Pitch bezeichnet im Lean-Kontext die Zeiteinheit, in der eine definierte Menge an Material oder Produkten durch einen Prozessabschnitt fließt. Der Pitch errechnet sich als Produkt aus Taktzeit und Losgröße (auch Transfermenge oder Packeinheit genannt). Er dient als Rhythmusgeber für die Kanban-Steuerung und ermöglicht eine gleichmäßige, getaktete Materialbereitstellung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Formel für den Pitch lautet: Pitch = Taktzeit × Losgröße. Beträgt die Taktzeit beispielsweise 60 Sekunden und die Transfermenge 20 Stück, ergibt sich ein Pitch von 20 Minuten. Das bedeutet, dass alle 20 Minuten ein Behälter mit 20 Teilen den Prozess durchläuft. Dieser Zeitrhythmus wird zum Steuerungstakt für die gesamte Materialversorgung.
Der Pitch übersetzt die abstrakte Taktzeit in eine für die Logistik handhabbare Größe. Während die Taktzeit den Rhythmus für das einzelne Werkstück vorgibt, definiert der Pitch den Rhythmus für den Materialfluss in der tatsächlichen Transfereinheit, also dem Behälter, der Palette oder dem Transportwagen. Dadurch wird eine gleichmäßige Auslastung der internen Logistik ermöglicht und Überproduktion vermieden.
Im Kanban-System bestimmt der Pitch den Takt, in dem Nachschubsignale ausgelöst und bearbeitet werden. Wird ein Behälter verbraucht, wandert die zugehörige Kanban-Karte zurück zum vorgelagerten Prozess und löst dort die Produktion oder Bereitstellung eines neuen Behälters aus. Der Pitch gibt dabei den zeitlichen Rahmen vor, innerhalb dessen diese Nachlieferung erfolgen muss.
In der Praxis wird der Pitch häufig mit einer Heijunka-Box kombiniert. Die Heijunka-Box enthält Zeitschlitze, die dem Pitch entsprechen. Kanban-Karten werden in diese Schlitze einsortiert und im Pitch-Rhythmus abgearbeitet. So entsteht ein nivellierter Produktionsplan, der Überlastung einzelner Prozesse verhindert und einen gleichmäßigen Materialfluss sicherstellt. Der Pitch bildet damit die Brücke zwischen Kundentakt und Produktionssteuerung.
Ein zu langer Pitch führt zu großen Behältern, hohen Zwischenbeständen und langen Reaktionszeiten bei Bedarfsänderungen. Ein zu kurzer Pitch erhöht den logistischen Aufwand, da Material häufiger transportiert und bereitgestellt werden muss. Die Kunst besteht darin, einen Pitch zu wählen, der den Materialfluss glättet, ohne unnötige Handhabungsaufwände zu erzeugen.
Im Kontext von TPM und Kaizen wird der Pitch regelmäßig überprüft und angepasst. Gelingt es, die Losgröße durch SMED und Rüstzeitreduzierung zu verkleinern, sinkt der Pitch und damit die Durchlaufzeit. Kleinere Pitches ermöglichen eine flexiblere Reaktion auf Kundenbedarfe und reduzieren die Kapitalbindung durch geringere Umlaufbestände. Die schrittweise Verringerung des Pitch ist daher ein zentraler Hebel auf dem Weg zur schlanken Produktion.
Der Pitch steht in direktem Zusammenhang mit der Durchlaufzeit eines Auftrags. Wenn ein Wertstrom aus fünf Prozessschritten besteht und jeder Schritt einen Pitch von 20 Minuten hat, beträgt die minimale Durchlaufzeit 100 Minuten, vorausgesetzt, es gibt keine Wartezeiten zwischen den Prozessen. In der Realität addieren sich Pufferzeiten, Transportzeiten und Wartezeiten, sodass die tatsächliche Durchlaufzeit ein Vielfaches des theoretischen Minimums betragen kann.
Die Sichtbarmachung dieser Verhältnisse im Shopfloor Management hilft Teams, die Stellhebel für kürzere Durchlaufzeiten zu identifizieren. Oft zeigt sich, dass nicht der Pitch selbst, sondern die Wartezeiten zwischen den Pitch-Zyklen den größten Anteil an der Durchlaufzeit ausmachen. Die konsequente Reduzierung dieser Wartezeiten durch synchronisierte Pitch-Zyklen und abgestimmte Kapazitäten ist ein zentrales Ziel der Wertstromoptimierung.
Praxistipp: Berechnen Sie den Pitch für Ihre wichtigsten Wertströme und vergleichen Sie ihn mit dem tatsächlichen Nachschubrhythmus. Häufig zeigt sich, dass Material in deutlich größeren Einheiten bewegt wird als nötig. Beginnen Sie mit einer schrittweisen Reduzierung der Transfermenge und beobachten Sie die Auswirkung auf Bestände und Durchlaufzeit.