Dandorigae (japanisch für „Rüstverbesserung“) bezeichnet die systematische Optimierung von Rüst- und Umstellprozessen in der Fertigung. Der Begriff setzt sich aus dandori (Vorbereitung, Rüsten) und kaizen/kae (Veränderung, Verbesserung) zusammen. Während SMED (Single Minute Exchange of Die) als westlich geprägte Methodik den strukturierten Ablauf der Rüstzeitreduzierung beschreibt, betont Dandorigae stärker den kulturellen Aspekt: Jeder Rüstvorgang ist eine Gelegenheit zur Verbesserung, und die Verantwortung dafür liegt beim gesamten Team am Ort der Wertschöpfung.
Die Kernidee von Dandorigae, wie auch von SMED, besteht in der konsequenten Trennung von internem und externem Rüsten. Internes Rüsten umfasst alle Tätigkeiten, die nur bei stillstehender Maschine ausgeführt werden können, etwa der Werkzeugwechsel selbst. Externes Rüsten bezeichnet Vorbereitungsarbeiten, die bei laufender Maschine erledigt werden können, beispielsweise das Bereitstellen des nächsten Werkzeugs, die Materialvorbereitung oder das Vorwärmen von Formen.
In der japanischen Praxis beginnt Dandorigae mit einer sorgfältigen Beobachtung des aktuellen Rüstvorgangs am Gemba. Dabei werden alle Schritte dokumentiert, zeitlich erfasst und in interne sowie externe Tätigkeiten klassifiziert (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 23–24). Anschließend werden möglichst viele interne Tätigkeiten in externe umgewandelt. Allein dieser Schritt führt in der Praxis häufig zu einer Rüstzeitreduzierung von 30 bis 50 Prozent, ohne dass nennenswerte Investitionen erforderlich sind (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 23–25).
Im Rahmen von Total Productive Management ist Dandorigae ein wesentlicher Bestandteil der Verlustreduzierung. Rüstzeiten gehören zu den sechs großen Anlagenverlusten und wirken sich unmittelbar auf die Verfügbarkeit in der OEE-Berechnung aus. Jede Minute, die durch verbesserte Rüstprozesse eingespart wird, erhöht die produktive Maschinenzeit und damit den Output (vgl. May/Schimek 2015, S. 27–29). May und Schimek betonen, dass Rüstzeitreduzierung nicht nur eine technische, sondern vor allem eine organisatorische Aufgabe ist: Standardisierte Abläufe, visuelle Hilfsmittel und Teamarbeit sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Darüber hinaus ermöglicht eine verkürzte Rüstzeit kleinere Losgrößen, was wiederum Bestände reduziert und die Flexibilität erhöht. Dies ist ein zentrales Ziel von Lean Management: Durch häufigere Umstellungen kann näher am tatsächlichen Kundenbedarf produziert werden, ohne dass Überproduktion und Lagerbestände entstehen. Dandorigae ist somit nicht nur ein Werkzeug zur Produktivitätssteigerung, sondern ein Schlüssel zur Umsetzung des Pull-Prinzips (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 15–20).
Die praktische Umsetzung von Dandorigae folgt typischerweise einem fünfstufigen Vorgehen. In der ersten Stufe wird der aktuelle Rüstprozess per Video dokumentiert und analysiert. In der zweiten Stufe erfolgt die Trennung von internem und externem Rüsten. Die dritte Stufe wandelt interne Tätigkeiten in externe um. In der vierten Stufe werden die verbleibenden internen Tätigkeiten durch technische Lösungen, etwa Schnellspannsysteme oder Steckverbindungen, weiter verkürzt. Die fünfte Stufe standardisiert den optimierten Ablauf als neue Standardarbeit und sichert ihn durch regelmäßige Audits ab.
Praxistipp: Starten Sie Dandorigae mit einer Videoaufnahme des gesamten Rüstvorgangs. Die gemeinsame Analyse im Team enthüllt oft überraschend viele Wartezeiten und Suchvorgänge, die sich ohne Investition sofort beseitigen lassen. Bereits im ersten Workshop sind Rüstzeitreduzierungen von 30 % realistisch.