Rüstzeit ist die Zeitspanne vom letzten Gutteil des vorherigen Auftrags bis zum ersten Gutteil des neuen Auftrags an einer Maschine oder Anlage. Während des Rüstvorgangs steht die Maschine und kann nicht produzieren. Viele Unternehmen haben bereits Rüstzeitreduzierungs-Workshops durchgeführt, um Rüstzeiten im einstelligen Minutenbereich zu erzielen, diese Methodik wird als SMED (Single Minute Exchange of Dies) bezeichnet (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 22–24). In der TPM-Systematik zählen Rüstzeit und Einstellzeit zu den 16 Verlustarten, die es systematisch zu reduzieren gilt.
Die entscheidende Erkenntnis der SMED-Methode liegt in der Unterscheidung zwischen internem und externem Rüsten. Internes Rüsten umfasst alle Tätigkeiten, die nur bei stehender Maschine durchgeführt werden können, etwa der eigentliche Werkzeugwechsel. Externes Rüsten bezeichnet hingegen alle vorbereitenden und nachbereitenden Arbeiten, die bei laufender Maschine erledigt werden können, zum Beispiel das Bereitstellen von Werkzeugen und Materialien. Das systematische Verlagern interner Tätigkeiten nach extern ist der zentrale Hebel zur Rüstzeitreduzierung.
In der Praxis zeigen sich bei gleichen Rüstvorgängen oft erstaunliche Abweichungen, je nach Mitarbeiter oder Schichtzeit weichen die benötigten Zeiten erheblich voneinander ab. Sie stimmen in der Regel nicht mit den hinterlegten und für die Planung genutzten Zeiten überein. Eine standardisierte Vorgehensweise und regelmäßiges Training sind daher unerlässlich (vgl. Klevers 2015, S. 13).
Beim Value Stream Mapping wird die Rüstzeit (RZ) als einer der zentralen Prozessparameter je Prozessschritt erfasst. Dabei ist die Zeit relevant, in der die Maschine stillsteht. Zusätzlich wird die durchschnittliche Anzahl der Rüstvorgänge pro Schicht dokumentiert. Die Rüstzeit beeinflusst unmittelbar die OEE: Sie reduziert die verfügbare Produktionszeit und senkt damit den Verfügbarkeitsfaktor. Die Rüstzeit-Kennzahl ist zudem ein wesentlicher Indikator für die Flexibilität eines Produktionssystems, je kürzer die Rüstzeit, desto kleinere Losgrößen werden wirtschaftlich möglich.
Lange Rüstzeiten führen dazu, dass Unternehmen in großen Losen produzieren, um die Umrüstkosten auf möglichst viele Teile zu verteilen. Dies erhöht jedoch Bestände, verlängert Durchlaufzeiten und verringert die Lieferfähigkeit. Eine Verdoppelung der Seriengröße zieht eine Verdoppelung des Lagerbestands nach sich (vgl. Teeuwen/Grombach 2019, S. 15–16). Kurze Rüstzeiten ermöglichen dagegen kleinere Losgrößen und unterstützen das Pull-Prinzip: Erst wenn der nachfolgende Prozess Bedarf signalisiert, wird produziert. Die konsequente Rüstzeitreduzierung ist damit ein Schlüssel zur Operational Excellence.
Rüstzeit-Ziel: Das SMED-Prinzip strebt Rüstzeiten im einstelligen Minutenbereich an. Der ideale Zustand, das erste Teil verlässt die Maschine in gutem Zustand (First-Time-Right), vermeidet Einstellverluste und sichert maximale Produktivität.
Nach einer erfolgreichen Rüstzeitreduzierung ergeben sich mehrere strategische Optionen: Die gewonnene Zeit kann für zusätzliche Produktionsmenge genutzt werden, die Losgrößen können verkleinert werden, um flexibler auf Kundennachfrage zu reagieren, oder die freigewordene Kapazität wird für Instandhaltung und Verbesserungsaktivitäten eingesetzt (vgl. Roser 2019, S. 14–17). In jedem Fall sinken durch kürzere Rüstzeiten die Kosten pro Stück und die Agilität des Produktionssystems steigt.
Roser, C. (2019): Die Optionen nach SMED, in: YOKOTEN 06/2019, S. 14–17.
Roser, C. (2018): Neue Wege gehen, kann man das üben? Der Königsweg: Losgröße Eins, in: YOKOTEN 02/2018, S. 13–16.
May, C. (2012): Übung als Ernstfall, SMED-Projekt als Hausaufgabe für Lean Production Master hat sich gelohnt, in: YOKOTEN 03/2012, S. 14.