Supply Chain (Lieferkette) bezeichnet das gesamte Netzwerk aus Unternehmen, Prozessen und Ressourcen, das benötigt wird, um ein Produkt vom Rohstoff bis zum Endkunden zu bringen. Zur Supply Chain gehören Lieferanten, Hersteller, Logistikdienstleister, Distributoren und Händler. Im Kontext von Lean Management geht es darum, diese Kette als Ganzes zu optimieren und Verschwendung nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens, sondern über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu eliminieren.
Vom internen Prozess zur unternehmensübergreifenden Kette
Traditionell konzentrieren sich Verbesserungsprogramme auf die eigene Produktion und die eigenen Abläufe. Wertstromdesign zeigt jedoch, dass der Wertstrom selten an den Werkstoren endet: Lange Lieferzeiten, hohe Sicherheitsbestände und mangelnde Abstimmung mit Lieferanten und Kunden verursachen erhebliche Verluste, die innerhalb eines einzelnen Unternehmens nicht gelöst werden können. Supply Chain Management erweitert daher den Blick auf die gesamte Kette, von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur Auslieferung an den Endverbraucher.
Klevers beschreibt, wie die Wertstromanalyse auf die übergeordnete Lieferkette ausgeweitet werden kann: Indem nicht nur der interne Materialfluss, sondern auch die Schnittstellen zu Lieferanten und Kunden abgebildet werden, lassen sich Bestände, Durchlaufzeiten und Informationsflüsse im Gesamtsystem optimieren (vgl. Klevers 2015, S. 153–155). Dies führt zu kürzeren Gesamtdurchlaufzeiten und geringeren Lagerbeständen entlang der gesamten Supply Chain.
Lean-Prinzipien in der Supply Chain
Die Anwendung von Lean-Prinzipien auf die Supply Chain bedeutet, den Informations- und Materialfluss nach dem Pull-Prinzip zu gestalten: Jede Stufe der Lieferkette produziert und liefert nur das, was die nachgelagerte Stufe tatsächlich benötigt. Statt großer Lose und langer Vorlaufzeiten wird eine bedarfssynchrone Versorgung angestrebt. Kanban-Systeme und Milkrun-Konzepte können dabei über die Unternehmensgrenzen hinaus eingesetzt werden.
- Transparenz: Alle Beteiligten der Supply Chain benötigen verlässliche Informationen über Bedarfe, Bestände und Kapazitäten. Ohne Transparenz entstehen Peitscheneffekte (Bullwhip-Effekt), bei denen kleine Nachfrageschwankungen sich entlang der Kette verstärken.
- Partnerschaftliche Zusammenarbeit: Eine schlanke Supply Chain setzt Vertrauen zwischen den Partnern voraus. Langfristige Lieferantenbeziehungen, gemeinsame Verbesserungsprojekte und offener Informationsaustausch ersetzen das Prinzip des kurzfristigen Preisdrucks.
- Flexibilität: Die Fähigkeit, schnell auf veränderte Kundenbedarfe zu reagieren, erfordert kurze Rüstzeiten (SMED), kleine Losgrößen und flexible Logistikkonzepte entlang der gesamten Kette.
- Bestandsreduzierung: Bestände verdecken Probleme und binden Kapital. Eine durchgängige Flussoptimierung reduziert Pufferbestände systematisch und deckt gleichzeitig Schwachstellen auf, die dann gezielt behoben werden können.
Supply Chain und Wertstromdesign
Das Wertstromdesign ist ein zentrales Werkzeug, um die Supply Chain aus Lean-Perspektive zu analysieren und zu gestalten. Während die klassische Wertstromanalyse den Material- und Informationsfluss innerhalb eines Werks abbildet, lässt sich die Methode auf die gesamte Lieferkette ausdehnen. Dabei werden Durchlaufzeiten, Wartezeiten und Bestände an jeder Schnittstelle sichtbar gemacht, von der Kundenbestellung rückwärts bis zum Rohmateriallieferanten.
Praxistipp: Beginnen Sie die Supply-Chain-Optimierung mit einer erweiterten Wertstromanalyse, die mindestens eine Stufe vor und nach Ihrem Unternehmen abbildet. So werden die größten Verbesserungspotenziale an den Schnittstellen sichtbar.
Quellenangaben
Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 27–29, 153–155.
Weiterführende Literatur
May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.
Verwandte Konzepte
- Wertstromdesign, Methode zur Analyse und Gestaltung von Material- und Informationsflüssen.
- Kanban, Signalgesteuertes Nachschubsystem zur Pull-basierten Materialversorgung.
- Milkrun, Zyklische Routenverkehre für eine gleichmäßige Materialversorgung.
- Just-in-Time, Bedarfssynchrone Produktion und Lieferung als Leitprinzip.
- Verschwendung, Alle nicht-wertschöpfenden Aktivitäten in der Lieferkette.
- Lean Management, Philosophie der schlanken, verschwendungsfreien Prozesse.
- SMED, Schnelles Rüsten als Voraussetzung für flexible Lieferketten.