Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon
Büroeffizienz / TPM in administrativen Bereichen bildet die 8. Säule des TPM-Hauses und überträgt die bewährten Prinzipien von TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) auf die indirekten Unternehmensbereiche wie Einkauf, Vertrieb, Personalwesen, Controlling, IT und Auftragsabwicklung. Während die klassischen TPM-Säulen primär auf die Optimierung von Produktionsprozessen und Anlageneffektivität ausgerichtet sind, adressiert die 8. Säule die Tatsache, dass in vielen Unternehmen bis zu 80 Prozent der Durchlaufzeit auf administrative Prozesse entfallen. Im TPM-System wird die 8. Säule auch als „Exzellente administrative Prozesse“ oder „Office TPM“ bezeichnet und zielt darauf ab, die gleiche Verlustorientierung und Verbesserungskultur in den Büros zu etablieren, die in der Produktion bereits gelebt wird.
Das TPM-Haus umfasst in seinem vollständigen Modell acht Säulen, die auf einem gemeinsamen Fundament aus 5S und Standardisierung ruhen. Die ersten vier Säulen, Kobetsu Kaizen (1. Säule des TPM-Hauses), Autonome Instandhaltung (2. Säule von TPM), Geplante Instandhaltung und Mitarbeiterentwicklung, bilden den inneren Kern. Die vier äußeren Säulen, Anlaufüberwachung (5. Säule von TPM), Qualitätserhaltung, die 8. Säule (Büroeffizienz) und Arbeitssicherheit, vervollständigen das System.
Die Aufnahme der administrativen Bereiche als eigene Säule im TPM-Modell (vgl. May/Schimek 2015, S. 16–22) trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Operational Excellence nicht an den Werkstoren endet. Ein Produktionssystem kann nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn auch die unterstützenden Prozesse effizient und verlustfrei arbeiten. Verschwendung in den indirekten Bereichen wirkt sich unmittelbar auf die Produktionsleistung aus, etwa durch verspätete Materialbestellungen, fehlerhafte Arbeitspapiere oder langsame Freigabeprozesse.
Im TPM und Operational Excellence Reference Model wird die 8. Säule als unverzichtbarer Bestandteil eines ganzheitlichen Verbesserungssystems beschrieben. Ohne die Optimierung der administrativen Prozesse bleiben die Verbesserungen in der Produktion Insellösungen, die nicht das gesamte Potenzial des Unternehmens ausschöpfen (vgl. May/Grombach 2017, S. 28–30).
Analog zu den 16 Verlustarten in der Produktion lassen sich auch in den Büros systematisch Verluste identifizieren und kategorisieren. Die sieben Verlustkategorien der administrativen Bereiche bilden den Ausgangspunkt für die fokussierte Verbesserung:
Erkenntnis: Der Anteil der indirekten Bereiche an der gesamten Wertschöpfungskette wird häufig unterschätzt. Studien zeigen, dass in vielen Unternehmen weniger als 10 Prozent der Tätigkeiten in den Büros tatsächlich wertschöpfend im Sinne des Kunden sind. Die 8. Säule macht diese Verluste sichtbar und liefert Methoden zu ihrer systematischen Beseitigung.
Die Einführung von TPM in den administrativen Bereichen folgt einem strukturierten Sieben-Stufen-Modell, das einen klaren Entwicklungspfad von der Verlustidentifikation bis zur selbstorganisierten Exzellenz vorgibt:
Für die Umsetzung der 8. Säule steht ein umfangreiches Methodenrepertoire zur Verfügung. Im Unterschied zur Produktion, wo Verschwendung häufig physisch sichtbar ist (Materialbestände, Maschinenleerlauf, Ausschuss), versteckt sich Verschwendung im Büro oft hinter gewohnten Routinen und digitalen Prozessen. Deshalb sind spezifische Analysewerkzeuge erforderlich:
Das CETPM, ein an der Hochschule Ansbach angesiedeltes Kompetenzzentrum für Operational Excellence, betreibt am Campus Herrieden neben einer Lehrfabrik auch ein Lehrbüro (Teaching Office). Dieses dient als Modell für exzellente indirekte Prozesse und zeigt, wie die Prinzipien der 8. Säule in der Praxis umgesetzt werden können. Im Lehrbüro werden Standards für Ablage, Kommunikation und Zusammenarbeit gelebt, die Teilnehmern von Seminaren und Studienprogrammen als Referenz dienen.
Der Wertschöpfungsbeitrag von TPM wird häufig auf die Produktionsbereiche beschränkt betrachtet. Dabei zeigt die Erfahrung, dass die Verbesserungspotenziale in den Büros oftmals sogar größer sind als in der Produktion, weil administrative Prozesse historisch weniger Aufmerksamkeit erhalten haben. Der Ansatz, die bewährten TPM-Methoden konsequent auf die Büros zu übertragen, ist keine optionale Ergänzung, sondern eine Notwendigkeit für ganzheitliche Operational Excellence.
Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Verbesserung administrativer Prozesse. Workflow-Automatisierung, digitale Formulare, elektronische Freigabeprozesse und Dokumentenmanagementsysteme können Bearbeitungszeiten drastisch verkürzen und Fehlerquellen eliminieren. Doch wie bei der Digitalisierung von Produktionsprozessen gilt auch hier: Einen schlechten Prozess zu digitalisieren ergibt einen schnellen schlechten Prozess.
Die richtige Reihenfolge lautet: Erst den Prozess analysieren und optimieren, dann die Reste automatisieren. SMED (Single Minute Exchange of Die), ursprünglich für die Rüstzeitoptimierung in der Produktion entwickelt, lässt sich konzeptionell auch auf administrative Tätigkeiten übertragen, etwa auf die Umstellung von einem Auftrag auf den nächsten oder auf den Wechsel zwischen verschiedenen IT-Systemen.
Mit dem Aufkommen von Künstliche Intelligenz ergeben sich zusätzliche Perspektiven für die Büroeffizienz. KI-gestützte Werkzeuge können repetitive Textarbeit automatisieren, Daten analysieren und Entscheidungsvorlagen erstellen. Auch hier gilt jedoch: Die Technologie wirkt nur dann, wenn die Grundlagen stimmen, klare Prozesse, definierte Standards und qualifizierte Mitarbeiter.
Die Einführung von TPM in den administrativen Bereichen birgt spezifische Herausforderungen, die sich von der Produktion unterscheiden:
Zahlreiche Unternehmen haben gezeigt, dass die Übertragung von TPM-Prinzipien auf die Büros zu messbaren Ergebnissen führt. Typische Verbesserungen umfassen die Halbierung von Durchlaufzeiten, die Reduktion von Fehlerquoten und die Freisetzung von Arbeitskapazität durch Eliminierung nicht-wertschöpfender Tätigkeiten.
Im Studiengang Wertschöpfungsmanagement an der Hochschule Ansbach, der seit Oktober 2010 angeboten wird, lernen Studierende die ganzheitliche Betrachtung von Produktion und Administration. Die Verbindung von Theorie und Praxis, unter anderem in der Lehrfabrik und im Lehrbüro des CETPM am Campus Herrieden, vermittelt die 8. Säule als erlebbare Realität.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Gleichbehandlung von direkten und indirekten Bereichen. Wenn TPM nur in der Produktion eingeführt wird und die Büros außen vor bleiben, entsteht eine Asymmetrie, die das Gesamtsystem schwächt. Erst wenn alle Bereiche, von der Fertigung über die Logistik bis hin zu Vertrieb und Verwaltung, nach den gleichen Prinzipien arbeiten, entfaltet TPM seine volle Wirkung.
Die 8. Säule steht in enger Wechselwirkung mit den übrigen Säulen des TPM-Hauses. Fokussierte Verbesserung (1. Säule) liefert die Methodik für die systematische Verlustbeseitigung auch in den Büros. Die Mitarbeiterentwicklung (4. Säule) stellt sicher, dass Mitarbeiter in den indirekten Bereichen die erforderlichen Kompetenzen erwerben. Qualitätserhaltung (6. Säule) findet ihre Entsprechung in der Sicherstellung fehlerfreier administrativer Prozesse. Und die Arbeitssicherheit (7. Säule) erstreckt sich selbstverständlich auch auf die ergonomische Gestaltung von Büroarbeitsplätzen.
Die acht Säulen bilden kein isoliertes Nebeneinander, sondern ein integriertes System, in dem Fortschritte in einer Säule die anderen verstärken. Wenn beispielsweise die Büroprozesse für die Ersatzteilbestellung optimiert werden, profitiert die Geplante Instandhaltung unmittelbar von kürzeren Beschaffungszeiten (vgl. Grombach 2018, S. 28–30).
Grombach, A. (2018): TPM und Operational Excellence Reference Model, in: YOKOTEN 01/2018, S. 28–30.
Constantin May (2015): Liebe Leserinnen, liebe Leser,, in: YOKOTEN 01/2015, S. 3–3.
Constantin May (2017): Liebe Leserinnen, liebe Leser,, in: YOKOTEN 01/2017, S. 3–3.
TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) · · 5S · Kobetsu Kaizen (1. Säule des TPM-Hauses) · Autonome Instandhaltung (2. Säule von TPM) · Geplante Instandhaltung · Mitarbeiterentwicklung · Qualitätserhaltung · Anlaufüberwachung (5. Säule von TPM) · Arbeitssicherheit · Wertstromanalyse/Wertstromdesign · Lean Management · OEE