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Was ist "One Point Lesson"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

One Point Lesson (OPL), auf Deutsch Einpunktlektion, ist eine kurze, visuell aufbereitete Schulungsunterlage, die genau einen einzelnen Lernpunkt vermittelt. Eine OPL passt typischerweise auf eine einzige DIN-A4-Seite und kann in fünf bis zehn Minuten durchgesprochen werden. Als Werkzeug des TPM dient sie der schnellen, praxisnahen Wissensvermittlung direkt am Arbeitsplatz.

Merkmale und Aufbau

Das Besondere an der One Point Lesson ist ihre bewusste Beschränkung auf einen einzigen Lerninhalt. Während klassische Schulungsunterlagen oft umfangreiche Themen abdecken, konzentriert sich die OPL auf exakt ein Thema, etwa die korrekte Schmierung einer bestimmten Lagerstelle, die Bedeutung eines Warnhinweises am Maschinenpanel oder den richtigen Umgang mit einem Messwerkzeug.

Eine typische OPL enthält folgende Elemente:

  • Titel: Prägnante Bezeichnung des Lerninhalts.
  • Kategorie: Unterscheidung in Basiswissen, Problemfall oder Verbesserungsvorschlag.
  • Skizze oder Foto: Visuelle Darstellung des Sachverhalts, oft mit Markierungen, Pfeilen und kurzen Erläuterungen. Der visuelle Anteil macht den größten Teil der OPL aus.
  • Kernaussage: Wenige Sätze, die den entscheidenden Punkt auf den Punkt bringen.
  • Ersteller und Datum: Dokumentation der Autorenschaft und Aktualität.

Die drei OPL-Kategorien

May und Schimek unterscheiden drei Typen von One Point Lessons:

  • Basiswissen (Basic Knowledge): Vermittelt grundlegende Kenntnisse über Maschinen, Materialien oder Abläufe. Beispiel: „Was ist ein Druckluftregler und wo befindet er sich an unserer Anlage?“
  • Problemfall (Trouble Case): Dokumentiert ein aufgetretenes Problem, seine Ursache und die Lösung, damit andere Mitarbeiter denselben Fehler vermeiden. Beispiel: „Warum kam es am 15. März zum Werkzeugbruch und wie verhindern wir das künftig?“
  • Verbesserung (Improvement): Beschreibt eine durchgeführte Verbesserung, damit das neue Vorgehen von allen Teammitgliedern übernommen wird. Beispiel: „Neues Schnellspannsystem, so funktioniert die Bedienung.“

OPL im TPM-Kontext

Die One Point Lesson ist ein zentrales Schulungswerkzeug in der Autonomen Instandhaltung. In den ersten Schritten der Autonomen Instandhaltung lernen Maschinenbediener, ihre Anlagen eigenständig zu reinigen, zu inspizieren und kleinere Wartungsarbeiten durchzuführen. OPLs ermöglichen es, dieses Wissen Schritt für Schritt aufzubauen, jeweils ein Lernpunkt, direkt an der Maschine, im Rahmen einer Kurzschulung.

Darüber hinaus werden OPLs in der Säule Kompetenzmanagement eingesetzt, um systematisch Qualifikationslücken zu schließen. Eine Qualifikationsmatrix zeigt, welche Fähigkeiten jeder Mitarbeiter besitzt und wo Schulungsbedarf besteht. Die OPL ist dann das konkrete Medium, mit dem diese Schulungen effizient durchgeführt werden.

Vorteile der One Point Lesson

  • Schnelle Erstellung: Eine OPL kann in 15 bis 30 Minuten erstellt werden, oft direkt vom Teammitglied, das den Sachverhalt am besten kennt.
  • Praxisnähe: Die Schulung findet am realen Objekt statt, nicht im Seminarraum. Der Transfer in den Arbeitsalltag ist unmittelbar.
  • Wissensbewahrung: Erfahrungswissen einzelner Mitarbeiter wird dokumentiert und für das gesamte Team verfügbar gemacht.
  • Niedrige Hürde: Da eine OPL bewusst einfach gehalten ist, trauen sich auch Mitarbeiter ohne Schulungserfahrung, eigene OPLs zu erstellen.

Erstellung und Einsatz in der Praxis

Der Erstellungsprozess einer OPL ist bewusst niedrigschwellig gestaltet. Idealerweise erstellt der Mitarbeiter die OPL selbst, der das Thema am besten beherrscht oder ein Problem gelöst hat. Eine Vorlage mit den Feldern Titel, Kategorie, Skizzenbereich und Erläuterungsfeld vereinfacht die Erstellung. Handschriftliche Zeichnungen sind ausdrücklich erwünscht, Perfektion ist nicht das Ziel, sondern die schnelle und verständliche Vermittlung des Lerninhalts.

Die Schulung selbst findet typischerweise im Rahmen von Teambesprechungen, Schichtübergaben oder Shopfloor-Management-Runden statt. Der Ersteller präsentiert die OPL dem Team, demonstriert den Sachverhalt an der Maschine und beantwortet Fragen. Nach der Schulung wird die OPL an einem zentralen Ort aufbewahrt, etwa in einem OPL-Ordner am Arbeitsplatz, und dient als Nachschlagewerk.

Praxistipp: Setzen Sie sich das Ziel, pro Monat und Team mindestens zwei bis drei OPLs zu erstellen. Nicht die Quantität, sondern die Regelmäßigkeit ist entscheidend. Halten Sie die OPLs bewusst einfach, eine Skizze und drei Sätze reichen oft aus, um einen wichtigen Lernpunkt festzuhalten.

Weiterführende Literatur

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Verwandte Konzepte

  • Autonome Instandhaltung, TPM-Säule, in der OPLs das zentrale Schulungswerkzeug sind.
  • Kompetenzmanagement, Systematischer Aufbau von Mitarbeiterfähigkeiten mithilfe von OPLs.
  • Standardisierte Arbeit, OPLs dokumentieren und vermitteln Arbeitsstandards.
  • Shopfloor Management, Rahmen, in dem OPL-Schulungen stattfinden.
  • TPM, Ganzheitliches Produktivitätskonzept, zu dem die OPL als Schulungswerkzeug gehört.
  • KVP, OPLs der Kategorie „Verbesserung“ dokumentieren und verbreiten Verbesserungen.

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