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Was ist "X-Matrix"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Die X-Matrix ist ein visuelles Werkzeug im Rahmen von Hoshin Kanri (Policy Deployment), das die Zusammenhänge zwischen langfristigen Durchbruchzielen, Jahreszielen, strategischen Maßnahmen (Improvement Priorities), Erfolgs­indikatoren und Verantwortlichkeiten in einem einzigen Dokument darstellt. Ihren Namen verdankt sie der X-förmigen Anordnung der vier Quadranten, die durch Korrelationspunkte in den Eckfeldern miteinander verknüpft werden. Die X-Matrix wird auf verschiedenen Hierarchieebenen erstellt und ermöglicht so die visuelle Zielkaskadierung von der Unternehmensleitung bis zur operativen Ebene (vgl. Kudernatsch/Matros 2015, S. 16–17).

Aufbau und Quadranten

Die X-Matrix gliedert sich in vier Hauptbereiche, die jeweils einer Himmelsrichtung zugeordnet werden. Im Süden stehen die langfristigen Durchbruchziele für drei bis fünf Jahre. Im Westen werden daraus die konkreten Jahresziele abgeleitet. Im Norden finden sich die Improvement Priorities, also die strategischen Maßnahmen und Prozessveränderungen, mit denen der Durchbruch erreicht werden soll. Im Osten werden die messbaren Erfolgsindikatoren (Success Indicators) eingetragen. Am rechten Rand befindet sich zusätzlich eine Matrix für die Zuweisung von Verantwortlichkeiten.

In den Eckkreuzungen zwischen den Quadranten werden Korrelationspunkte gesetzt, die aufzeigen, welche Elemente miteinander zusammenhängen. So wird etwa sichtbar, welche Jahresziele auf welches Durchbruchziel einzahlen und welche Maßnahmen zur Erreichung welcher Jahresziele beitragen. Diese visuelle Verknüpfung macht Wechselwirkungen und mögliche Zielkonflikte auf einen Blick erkennbar.

Einsatz in der Praxis

Im Praxiseinsatz wird zunächst eine X-Matrix auf der obersten Führungsebene erstellt. Sie dient als Strategie­erklärung und Vorgabe für die nachgelagerten Ebenen. In einem nächsten Schritt erfolgt die Zielkaskadierung: Die Durchbruchziele und Jahresziele der übergeordneten Ebene werden zur Herausforderung für die nächste Ebene, die wiederum eigene Improvement Priorities und Success Indicators erarbeitet. Dieser Prozess wird durch das Catchball-Prinzip begleitet, bei dem Ziele und Maßnahmen zwischen den Ebenen abgestimmt werden (vgl. Kudernatsch/Matros 2015, S. 18).

Ein wichtiger Aspekt ist die Verbindung der X-Matrix mit dem PDCA-Zyklus. Die Matrix selbst deckt hauptsächlich die Planungsphase (Plan) ab. Für die Umsetzung, Überprüfung und Anpassung werden ergänzende Instrumente wie A3-Reports und regelmäßige Reviews benötigt. Roser weist darauf hin, dass die X-Matrix vom PDCA ablenken kann, wenn die Phasen Check und Act nicht explizit integriert werden (vgl. Roser 2021).

Kritische Betrachtung

Trotz ihrer visuellen Stärke wird die X-Matrix von erfahrenen Lean-Praktikern durchaus kritisch gesehen. Ein häufiger Einwand ist der übermäßige Fokus auf numerische Ziele, der dazu führen kann, dass prozessorientierte Verbesserungen in den Hintergrund treten. Außerdem besteht die Gefahr, dass Verantwortlichkeiten durch die Verteilung auf mehrere Personen verwässern. Im ursprünglichen Hoshin Kanri bei Toyota ist jedes Hoshin-Dokument eindeutig einer Person zugeordnet, die für dessen Umsetzung verantwortlich ist (vgl. Roser 2021).

Empfehlung: Nutzen Sie die X-Matrix als Ausgangspunkt für die Zielentfaltung, aber ergänzen Sie sie konsequent um PDCA-basierte Reviews und A3-Problemlösungsprozesse. Die Matrix allein garantiert keine erfolgreiche Strategieumsetzung, entscheidend sind die regelmäßige Überprüfung und die disziplinierte Umsetzung der abgeleiteten Maßnahmen.

Synthese mit der Verbesserungskata

Neuere Ansätze kombinieren Hoshin Kanri und damit auch die X-Matrix mit der Toyota Kata. Winkler und Bitz schlagen vor, auf jeder Hierarchieebene die Verbesserungskata anzuwenden, um aus den strategischen Zielen systematisch Ist- und Zielzustände abzuleiten. Die X-Matrix liefert dabei den äußeren Rahmen für die Zielentfaltung, während die Verbesserungskata den konkreten Handlungsleitfaden für die Umsetzung bereitstellt (vgl. Winkler/Bitz 2019, S. 12–13). Diese Synthese adressiert eine zentrale Schwäche beider Methoden: Hoshin Kanri fehlt oft ein konkretes Vorgehen zur Strategieableitung auf den einzelnen Ebenen, während der Verbesserungskata die Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie fehlt.

Quellenangaben

Kudernatsch, D.; Matros, M. (2015): Das Streben nach Exzellenz verankern, Technologie-Konzern Mahle setzt auf Hoshin Kanri, in: YOKOTEN 04/2015, S. 16–19.

Roser, C. (2021): Hoshin Kanri, Teil 4: Die X-Matrix?, in: YOKOTEN 01/2021.

Winkler, R.; Bitz, M. (2019): Verbesserungskata und Hoshin Kanri verknüpfen, Mehr Erfolg durch Synthese der Methoden, in: YOKOTEN 04/2019, S. 10–14.

Verwandte Konzepte

  • Hoshin Kanri, Strategischer Planungs- und Steuerungsprozess, in den die X-Matrix eingebettet ist.
  • Catchball, Abstimmungsprozess zur vertikalen und horizontalen Zielentfaltung innerhalb der X-Matrix.
  • PDCA, Verbesserungszyklus, der die Umsetzung der in der X-Matrix definierten Ziele begleitet.
  • A3-Report, Problemlösungswerkzeug, das zur Detaillierung der Improvement Priorities eingesetzt wird.
  • Toyota Kata, Methodik zur systematischen Verbesserung, die Hoshin Kanri ergänzt.
  • Shopfloor Management, Operative Ebene, auf der die kaskadierte Strategie täglich umgesetzt wird.

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