MBO (Management by Objectives), auf Deutsch Führen durch Zielvereinbarung, ist ein Managementkonzept, bei dem Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam konkrete Ziele vereinbaren, an denen die Leistung gemessen wird. Das Konzept geht auf Peter Drucker zurück, der es 1954 in seinem Werk „The Practice of Management“ erstmals systematisch beschrieb. MBO war über Jahrzehnte der vorherrschende Ansatz zur Zielsteuerung in westlichen Unternehmen. Aus Sicht des Lean Management weist MBO jedoch gravierende Schwächen auf, die insbesondere im Vergleich mit dem japanischen Hoshin Kanri deutlich werden.
MBO basiert auf der Idee, dass Mitarbeiter motivierter und effektiver arbeiten, wenn sie klare, messbare Ziele haben und an deren Festlegung beteiligt sind. Der Prozess folgt einem Jahreszyklus: Zu Beginn eines Geschäftsjahres werden auf der obersten Ebene strategische Ziele definiert. Diese werden über die Hierarchiestufen hinweg heruntergebrochen, bis jeder Mitarbeiter individuelle Jahresziele hat. Am Ende des Jahres wird die Zielerreichung bewertet, häufig verknüpft mit Boni oder Gehaltsanpassungen.
Aus der Perspektive von TPM und Lean Management weist MBO mehrere strukturelle Schwächen auf, die in der Praxis zu erheblichen Dysfunktionen führen können:
Im japanischen Managementsystem wird statt MBO das Hoshin Kanri (Policy Deployment, Zielentfaltung) eingesetzt. Während MBO Ziele von oben nach unten kaskadiert, entfaltet Hoshin Kanri die Ziele in einem strukturierten Dialog zwischen den Hierarchieebenen, dem sogenannten Catchball-Prozess. Die obere Ebene formuliert eine strategische Richtung, die nächste Ebene prüft die Umsetzbarkeit und meldet Bedenken und Vorschläge zurück. So entsteht ein abgestimmter Plan, der sowohl ambitioniert als auch realistisch ist (vgl. Romberg/Furukawa-Caspary 2014, S. 20–21).
Ein entscheidender Unterschied liegt in der horizontalen Abstimmung: Hoshin Kanri berücksichtigt explizit die bereichsübergreifende Koordination (Cross-Functional Management). Konflikte zwischen Abteilungszielen werden im Vorfeld gelöst, nicht erst in der Umsetzung. Außerdem arbeitet Hoshin Kanri mit kurzfristigen Überprüfungszyklen und verknüpft die strategische Ausrichtung mit der täglichen Verbesserungsarbeit am Gemba.
Kernunterschied: MBO fragt „Hast du dein Ziel erreicht?“, Hoshin Kanri fragt „Haben wir gemeinsam den richtigen Weg gefunden?“. Der Fokus verschiebt sich von individueller Ergebniskontrolle hin zu organisationalem Lernen und bereichsübergreifender Zusammenarbeit.
Obwohl MBO in vielen Unternehmen nach wie vor praktiziert wird, ist das Konzept seit den 2000er-Jahren zunehmend in die Kritik geraten. Moderne Alternativen wie OKR (Objectives and Key Results), die bei Technologieunternehmen verbreitet sind, versuchen einige der MBO-Schwächen zu adressieren, etwa durch kürzere Zyklen und die Entkopplung von Zielerreichung und Vergütung. Aus Lean-Sicht bleibt Hoshin Kanri jedoch der überlegene Ansatz, weil er die Prozessorientierung, die bereichsübergreifende Abstimmung und die Verbindung zur täglichen KVP-Arbeit systematisch integriert.
Romberg, C.; Furukawa-Caspary, M. (2014): Hoshin Kanri (Policy Deployment), in: YOKOTEN 01/2014, S. 20–21.
Weber, W. (2019): Moderne Managementansätze, in: YOKOTEN 01/2019, S. 12–15.