Das Yamazumi Diagramm (auch Yamazumi-Board oder Yamazumi-Tafel) ist ein gestapeltes Balkendiagramm, das die Verteilung der Arbeitszeit auf einzelne Tätigkeiten innerhalb eines Kundentakts visualisiert. Der Name stammt vom japanischen Wort „yamazumi“, das „aufhäufen“ oder „stapeln“ bedeutet. In der Lean-Praxis dient das Yamazumi Diagramm dazu, die Auslastung einzelner Arbeitsplätze oder Stationen sichtbar zu machen, Verschwendung zu identifizieren und eine gleichmäßige Verteilung der Arbeitsinhalte, das sogenannte Glätten, zu ermöglichen.
In einem Yamazumi Diagramm wird für jede Arbeitsstation oder jeden Prozessschritt ein Balken gezeichnet, dessen Höhe der gesamten Zykluszeit entspricht. Dieser Balken wird in einzelne Segmente unterteilt, die jeweils eine bestimmte Tätigkeit repräsentieren. Typischerweise werden die Segmente farblich codiert, um verschiedene Kategorien zu unterscheiden:
Eine horizontale Linie markiert den Kundentakt, die verfügbare Zeit pro Einheit, die sich aus der Kundenbedarfsrate ergibt. Balken, die über diese Linie hinausragen, signalisieren eine Überlastung der Station. Balken, die deutlich darunter liegen, weisen auf Unterauslastung hin. Ziel ist es, alle Balken möglichst gleichmäßig knapp unter der Taktlinie auszubalancieren.
Die Erstellung beginnt mit einer detaillierten Zeitaufnahme am Gemba. Für jede Arbeitsstation werden sämtliche Tätigkeiten des Bedieners erfasst und zeitlich gemessen. Dabei werden die Tätigkeiten in die drei oben genannten Kategorien eingeteilt. Anschließend werden die gemessenen Zeiten als gestapelte Balken dargestellt, entweder auf Papier an einem Whiteboard oder digital. In der japanischen Praxis werden häufig physische Yamazumi-Boards mit farbigen Magnetstreifen verwendet, die sich schnell umstecken lassen, um verschiedene Szenarien durchzuspielen.
Ein besonderer Vorteil der physischen Darstellung ist die Möglichkeit, im Team vor dem Board zu stehen und gemeinsam Verbesserungsideen zu entwickeln. Die visuelle Darstellung macht sofort sichtbar, wo die größten Verschwendungsanteile liegen und welche Stationen über- oder unterbelastet sind. Diese Transparenz fördert die Diskussion und ermöglicht es, verschiedene Umverteilungsszenarien direkt am Board durchzuspielen.
Der häufigste Einsatzzweck des Yamazumi Diagramms ist die Abtaktung (Line Balancing) von Fertigungslinien und Montageprozessen. Ziel der Abtaktung ist es, die Arbeitsinhalte so auf die einzelnen Stationen zu verteilen, dass jede Station möglichst gleichmäßig ausgelastet ist und der Kundentakt eingehalten wird. Ohne eine solche Balancierung entstehen typischerweise Engpässe an überlasteten Stationen und Wartezeiten an unterausgelasteten Stationen, beides Formen der Verschwendung.
Bei der Umverteilung der Arbeitsinhalte werden zunächst die roten Verschwendungsanteile eliminiert oder reduziert. Anschließend werden die verbleibenden Tätigkeiten so auf die Stationen verteilt, dass die Zykluszeiten aller Stationen möglichst nahe am Kundentakt liegen. In manchen Fällen kann dies bedeuten, dass die Anzahl der Stationen reduziert wird, ein Ergebnis, das sich direkt in einer höheren Produktivität und geringeren Kosten niederschlägt. Das Yamazumi Diagramm macht dieses Potenzial auf einen Blick sichtbar.
Praxistipp: Erstellen Sie das Yamazumi Diagramm immer am Gemba und immer gemeinsam mit den Mitarbeitern, die den Prozess täglich ausführen. Nur sie kennen die tatsächlichen Arbeitsabläufe mit allen Nebenzeiten und Variationen. Zeitaufnahmen vom Schreibtisch aus liefern verzerrte Ergebnisse.
Das Yamazumi Diagramm ist kein einmalig erstelltes Dokument, sondern ein lebendes Werkzeug im kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Nach jeder Verbesserungsrunde, etwa nach einem Jishuken-Workshop oder einer Kaizen-Aktivität, wird das Diagramm aktualisiert, um den neuen Ist-Zustand abzubilden. So wird der Fortschritt sichtbar, und neue Verbesserungspotenziale können identifiziert werden. In Kombination mit der Wertstromanalyse liefert das Yamazumi Diagramm eine detaillierte Sicht auf die Arbeitsverteilung innerhalb einzelner Prozessschritte, während der Wertstrom den Gesamtfluss von Material und Information über alle Prozessschritte hinweg darstellt.
Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden. insb. S. 89–92.
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