5W1H ist eine strukturierte Analysetechnik zur präzisen Beschreibung und Eingrenzung von Problemen. Die Methode geht auf den britischen Schriftsteller Rudyard Kipling zurück, der 1902 in seinem Gedicht „The Elephant's Child" sechs treue Diener beschrieb, die ihm alles beibrachten, was er wusste. Diese sechs Fragen, Was, Wann, Wo, Wer, Welche Situation und Wie, bilden das Fundament einer systematischen Problembeschreibung und liefern damit Ansätze zur Lösung des Problems (vgl. May/Schimek 2015, S. 95). Während die verwandte 5W-Methode (5-mal-Warum) auf die Ursachenfindung abzielt, dient 5W1H der genauen, faktenbasierten Problembeschreibung.
„I keep six honest serving-men
(They taught me all I knew);
Their names are What and Why and When
And How and Where and Who."
, Rudyard Kipling, „The Elephant's Child" (1902)
Bei der 5W1H-Analyse werden systematisch folgende Fragen gestellt, um ein Problem möglichst genau zu beschreiben:
Eine wirksame 5W1H-Analyse setzt voraus, dass der Problemlöser den Ort des Geschehens persönlich aufsucht. In der Lean-Philosophie gilt der Grundsatz: Gehen Sie zu Gemba! Ein Mordermittler untersucht auch den Tatort und lässt sich keine Bilder von der Leiche auf sein Handy schicken, um den Tatort zu untersuchen. Genauso muss der Problemlöser vor Ort gehen, die Situation mit eigenen Augen sehen und die Fakten dort erfassen, wo das Problem tatsächlich auftritt. Nur so können die sechs Fragen fundiert und mit echten Zahlen, Daten und Fakten beantwortet werden (vgl. Roser 2019, S. 13).
Praxistipp: Bevor eine Ursachenanalyse gestartet wird, sollte stets sichergestellt werden, dass es sich um ein relevantes Problem handelt. Beginnen Sie immer mit dem Problem, und gehen Sie, wann immer möglich, an den Ort des Geschehens!
Die systematische Anwendung der sechs Fragen bietet eine Reihe konkreter Vorteile für die Problemlösung im Betrieb:
Die 5W-Methode, auch 5-mal-Warum-Analyse genannt, ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode zur Aufdeckung der Fehlerursache eines identifizierten Problems. Durch fünfmaliges Hinterfragen mit „Warum?" wird die auslösende Ursache aufgedeckt. Während 5W1H die Frage beantwortet „Was genau ist das Problem?", beantwortet die 5W-Methode die Frage „Warum ist das Problem entstanden?". In der Praxis werden beide Methoden häufig nacheinander eingesetzt: Zuerst wird das Problem mit 5W1H präzise beschrieben, dann wird mit der 5W-Analyse die Ursache gesucht. Dieser Ansatz entspricht dem Problem-Schredder-Vorgehen, bei dem Probleme schrittweise zerkleinert und strukturiert bearbeitet werden.
Ein häufiger Fehler bei der 5W1H-Analyse ist die Vermischung von Problembeschreibung und Ursachenanalyse. Die 5W1H-Analyse soll das Problem beschreiben, nicht erklären. Sobald Antworten wie „weil der Mitarbeiter nicht aufgepasst hat" gegeben werden, verlassen die Beteiligten die Problembeschreibung und springen vorzeitig in die Ursachensuche. Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Schuldzuweisung an andere Personen oder Abteilungen, anstatt sich auf den Prozess zu konzentrieren (vgl. Roser 2019, S. 14). Christoph Roser weist darauf hin, dass der Erfolg jeder Problemlösungsmethode stark von der Qualität der Antworten abhängt. Falls es sich bei den Antworten um Vermutungen handelt, ist das Ergebnis zufällig (vgl. Roser 2019, S. 14).
5W1H gehört zu den wichtigsten TPM-Werkzeugen (vgl. May/Schimek 2015, S. 93–95) und wird zusammen mit der 5W-Analyse, der N5W-Analyse, dem Pareto-Diagramm, dem Ishikawa-Diagramm, 5S, der 8er-Methode und Makigami eingesetzt. Jedes Unternehmen sollte situationsbezogen die passenden Werkzeuge auswählen. Die 5W1H-Analyse ist dabei besonders geeignet, wenn ein Problem zunächst genau eingegrenzt werden muss, bevor eine Ursachenanalyse überhaupt sinnvoll durchgeführt werden kann.
Roser, C. (2019): Problemursachen aufdecken, Die richtige Anwendung von „5 Why", in: YOKOTEN 01/2019, S. 12–15.
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