Rabbit Chase (deutsch: „Hasenjagd“) ist eine Methode der Arbeitsorganisation in U-förmigen Fertigungszellen, bei der alle Mitarbeiter nacheinander denselben Rundlauf durch sämtliche Stationen der Zelle absolvieren. Wie Hasen auf einer Rennbahn folgen die Werker dem Werkstück durch alle Prozessschritte, jeder bearbeitet ein eigenes Teil von der ersten bis zur letzten Station, bevor er den Kreislauf erneut beginnt (vgl. Roser 2017, S. 20–23).
Das Rabbit-Chase-Konzept setzt voraus, dass die Fertigungszelle als geschlossener Rundlauf gestaltet ist, typischerweise in U-Form, damit Start und Ende der Linie räumlich nah beieinander liegen. Jeder Mitarbeiter durchläuft alle Prozessschritte und kehrt nach dem letzten Schritt zum Anfang zurück. Da mehrere Mitarbeiter gleichzeitig in der Zelle arbeiten, entstehen mehrere „Hasen“, die hintereinander im Kreis laufen.
Dieses Prinzip unterscheidet sich grundlegend von der konventionellen Arbeitsaufteilung, bei der jeder Mitarbeiter für eine oder wenige Stationen zuständig ist. Beim Rabbit Chase beherrscht jeder Werker den gesamten Fertigungsprozess und führt alle Tätigkeiten von der Beladung bis zur Entnahme selbstständig durch.
Der Rabbit Chase ist eine von drei gängigen Organisationsformen für Mehrmaschinenbedienung in halbautomatischen Fertigungslinien, den sogenannten Chaku-Chaku-Linien. Die anderen beiden Formen sind:
Roser beschreibt den Rabbit Chase als eine der drei Optionen zur Organisation mehrerer Mitarbeiter in einer Chaku-Chaku-Linie. In solchen Linien bewegt sich der Werker entlang der Strecke, fügt Teile zu den Prozessen hinzu und startet diese. Während die Maschine das Teil automatisch bearbeitet, geht der Mitarbeiter zum nächsten Prozess weiter (vgl. Roser 2017, S. 20–21).
Damit der Rabbit Chase funktioniert, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
Der Rabbit Chase bietet gegenüber der festen Stationszuordnung mehrere Vorteile:
Der höhere Qualifikationsaufwand ist die offensichtlichste Herausforderung: Jeder Mitarbeiter muss alle Prozessschritte sicher beherrschen, was die Einarbeitungszeit gegenüber einer festen Stationszuordnung deutlich verlängert. In der Praxis wird der Rabbit Chase daher vor allem in Zellen mit relativ einfachen, standardisierten Tätigkeiten eingesetzt.
Eine weitere Herausforderung ist die Vermeidung von Überfüllung. Roser empfiehlt, die Chaku-Chaku-Linie nicht mit zu vielen Werkern zu besetzen, da sonst die Effizienz leidet. Die maximale Anzahl der „Hasen“ ist durch die Anzahl der Stationen und die jeweiligen Zykluszeiten begrenzt (vgl. Roser 2017, S. 22).
Monotonie kann ein Risiko darstellen, da die Arbeit durch die ständige Wiederholung desselben Rundlaufs eintönig werden kann. Eine systematische Arbeitsplatzrotation zwischen verschiedenen Zellen hilft, diesem Problem entgegenzuwirken.
Praxistipp: Starten Sie den Rabbit Chase in einer überschaubaren Zelle mit maximal sechs bis acht Stationen und zwei bis drei Mitarbeitern. Stellen Sie sicher, dass alle Werker den vollständigen Rundlauf beherrschen, bevor Sie die Methode produktiv einsetzen. Nutzen Sie eine Qualifikationsmatrix, um den Schulungsfortschritt transparent zu machen.
Roser, C. (2017): Die Chaku-Chaku-Linie, Prozessoptimierung mit verschiedenen Möglichkeiten, in: YOKOTEN 03/2017, S. 20–23.