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Was ist "Jishuken"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Jishuken (wörtlich: autonome Studiengruppe) bezeichnet ein Konzept des selbstgesteuerten Lernens, bei dem Führungskräfte und Fachleute in kleinen Gruppen reale Problemstellungen im eigenen Unternehmen bearbeiten. Anders als bei externen Schulungen oder theoretischen Workshops findet das Lernen direkt am Ort des Geschehens statt, in der Produktion, in der Logistik oder in administrativen Prozessen. Jishuken ist damit eine Lernform, die Wissensaufbau und praktische Verbesserung untrennbar miteinander verbindet.

Ursprung und Abgrenzung

Die Jishuken-Tradition hat ihren Ursprung bei Toyota, wo bereits in den 1960er-Jahren Führungskräfte von Zulieferern eingeladen wurden, in den Toyota-Werken zu lernen und gleichzeitig Verbesserungen umzusetzen. Ziel war es, das Wissen über das Toyota-Produktionssystem in der gesamten Lieferkette zu verbreiten, nicht durch Vorträge, sondern durch gemeinsames Arbeiten an konkreten Herausforderungen (vgl. Liker 2004, S. 203–215).

Während der Begriff Jishuken-Workshop häufig für zeitlich begrenzte Intensivworkshops verwendet wird, beschreibt Jishuken im weiteren Sinne das Prinzip des autonomen Lernens in Gruppen. Die Grundidee lautet: Lernen geschieht am wirksamsten, wenn es mit der Lösung realer Probleme verbunden ist. Die Teilnehmenden werden nicht unterrichtet, sondern erarbeiten sich das Wissen durch eigenes Handeln und Reflektieren.

Merkmale autonomer Studiengruppen

Jishuken-Gruppen zeichnen sich durch mehrere charakteristische Eigenschaften aus, die sie von herkömmlichen Arbeitskreisen oder Projektteams unterscheiden:

  • Eigeninitiative: Die Gruppe wählt ihr Thema selbst oder übernimmt ein vorgegebenes Thema mit hohem Freiheitsgrad bei der Bearbeitung. Die Mitglieder bestimmen Vorgehensweise, Methoden und Zeitplan eigenständig.
  • Gemba-Orientierung: Alle Aktivitäten finden am Ort des Geschehens statt. Die Gruppe analysiert Prozesse durch direkte Beobachtung, führt Zeitmessungen durch und erprobt Verbesserungen unmittelbar an der Linie.
  • Cross-funktionale Zusammensetzung: Die Gruppen bestehen aus Mitgliedern verschiedener Fachbereiche und Hierarchieebenen, um unterschiedliche Perspektiven einzubringen und voneinander zu lernen.
  • Sensei-Begleitung: Ein erfahrener Mentor begleitet die Gruppe, gibt jedoch keine Lösungen vor. Stattdessen stellt der Sensei Fragen, die das eigenständige Denken fördern und die Gruppe zur Erkenntnis führen.

Lernprozess und Wirkung

Der Lernprozess in Jishuken-Gruppen folgt einem Zyklus aus Beobachten, Analysieren, Umsetzen und Reflektieren. Zunächst erfasst die Gruppe den Ist-Zustand eines Prozesses durch systematische Beobachtung am Gemba. Anschließend werden Verlustquellen identifiziert und deren Ursachen analysiert. Die Gruppe entwickelt Verbesserungsmaßnahmen, setzt diese um und misst die Wirkung. In der Reflexionsphase werden die gewonnenen Erkenntnisse dokumentiert und auf andere Bereiche übertragen.

Die besondere Wirksamkeit von Jishuken liegt in der Verbindung von individuellem Lernen und organisationalem Nutzen. Die Teilnehmenden entwickeln ihre Fähigkeiten in der Prozessanalyse und Problemlösung, während gleichzeitig messbare Verbesserungen im Unternehmen entstehen. Dieses Prinzip des „Lernens durch Verbessern“ macht Jishuken zu einem besonders effizienten Instrument der Führungskräfteentwicklung.

Praxishinweis: Erfolgreiche Jishuken-Aktivitäten erfordern die Rückendeckung des Top-Managements. Die Teilnehmenden müssen für die Dauer der Studiengruppe von ihren Tagesaufgaben freigestellt werden. Zudem sollte die Präsentation der Ergebnisse vor der Geschäftsleitung fester Bestandteil sein, um Wertschätzung auszudrücken und den Transfer in die Organisation sicherzustellen.

Quellenangaben

Liker, J. K. (2004): The Toyota Way. 14 Management Principles from the World’s Greatest Manufacturer. McGraw-Hill, New York, S. 203–215.

Weiterführende Literatur

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. Grundlagen und Einführung von TPM, oder wie Sie Operational Excellence erreichen. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 109–131 (Kapitel TPM und Führung, Veränderungsprozesse, Mobilisierung von Wissen und Können).

OJT Solutions Inc. (2017): Toyotas Geheimrezepte für die Mitarbeiterentwicklung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, CETPM Publishing, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2019): Toyotas Geheimrezepte für die Problemlösung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Verwandte Konzepte

  • Jishuken-Workshop, Zeitlich begrenzte Intensivform des Jishuken mit Fokus auf schnelle, messbare Ergebnisse in einem definierten Bereich.
  • Kaizen, Kontinuierliche Verbesserung als übergeordnetes Prinzip, das durch Jishuken-Aktivitäten praktisch erlernt und vertieft wird.
  • TPM, Ganzheitlicher Ansatz, in dem Jishuken als Instrument zur Kompetenzentwicklung und Verlustreduzierung eingesetzt wird.
  • Lean Management, Managementphilosophie, deren Methoden und Prinzipien häufig über Jishuken-Gruppen in die Organisation getragen werden.

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