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Was ist "Terotechnology"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Terotechnology (auch Terotechnologie) bezeichnet einen ganzheitlichen, lebenszyklusorientierten Ansatz der Anlagenwirtschaft, der sämtliche Kosten und Entscheidungen über die gesamte Lebensdauer einer Anlage hinweg betrachtet, von der Planung und Beschaffung über den Betrieb und die Instandhaltung bis zur Entsorgung. Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren in Großbritannien geprägt und setzt sich aus dem griechischen „terein“ (bewahren, pflegen) und „technology“ zusammen.

Ursprung und historischer Kontext

Das Konzept der Terotechnology entstand 1970 auf Initiative des britischen Department of Industry. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dennis Parkes erkannte, dass die isolierte Betrachtung von Anschaffungskosten einerseits und Betriebskosten andererseits zu Fehlentscheidungen führt. Unternehmen kauften die billigsten Maschinen, um dann festzustellen, dass die Instandhaltungskosten über die Lebensdauer ein Vielfaches des Kaufpreises betrugen.

Terotechnology sollte diese Sichtweise ändern, indem sie die gesamten Lebenszykluskosten (Life Cycle Costs, LCC) einer Anlage zum zentralen Entscheidungskriterium machte. Damit war der Ansatz seiner Zeit voraus und nahm Konzepte vorweg, die später unter Begriffen wie Total Cost of Ownership (TCO) und Life Cycle Costing breitere Bekanntheit erlangten.

Kerngedanke: Lebenszykluskosten

Der zentrale Grundsatz der Terotechnology lautet: Die wirtschaftlich beste Anlage ist nicht die mit dem niedrigsten Kaufpreis, sondern die mit den niedrigsten Gesamtkosten über ihre gesamte Nutzungsdauer. Die Lebenszykluskosten umfassen alle Aufwendungen, die während der einzelnen Phasen anfallen:

  • Planungsphase: Kosten für Bedarfsanalyse, Spezifikation, Marktrecherche und Lieferantenauswahl. Hier werden die entscheidenden Weichen gestellt, da bis zu 80 % der späteren Lebenszykluskosten bereits in der Planungsphase festgelegt werden.
  • Beschaffungsphase: Investitionskosten für Kauf, Transport, Installation, Inbetriebnahme und Schulung der Bediener. Bei komplexen Anlagen können Installations- und Anlaufkosten den reinen Maschinenpreis deutlich übersteigen.
  • Betriebsphase: Laufende Kosten für Energie, Betriebsstoffe, Bedienungspersonal und geplante Instandhaltung. Diese Phase erstreckt sich typischerweise über 10 bis 20 Jahre und macht den größten Anteil der Gesamtkosten aus.
  • Instandhaltungsphase: Aufwendungen für präventive Wartung, Inspektionen, Störungsbeseitigung und Ersatzteilbevorratung. Gut geplante TPM-Programme reduzieren diese Kosten erheblich.
  • Entsorgungsphase: Kosten für Rückbau, Demontage, Entsorgung oder Recycling der Anlage einschließlich eventueller Altlastenbeseitigung.

Interdisziplinärer Ansatz

Ein wesentliches Merkmal der Terotechnology ist ihre interdisziplinäre Ausrichtung. Die Optimierung der Lebenszykluskosten kann nicht von einer einzelnen Abteilung geleistet werden, sondern erfordert die Zusammenarbeit von Konstruktion, Einkauf, Produktion, Instandhaltung und Controlling. Bereits in der Planungsphase müssen Instandhaltungsexperten eingebunden werden, um die spätere Wartbarkeit der Anlage sicherzustellen.

Diese abteilungsübergreifende Zusammenarbeit spiegelt sich in modernen Ansätzen wie der Anlagenplanung und dem Life-Cycle-Engineering wider. Unternehmen, die bereits bei der Investitionsplanung die späteren Betriebs- und Instandhaltungskosten einbeziehen, erzielen nachweislich niedrigere Gesamtkosten als Unternehmen, die rein nach dem Anschaffungspreis entscheiden.

Terotechnology und TPM

Zwischen Terotechnology und Total Productive Maintenance (TPM) bestehen enge inhaltliche Verbindungen. Beide Konzepte streben die Maximierung der Anlageneffektivität über den gesamten Lebenszyklus an. Während Terotechnology den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Optimierung durch Lebenszykluskostenanalyse legt, fokussiert TPM stärker auf die operative Umsetzung durch Einbindung aller Mitarbeiter in die Anlagenpflege.

Die TPM-Säule „Anlaufmanagement“ greift den Terotechnology-Gedanken direkt auf: Bereits bei der Beschaffung neuer Anlagen werden Erfahrungen aus dem Betrieb bestehender Maschinen systematisch einbezogen. Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten, die während der Nutzung identifiziert wurden, fließen in die Spezifikation neuer Anlagen ein und reduzieren so die Lebenszykluskosten der nächsten Maschinengeneration (vgl. May und Schimek 2015, S. 52–54).

Praktische Bedeutung heute

Obwohl der Begriff Terotechnology heute weniger gebräuchlich ist als in den 1970er- und 1980er-Jahren, sind seine Kerngedanken aktueller denn je. Unter Bezeichnungen wie Asset Management, Total Cost of Ownership und Life Cycle Management hat sich die lebenszyklusorientierte Betrachtung in vielen Branchen als Standard durchgesetzt. Die ISO 55000 zur Asset Management-Normierung greift viele Terotechnology-Prinzipien auf.

Insbesondere im Kontext steigender Energiekosten und verschärfter Nachhaltigkeitsanforderungen gewinnt die Lebenszyklusperspektive an Bedeutung. Unternehmen, die bei Investitionsentscheidungen nur den Kaufpreis betrachten, übersehen häufig, dass energieeffizientere Anlagen trotz höherer Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer deutlich wirtschaftlicher sind.

Praxistipp: Führen Sie bei jeder Anlagenbeschaffung eine Lebenszykluskostenrechnung durch. Beziehen Sie neben dem Kaufpreis auch Energiekosten, geplante Instandhaltung, Ersatzteile und voraussichtliche Ausfallkosten ein. Binden Sie Instandhalter bereits in die Spezifikationsphase ein, sie kennen die typischen Schwachstellen aus dem täglichen Betrieb.

Quellenangaben

May, C. und Schimek, P. (2015): Total Productive Management. Grundlagen und Einführung von TPM, oder wie Sie Operational Excellence erreichen. 6. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 52–54.

Weiterführende Literatur

Kelly, A. und Harris, M. J. (1978): Management of Industrial Maintenance. Butterworths, London, S. 1–15.

Verwandte Konzepte

  • TPM, Ganzheitliches Instandhaltungskonzept, das die operative Umsetzung der Terotechnology-Prinzipien unterstützt.
  • Anlagenplanung, Systematische Planung neuer Anlagen unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten.
  • OEE, Kennzahl zur Messung der Anlageneffektivität, die im Betriebsabschnitt des Lebenszyklus zentrale Bedeutung hat.
  • KVP, Kontinuierliche Verbesserung, die Erkenntnisse aus dem Anlagenbetrieb in Spezifikationen neuer Anlagen einfließen lässt.
  • Verschwendung, Lebenszykluskosten-Analyse als Instrument zur Identifikation verborgener Verschwendung bei Investitionen.

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