Ein Shooter (deutsch: Rutsche oder Schacht) ist eine schwerkraftgestützte Materialzuführungsvorrichtung, die Werkstücke, Bauteile oder Verpackungsmaterialien über geneigte Bahnen direkt zum Verwendungsort befördert. Im Kontext der schlanken Produktion dienen Shooter dazu, Greifwege zu minimieren, manuelle Handhabung zu reduzieren und einen gleichmäßigen Materialfluss an Montagearbeitsplätzen sicherzustellen. Sie sind ein typisches Element der Arbeitsplatzgestaltung im Toyota-Produktionssystem und unterstützen das Prinzip der verschwendungsfreien Materialbereitstellung.
Shooter bestehen typischerweise aus geneigten Bahnen, Gleitschienen oder Rohren, die so angeordnet sind, dass Materialien durch die Schwerkraft vom Bereitstellungspunkt zum Greifbereich des Werkers gleiten. Die Neigung der Bahn wird so gewählt, dass die Teile zuverlässig gleiten, aber am Entnahmepunkt sanft gestoppt werden, häufig durch einen Anschlag oder eine leichte Gegenneigung am Ende der Bahn.
Die Befüllung erfolgt von der Rückseite des Arbeitsplatzes oder von einer höher gelegenen Bereitstellungszone. Auf diese Weise kann ein Logistikmitarbeiter den Shooter nachfüllen, ohne den Werker bei seiner Arbeit zu stören. Das First-in-First-out-Prinzip (FIFO) wird automatisch eingehalten: Das zuerst eingefüllte Teil kommt als Erstes am Entnahmepunkt an. Dadurch werden Überalterung und Verwechslungen vermieden.
Shooter bieten mehrere Vorteile, die direkt auf die Lean-Prinzipien der Verschwendungsvermeidung einzahlen. Durch die Positionierung im unmittelbaren Greifbereich des Werkers entfallen unnötige Laufwege und Bückbewegungen. Die Ergonomie des Arbeitsplatzes verbessert sich, da Teile in einer angenehmen Greifhöhe bereitstehen. Die Materialverfügbarkeit wird erhöht, weil der Füllstand des Shooters auf einen Blick erkennbar ist, ein Prinzip der visuellen Kontrolle.
Darüber hinaus unterstützen Shooter die Standardisierung von Arbeitsabläufen. Wenn Teile immer am gleichen Ort in der gleichen Orientierung bereitstehen, kann der Werker einen gleichförmigen Bewegungsablauf entwickeln, der die Taktzeit stabilisiert und die Qualität erhöht. Variationen in der Teilebereitstellung, eine häufige Quelle von Taktzeitverletzungen und Fehlern, werden eliminiert.
Bei der Konstruktion von Shootern sind mehrere Gestaltungsgrundsätze zu beachten. Die Neigung muss auf das Gewicht und die Oberflächenbeschaffenheit der Teile abgestimmt sein: Zu geringe Neigung führt zum Steckenbleiben, zu starke Neigung zu Beschädigungen am Anschlag. Die Breite des Shooters sollte nur geringfügig größer sein als das Teil, um ein Verkanten zu verhindern. Am Entnahmepunkt sollte immer nur ein Teil greifbar sein, um Verwechslungen auszuschließen.
Praxistipp: Kombinieren Sie Shooter mit einem einfachen Kanban-Signal: Markieren Sie am Shooter eine Mindestfüllstandslinie. Wird diese unterschritten, ist dies das Signal für den Logistikmitarbeiter, den Shooter aufzufüllen. So entsteht ein selbststeuerndes Nachschubsystem ohne elektronische Hilfsmittel.
Shooter spielen eine besonders wichtige Rolle in sogenannten Chaku-Chaku-Linien (japanisch für „laden, laden“). In diesen hochoptimierten Fertigungslinien bewegt sich der Werker von Maschine zu Maschine, entnimmt das fertige Teil, legt es in den Shooter zur nächsten Station und setzt ein neues Rohteil ein. Die Maschinen laufen automatisch, während der Werker zum nächsten Arbeitsplatz wechselt. Shooter verbinden dabei die einzelnen Stationen und sorgen für einen kontinuierlichen, schwerkraftgestützten Materialfluss zwischen den Bearbeitungsschritten.
In Kombination mit der 5S-Methode werden Shooter so gestaltet und gekennzeichnet, dass Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz gefördert werden. Jeder Shooter erhält eine eindeutige Kennzeichnung mit Teilenummer und Foto, sodass Verwechslungen bei der Befüllung ausgeschlossen sind. Dieses Zusammenspiel von Materialflussgestaltung und Arbeitsplatzorganisation ist ein Kennzeichen gut gestalteter Lean-Produktionssysteme.