahl an. Der Mitarbeiter entnimmt die angezeigte Menge und bestätigt den Vorgang per Tastendruck. Anschließend erlischt die Anzeige, und das nächste Fach signalisiert die folgende Entnahme.
Dieses Prinzip macht den Kommissionierprozess nahezu papierlos und eliminiert das Lesen von Picklisten oder das Scannen von Barcodes als Zwischenschritte. Die Steuerung erfolgt über ein Lagerverwaltungssystem, das die Auftragsdaten in Echtzeit an die Fachanzeigen übermittelt. Moderne Systeme unterstützen dabei auch Multi-Order-Picking, bei dem mehrere Aufträge gleichzeitig kommissioniert werden können.
Der größte Vorteil von Pick by Light liegt in der drastischen Reduzierung von Greiffehlern. Studien aus der Intralogistik zeigen, dass lichtgeführte Systeme die Fehlerquote auf unter 0,1 % senken können, gegenüber 1–3 % bei papierbasierter Kommissionierung. Gleichzeitig steigt die Kommissionierleistung, da der Mitarbeiter seine Aufmerksamkeit vollständig auf das Greifen und Ablegen konzentrieren kann, statt Informationen zu suchen und zu interpretieren.
Aus Sicht des Lean Management realisiert Pick by Light mehrere Verbesserungen gleichzeitig: Es reduziert die Verschwendungsart unnötige Bewegung durch kürzere Suchzeiten, minimiert Fehler und Nacharbeit durch eindeutige visuelle Anweisung und beschleunigt den Informationsfluss durch die digitale Echtzeitanbindung. Die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter verkürzt sich deutlich, da das System intuitiv verständlich ist und keine umfangreiche Schulung erfordert.
Pick by Light eignet sich besonders für Lagerbereiche mit hoher Umschlagshäufigkeit und einer überschaubaren Anzahl von Artikeln pro Zone. Typische Einsatzgebiete sind die Produktionsversorgung in der Montage, der Versandbereich im E-Commerce und die Kommissionierung von Kleinteilen in der Automobilzulieferung. In Kombination mit Kaizen-Aktivitäten lässt sich das System kontinuierlich optimieren, etwa durch Anpassung der Fachbelegung nach dem ABC-Prinzip oder durch Integration von Poka-Yoke-Elementen zur zusätzlichen Fehlervermeidung.
Die Verbindung mit einem TPM-Konzept stellt sicher, dass die technische Verfügbarkeit der Anzeigeeinheiten dauerhaft hoch bleibt. Defekte Leuchtanzeigen oder fehlerhafte Quittierungstasten führen unmittelbar zu Prozessstörungen, weshalb eine geplante Wartung der Systemkomponenten in den Instandhaltungsplan integriert werden sollte.
Pick by Light ist eines von mehreren technisch unterstützten Kommissionierverfahren. Während Pick by Voice den Mitarbeiter über Sprachanweisungen per Headset führt und dabei die Hände frei lässt, setzt Pick by Light auf die visuelle Führung direkt am Lagerfach. Pick by Voice eignet sich besonders für großflächige Lager mit weiten Laufwegen, während Pick by Light seine Stärken in kompakten Kommissionierzonen mit vielen Griffen pro Laufmeter ausspielt.
Pick by Vision mit Datenbrillen kombiniert beide Ansätze, indem es visuelle Informationen ins Blickfeld des Mitarbeiters einblendet. Allerdings sind die Investitionskosten höher und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern nicht immer gegeben. In der Praxis wählen viele Unternehmen eine Kombination verschiedener Verfahren: Pick by Light für die schnelldrehenden A-Artikel in der Kernzone und konventionelle Verfahren für die langsamdrehenden C-Artikel in den Randbereichen. Die Entscheidung sollte stets auf Basis einer Wertstromanalyse des Kommissionierprozesses getroffen werden, um den größten Hebel für die Verbesserung zu identifizieren.
Praxistipp: Beginnen Sie die Einführung von Pick by Light in der Zone mit der höchsten Fehlerquote oder den meisten Griffen pro Stunde. Messen Sie vor und nach der Installation die Kommissionierleistung und die Fehlerrate, um den Nutzen zu belegen. Nutzen Sie die gewonnenen Daten als Grundlage für die schrittweise Ausweitung auf weitere Lagerbereiche.