Das JIPM (Japan Institute of Plant Maintenance) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tokyo, Japan. Es wurde 1981 gegründet und ging aus dem Japan Institute of Plant Engineers (JIPE) hervor, das 1969 ins Leben gerufen worden war. Das JIPM gilt als die weltweit führende Institution für die Weiterentwicklung und Verbreitung von Total Productive Management (TPM). Es vergibt den international renommierten TPM Excellence Award und unterstützt Unternehmen weltweit bei der Einführung und Verbesserung von TPM-Systemen (vgl. May/Grombach 2017, S. 28–30).
Die Wurzeln des JIPM reichen zurück in die Nachkriegszeit der japanischen Industrie. In den 1950er Jahren begannen japanische Unternehmen, amerikanische Konzepte der vorbeugenden Instandhaltung (Preventive Maintenance) zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Seiichi Nakajima, der als Vater von TPM gilt, begleitete diese Entwicklung seit 1951 und trieb die systematische Integration von Instandhaltung und Produktion voran.
1969 wurde das Japan Institute of Plant Engineers (JIPE) gegründet, um den Wissensaustausch zwischen Industrieunternehmen im Bereich Anlagenmanagement zu fördern. JIPE legte den Grundstein für die spätere Formalisierung von TPM als ganzheitliches Produktionssystem. Im Jahr 1981 wurde JIPE in das Japan Institute of Plant Maintenance (JIPM) umbenannt, ein Schritt, der die erweiterte Ausrichtung auf das gesamte Spektrum der Anlagenpflege und -optimierung widerspiegelte.
Bereits 1971, noch unter dem Dach von JIPE, wurde mit dem Distinguished Plant Prize die erste TPM-Auszeichnung vergeben. Erster Preisträger war Nippondenso, ein Unternehmen der Toyota-Gruppe. Dieser Preis markierte den Beginn einer langen Tradition der Auszeichnung herausragender TPM-Leistungen durch das Institut.
Seiichi Nakajima gilt als Vater von TPM und hat die Entwicklung des Konzepts maßgeblich geprägt. Seit den frühen 1950er Jahren beschäftigte er sich mit der Weiterentwicklung von Instandhaltungskonzepten und führte internationale Best Practices in die japanische Industrie ein. Nakajima entwickelte die Idee, dass Instandhaltung nicht allein Aufgabe spezialisierter Techniker sein sollte, sondern die gesamte Belegschaft einbeziehen müsse, ein revolutionärer Gedanke, der zur Kernphilosophie von TPM wurde.
Nakajimas Werk „Introduction to TPM“ (1988) machte das Konzept über Japan hinaus international bekannt. Er definierte TPM als ein System, das die Gesamteffektivität der Anlagen maximiert, ein umfassendes System der vorbeugenden Instandhaltung über die gesamte Lebensdauer der Anlage etabliert und alle Abteilungen, von der Planung über die Produktion bis zur Instandhaltung, einbezieht. Darüber hinaus führte Nakajima die OEE (Overall Equipment Effectiveness) als zentrale Kennzahl ein, die heute weltweit als Standard für die Messung der Anlageneffektivität gilt.
Wichtiger Hinweis: Seiichi Nakajima gilt als Vater von TPM, nicht als Gründer des JIPM. Das JIPM als Institution entstand aus der Zusammenarbeit zahlreicher japanischer Industrieexperten und Unternehmen. Nakajimas Beitrag lag in der inhaltlichen Entwicklung und Systematisierung des TPM-Konzepts.
Der TPM Excellence Award ist die bedeutendste internationale Auszeichnung für herausragende TPM-Implementierung und wird ausschließlich vom JIPM vergeben. Die Bewertung erfolgt durch erfahrene JIPM-Assessoren, die Unternehmen vor Ort überprüfen und anhand eines umfassenden Kriterienkatalogs bewerten. Der Award wird in verschiedenen Stufen vergeben, die den Reifegrad der TPM-Implementierung widerspiegeln.
