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Was ist "Pareto-Prinzip"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Das Pareto-Prinzip (auch 80/20-Regel genannt) besagt, dass rund 80 % der Wirkungen durch nur 20 % der Ursachen hervorgerufen werden. Diese empirische Gesetzmäßigkeit geht auf den italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts feststellte, dass in Italien etwa 20 % der Bevölkerung über 80 % des Vermögens verfügten. Im Kontext von Operational Excellence und Lean Management ist das Pareto-Prinzip ein grundlegendes Analysewerkzeug, um Verbesserungsaktivitäten auf die wirkungsvollsten Hebel zu konzentrieren.

Das Pareto-Diagramm

Das Pareto-Diagramm ist die visuelle Umsetzung des Prinzips. Es stellt die Häufigkeit oder das Ausmaß verschiedener Ursachen als absteigende Balken dar, ergänzt um eine kumulative Prozentkurve. Durch diese Darstellung wird sofort ersichtlich, welche wenigen Ursachen den größten Anteil am Gesamtproblem ausmachen. In der Praxis werden die Daten zunächst gesammelt und kategorisiert, dann nach Häufigkeit oder Auswirkung absteigend sortiert und schließlich als Säulendiagramm mit kumulierter Linie dargestellt.

Die Erstellung eines Pareto-Diagramms folgt einem einfachen Ablauf: Zuerst wird die Problemkategorie definiert, etwa Störungsursachen an einer Maschine, Fehlerarten in einem Prozess oder Beschwerdegründe von Kunden. Dann werden die Daten über einen definierten Zeitraum erhoben. Anschließend werden die Kategorien nach Häufigkeit sortiert und sowohl als Einzelbalken als auch als kumulative Kurve dargestellt. Der Punkt, an dem die kumulative Kurve die 80-%-Marke überschreitet, markiert die „wichtigen wenigen“ Ursachen, auf die sich die Verbesserungsarbeit konzentrieren sollte.

Anwendung im Verbesserungsprozess

Im Rahmen der systematischen Problemlösung wird das Pareto-Diagramm typischerweise in der Analysephase eingesetzt. Nach einer Datenerhebung, etwa durch Strichlisten, Fehlererfassungsbögen oder Maschinendaten, macht es die Verteilung der Ursachen sichtbar und hilft, die Grundursache einzugrenzen. Im OEE-Management dient die Pareto-Analyse dazu, die größten Verlustquellen bei Verfügbarkeit, Leistung oder Qualität zu identifizieren und gezielte Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Auch in der Wertstromanalyse spielt das Pareto-Prinzip eine Rolle: Wenn die identifizierten Verschwendungen nach ihrem Einfluss auf die Durchlaufzeit gewichtet werden, zeigt sich oft, dass wenige Engpässe den größten Anteil der Gesamtdurchlaufzeit ausmachen. Diese Erkenntnis ermöglicht eine gezielte Priorisierung der Verbesserungsmaßnahmen im Maßnahmenplan.

Praxistipp: Ein Pareto-Diagramm sollte immer auf aktuellen Daten basieren. Nach der Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen empfiehlt es sich, ein neues Pareto-Diagramm zu erstellen, oft verschiebt sich die Verteilung, und bisher nachrangige Ursachen rücken in den Vordergrund.

Grenzen des Pareto-Prinzips

Das 80/20-Verhältnis ist eine Daumenregel, keine mathematische Konstante. In der Praxis kann die Verteilung auch 70/30 oder 90/10 betragen. Entscheidend ist die grundlegende Erkenntnis, dass die Ursachen ungleich verteilt sind und dass eine Fokussierung auf die wenigen wesentlichen Faktoren den größten Hebel bietet. Das Pareto-Prinzip eignet sich hervorragend für quantifizierbare Probleme mit ausreichender Datenbasis. Bei qualitativen Fragestellungen oder wenn alle Ursachen ähnlich gewichtet sind, verliert es an Aussagekraft.

Ein häufiger Fehler ist die Verwechslung von Häufigkeit und Auswirkung. Eine Störung, die selten vorkommt, aber jedes Mal zu langen Stillständen führt, kann größere wirtschaftliche Auswirkungen haben als eine häufige, aber kurzfristige Unterbrechung. Daher sollte bei der Pareto-Analyse sorgfältig gewählt werden, ob die Häufigkeit, die Dauer oder die Kosten als Bewertungskriterium herangezogen werden.

Weiterführende Literatur

May, C. (2020): Wirksam entscheiden und handeln, in: YOKOTEN 06/2020, S. 21–22.

Rother, M.; May, C. (2019): Das KATA Praxishandbuch. CETPM Publishing, Herrieden.

Koch, A. (2021): OEE für das Produktionsteam. 4. korr. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden.

OJT Solutions (2019): Toyotas Geheimrezepte für die Problemlösung. CETPM Publishing, Herrieden.

Verwandte Konzepte

  • OEE, Kennzahl, deren Verluste per Pareto-Analyse priorisiert werden.
  • Maßnahmenplan, Dokumentation der Gegenmaßnahmen aus der Pareto-Analyse.
  • Wertstromdesign, Methode zur Identifikation der größten Verschwendungshebel.
  • Ishikawa-Diagramm, Ursache-Wirkungs-Analyse als Ergänzung zur Pareto-Darstellung.
  • PDCA, Verbesserungszyklus, in dem die Pareto-Analyse die Planungsphase unterstützt.
  • Verschwendung, Verluste, die durch Pareto-Analyse identifiziert und priorisiert werden.

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