Value (Wert) ist im Lean-Kontext das zentrale Konzept, an dem sich alle Prozessaktivitäten messen lassen müssen: Value bezeichnet alles, wofür der Kunde bereit ist zu bezahlen, also Tätigkeiten und Eigenschaften, die aus Kundensicht einen direkten Nutzen erzeugen. Im Lean Thinking nach Womack und Jones ist die Definition von Value der erste von fünf Grundprinzipien und damit der Ausgangspunkt jeder Lean-Initiative. Siehe auch den verwandten Eintrag Wert, der den Begriff aus einer breiteren deutschsprachigen Perspektive beleuchtet.
Das Lean-Denken basiert auf einer konsequenten Unterscheidung zwischen wertschöpfenden (Value-Adding) und nicht wertschöpfenden (Non-Value-Adding) Aktivitäten. Eine Aktivität erzeugt nur dann Value, wenn sie Material oder Information aktiv im Sinne des Kunden transformiert. Die Lean-Philosophie unterteilt Aktivitäten in einem Unternehmen in wertschöpfende und nicht wertschöpfende Tätigkeiten, eine kontinuierliche Reduzierung des Anteils der nicht wertschöpfenden Tätigkeiten soll dazu führen, dass Ressourcen effizienter eingesetzt werden (vgl. Klevers 2015, S. 10).
In der Praxis zeigt sich, dass typischerweise nur ein geringer Prozentsatz der gesamten Durchlaufzeit auf echte Wertschöpfung entfällt. Der Großteil besteht aus Warten, Transportieren, Prüfen und anderen nicht wertschöpfenden Tätigkeiten (vgl. Klevers 2015, S. 28). Dieses Verhältnis sichtbar zu machen, ist Aufgabe des Value Stream Mapping.
Value steht als erstes Prinzip in der Abfolge der fünf Lean-Grundprinzipien:
Die Value-Add-Analyse (auch Wertschöpfungsanalyse) ist ein Werkzeug, das jeden Prozessschritt danach bewertet, ob er aus Kundensicht Wert erzeugt, notwendig unterstützend ist oder reine Verschwendung darstellt. Der Value-Add-Anteil am Gesamtprozess gilt als zentraler Indikator für Lean Reifegrad und Prozesseffizienz. In vielen Unternehmen liegt der wertschöpfende Anteil der Prozesszeit bei unter fünf Prozent, das zeigt das enorme Verbesserungspotenzial.
Entscheidend ist, dass Value immer aus der Perspektive des externen Kunden definiert wird, nicht aus der Sicht interner Abteilungen. Eine Tätigkeit, die intern als wichtig gilt, aber für den Endkunden keinen Unterschied macht, ist im Lean-Sinne keine Wertschöpfung, sie ist allenfalls unterstützend und sollte minimiert werden.
Value im TPM-Kontext: TPM erreicht die Einführung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit dem Ziel, sämtliche Verluste und Verschwendungen zu vermeiden und so den Anteil wertschöpfender Aktivitäten zu maximieren.
Syska, A. (2020): Gedanken zur Wertschöpfung, in: YOKOTEN 04/2020, S. 33–34.
Syska, A. (2018): Wertschöpfung neu denken, in: YOKOTEN 06/2018, S. 10–12.