Die erste TPM-Auszeichnung, der Distinguished Plant Prize, wurde bereits 1971 an Nippondenso vergeben. Seitdem hat sich das Award-System zu einem mehrstufigen Programm weiterentwickelt, das Unternehmen auf ihrem Weg zu TPM-Exzellenz begleitet (vgl. Teeuwen/May 2012, S. 15). Die Stufen umfassen unter anderem den TPM Excellence Award der Kategorie A, den Award for Excellence in Consistent TPM Commitment sowie den World Class Achievement Award als höchste Auszeichnung. Jede Stufe erfordert eine mehrjährige, nachhaltige Weiterentwicklung der TPM-Aktivitäten.
Für europäische Unternehmen hat der TPM Excellence Award eine besondere Bedeutung: Er bietet eine externe, objektive Bewertung des eigenen TPM-Reifegrades und ermöglicht den Vergleich mit weltweiten Best Practices. Allerdings sind deutsche und europäische Firmen bei den JIPM Awards im internationalen Vergleich bislang eher schwach vertreten (vgl. Teeuwen/May 2012, S. 15).
Das CETPM (Centre of Excellence for Transformation and Productivity Management) an der Hochschule Ansbach ist seit September 2011 Associate Agency des JIPM. Im Januar 2012 wurde das CETPM zur zertifizierten Assessment Agency für den TPM Excellence Award ernannt, als eine von sechs JIPM Assessment Agencies weltweit. Die Zertifizierung wurde auf der 11. Indian TPM Conference in Chennai verliehen (vgl. YOKOTEN 01/2012, S. 9).
Durch diese Partnerschaft können europäische Unternehmen den JIPM TPM Excellence Award über das CETPM beantragen und sich auf das Assessment vorbereiten. Alexander Grombach, seit 2012 Vize-Direktor des CETPM, und Kunio Shirose, Vize-Direktor des JIPM und TPM-Pionier, waren maßgeblich am Aufbau dieser Kooperation beteiligt (vgl. Grombach 2012, S. 7). Die Zusammenarbeit ermöglicht einen direkten Wissenstransfer zwischen japanischer TPM-Expertise und europäischer Industriepraxis.
Das JIPM hat das TPM-Konzept in ein strukturiertes Modell mit acht Säulen gegliedert, das Unternehmen als Rahmenwerk für ihre Verbesserungsaktivitäten dient:
Das Operational Excellence Reference Model des CETPM hat dieses Säulenmodell weiterentwickelt und mit zusätzlichen Basiselementen wie Gemba Kanri, Hoshin Kanri und der Verpflichtung des Managements ergänzt (vgl. May/Grombach 2017, S. 28–30).
Das JIPM ist bis heute die weltweit anerkannte Autorität für TPM. Seine Bedeutung liegt in mehreren Bereichen: Es definiert die Standards für TPM-Exzellenz, bildet Assessoren und Berater aus, vergibt international anerkannte Awards und fördert den weltweiten Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen. Die Verbindung von Forschung, Beratung und Zertifizierung macht das JIPM zu einer einzigartigen Institution im Bereich des Produktionsmanagements.
Für den deutschsprachigen Raum hat die Partnerschaft zwischen JIPM und CETPM eine besondere Bedeutung. Sie ermöglicht den direkten Zugang zu japanischem TPM-Know-how und stellt sicher, dass europäische Unternehmen von den Erkenntnissen und Best Practices profitieren können, die das JIPM über Jahrzehnte in der Zusammenarbeit mit Tausenden von Unternehmen weltweit gesammelt hat.
May, C.; Grombach, A. (2017): TPM und Operational Excellence Reference Model, Teil 1: Historie, Inhalt und Aufbau der Erfolgsmodelle, in: YOKOTEN 05/2017, S. 28–30.
Teeuwen, B.; May, C. (2012): JIPM TPM Excellence Award, Deutsche Firmen schwach vertreten, in: YOKOTEN 03/2012, S. 15.
Grombach, A. (2012): Vice Director unterstützt Führung des CETPM, in: YOKOTEN 02/2012, S. 7.
May, C. (2022): Der Wertschöpfungsbeitrag von TPM, in: YOKOTEN 02/2022.
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