Yokotenkai ist ein japanischer Begriff, der sich aus „yoko“ (horizontal, seitlich), „ten“ (entfalten, ausbreiten) und „kai“ (Treffen, Versammlung) zusammensetzt. Er beschreibt ein strukturiertes Meeting, in dem erfolgreiche Verbesserungen und bewährte Lösungen systematisch auf andere Bereiche, Abteilungen oder Standorte übertragen werden. Im Lean- und TPM-Kontext ist Yokotenkai damit das formale Instrument für den horizontalen Wissenstransfer, die organisierte Weitergabe von Best Practices, die in einem Bereich erprobt und validiert wurden.
Der Begriff Yokotenkai wird im Deutschen häufig zu „Yokoten“ verkürzt. Das gleichnamige YOKOTEN-Magazin des CETPM an der Hochschule Ansbach trägt diesen Namen bewusst: Es steht für das Teilen der besten Ideen und Praktiken über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Im Toyota-Produktionssystem ist Yokotenkai fest verankert: Wenn ein Team eine Verbesserung erfolgreich umgesetzt hat, wird in einem Yokotenkai-Meeting geprüft, welche anderen Bereiche von dieser Lösung profitieren können. Dabei geht es nicht um bloßes Kopieren, sondern um die Adaption und Weiterentwicklung der Lösung im neuen Kontext.
Ein Yokotenkai-Meeting folgt typischerweise einer klaren Struktur. Das Team, das die Verbesserung umgesetzt hat, präsentiert den Ausgangszustand, die durchgeführten Maßnahmen, die erzielten Ergebnisse und die gewonnenen Erkenntnisse. Anschließend diskutieren die Teilnehmer aus anderen Bereichen, ob und wie die Lösung auf ihre Situation übertragbar ist. Wichtig ist dabei, dass nicht nur die Lösung selbst, sondern auch der Denkprozess und die Vorgehensweise transparent gemacht werden, also das „Wie“ der Problemlösung, nicht nur das „Was“.
Yokotenkai ist weit mehr als ein reiner Informationsaustausch. Es ist ein Instrument der lernenden Organisation: Durch das systematische Teilen und Anpassen von Lösungen wird das kollektive Wissen eines Unternehmens kontinuierlich erweitert. Jeder Transferprozess beinhaltet die Chance, die ursprüngliche Lösung weiterzuentwickeln und noch besser zu machen. So entsteht ein Kreislauf aus Experimentieren, Lernen, Teilen und Verbessern, der den Kaizen-Gedanken auf Organisationsebene hebt.
Die Stadt Mannheim beispielsweise nutzt den Yokotenkai-Ansatz, um Erfahrungen aus Verbesserungs-Workshops systematisch zu dokumentieren und auf andere Verwaltungsbereiche zu übertragen. Die strukturierte Dokumentation ermöglicht es, Erkenntnisse auch über Abteilungsgrenzen hinweg verfügbar zu machen (vgl. Gebler 2016, S. 28–29).
Praxisbezug: Yokotenkai ist nicht auf die Produktion beschränkt. Auch in administrativen Bereichen, im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung lässt sich das Prinzip anwenden. Entscheidend ist die Bereitschaft, eigene Erfolge transparent zu machen, und die Offenheit, von anderen zu lernen, auch wenn die Lösung zunächst aus einem völlig anderen Kontext stammt (vgl. OJT Solutions 2019, S. 128).
Damit Yokotenkai-Meetings tatsächlich zu nachhaltigem Wissenstransfer führen, sind mehrere Voraussetzungen wichtig: Eine offene Unternehmenskultur, die das Teilen von Wissen belohnt statt bestraft. Eine standardisierte Dokumentation, die es ermöglicht, Verbesserungen nachvollziehbar festzuhalten. Und vor allem die aktive Unterstützung durch das Management, das die Zeit und den Rahmen für den Austausch bereitstellt. Ohne Führungsunterstützung bleibt Yokotenkai ein gut gemeintes Format ohne Wirkung.
Gebler, C. (2016): Stadt Mannheim dokumentiert Erfahrungen in Workshops, in: YOKOTEN 05/2016, S. 28–29.