Terotechnology (auch Terotechnologie) bezeichnet einen ganzheitlichen, lebenszyklusorientierten Ansatz der Anlagenwirtschaft, der sämtliche Kosten und Entscheidungen über die gesamte Lebensdauer einer Anlage hinweg betrachtet, von der Planung und Beschaffung über den Betrieb und die Instandhaltung bis zur Entsorgung. Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren in Großbritannien geprägt und setzt sich aus dem griechischen „terein“ (bewahren, pflegen) und „technology“ zusammen.
Das Konzept der Terotechnology entstand 1970 auf Initiative des britischen Department of Industry. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dennis Parkes erkannte, dass die isolierte Betrachtung von Anschaffungskosten einerseits und Betriebskosten andererseits zu Fehlentscheidungen führt. Unternehmen kauften die billigsten Maschinen, um dann festzustellen, dass die Instandhaltungskosten über die Lebensdauer ein Vielfaches des Kaufpreises betrugen.
Terotechnology sollte diese Sichtweise ändern, indem sie die gesamten Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs, LCC) einer Anlage zum zentralen Entscheidungskriterium machte. Damit war der Ansatz seiner Zeit voraus und nahm Konzepte vorweg, die später unter Begriffen wie Total Cost of Ownership (TCO) und Life Cycle Costing breitere Bekanntheit erlangten.
Der zentrale Grundsatz der Terotechnology lautet: Die wirtschaftlich beste Anlage ist nicht die mit dem niedrigsten Kaufpreis, sondern die mit den niedrigsten Gesamtkosten über ihre gesamte Nutzungsdauer. Die Lebenszykluskosten umfassen alle Aufwendungen, die während der einzelnen Phasen anfallen:
Ein wesentliches Merkmal der Terotechnology ist ihre interdisziplinäre Ausrichtung. Die Optimierung der Lebenszykluskosten kann nicht von einer einzelnen Abteilung geleistet werden, sondern erfordert die Zusammenarbeit von Konstruktion, Einkauf, Produktion, Instandhaltung und Controlling. Bereits in der Planungsphase müssen Instandhaltungsexperten eingebunden werden, um die spätere Wartbarkeit der Anlage sicherzustellen.
Diese abteilungsübergreifende Zusammenarbeit spiegelt sich in modernen Ansätzen wie der Anlagenplanung und dem Life-Cycle-Engineering wider. Unternehmen, die bereits bei der Investitionsplanung die späteren Betriebs- und Instandhaltungskosten einbeziehen, erzielen nachweislich niedrigere Gesamtkosten als Unternehmen, die rein nach dem Anschaffungspreis entscheiden.
Zwischen Terotechnology und Total Productive Maintenance (TPM) bestehen enge inhaltliche Verbindungen. Beide Konzepte streben die Maximierung der Anlageneffektivität über den gesamten Lebenszyklus an. Während Terotechnology den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Optimierung durch Lebenszykluskostenanalyse legt, fokussiert TPM stärker auf die operative Umsetzung durch Einbindung aller Mitarbeiter in die Anlagenpflege.
Die TPM-Säule „Anlaufmanagement“ greift den Terotechnology-Gedanken direkt auf: Bereits bei der Beschaffung neuer Anlagen werden Erfahrungen aus dem Betrieb bestehender Maschinen systematisch einbezogen. Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten, die während der Nutzung identifiziert wurden, fließen in die Spezifikation neuer Anlagen ein und reduzieren so die Lebenszykluskosten der nächsten Maschinengeneration (vgl. May und Schimek 2015, S. 52–54).
Obwohl der Begriff Terotechnology heute weniger gebräuchlich ist als in den 1970er- und 1980er-Jahren, sind seine Kerngedanken aktueller denn je. Unter Bezeichnungen wie Asset Management, Total Cost of Ownership und Life Cycle Management hat sich die lebenszyklusorientierte Betrachtung in vielen Branchen als Standard durchgesetzt. Die ISO 55000 zur Asset Management-Normierung greift viele Terotechnology-Prinzipien auf.
Insbesondere im Kontext steigender Energiekosten und verschärfter Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt die Lebenszyklusperspektive an Bedeutung. Unternehmen, die bei Investitionsentscheidungen nur den Kaufpreis betrachten, übersehen häufig, dass energieeffizientere Anlagen trotz höherer Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer deutlich wirtschaftlicher sind.
Praxistipp: Führen Sie bei jeder Anlagenbeschaffung eine Lebenszykluskostenrechnung durch. Beziehen Sie neben dem Kaufpreis auch Energiekosten, geplante Instandhaltung, Ersatzteile und voraussichtliche Ausfallkosten ein. Binden Sie Instandhalter bereits in die Spezifikationsphase ein, sie kennen die typischen Schwachstellen aus dem täglichen Betrieb.
May, C. und Schimek, P. (2015): Total Productive Management. Grundlagen und Einführung von TPM, oder wie Sie Operational Excellence erreichen. 6. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 52–54.
Kelly, A. und Harris, M. J. (1978): Management of Industrial Maintenance. Butterworths, London, S. 1–15.