Operational Excellence (kurz OpEx oder OPEX) beschreibt das Streben nach operativer Spitzenleistung in allen Bereichen einer Organisation. Es handelt sich nicht um einen Endzustand, sondern um einen kontinuierlichen Prozess der Verbesserung, der auf die Beseitigung von Verlusten und Verschwendung, die Steigerung der Wertschöpfung und die Einbeziehung aller Mitarbeiter abzielt. Das Operational Excellence Reference Model, das direkt auf dem TPM-System aufbaut, wurde 2007 von Prof. Dr. Constantin May erstmalig vorgestellt und bildet für eine Vielzahl an Unternehmen die Blaupause für ein erfolgreiches betriebliches Verbesserungssystem.
Der Begriff „Operational Excellence" wird in der Managementliteratur und -praxis auf unterschiedliche Weise interpretiert. In vielen Unternehmen wird er als Sammelbegriff für sämtliche Aktivitäten zur Verbesserung der betrieblichen Leistungsfähigkeit verwendet. Im Kontext des CETPM und des Operational Excellence Reference Models ist OpEx jedoch klar definiert: Es handelt sich um ein übergeordnetes System, das sämtliche Verluste und Verschwendungen erkennen und vermeiden soll, einschließlich Unfälle, Ausfälle und Störungen jeglicher Art (vgl. May 2012, S. 3).
Basis dafür ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der alle Unternehmensbereiche umfasst, also auch Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung. Dazu bedarf es einer funktionsübergreifenden, interdisziplinären Teamarbeit. Operational Excellence mobilisiert das gesamte Wissen und Können aller Mitarbeiter und erfordert das umfassende Engagement aller Betroffenen und Beteiligten. Besonders wichtig ist die volle Hingabe, das Vorleben und die Unterstützung der Führungskräfte auf allen Ebenen (vgl. May/Schimek 2015, S. 15–16) (vgl. May 2012, S. 3).
Das Operational Excellence Reference Model baut auf dem klassischen TPM-Haus auf und erweitert dieses zu einem ganzheitlichen Managementsystem. Es umfasst acht Säulen, die als Strukturrahmen für die vielfältigen Aktivitäten beim Streben nach Operational Excellence dienen (vgl. May/Schimek 2015, S. 16–19). Die acht Säulen bilden die zentralen Bausteine des Referenzmodells, wobei jede Säule in sieben aufeinander aufbauenden Schritten implementiert wird.
Das Fundament des Operational Excellence Reference Models bilden die Grundlagen, ohne die keine nachhaltige Verbesserung möglich ist. Dazu gehören die Verpflichtung und volle Hingabe des Managements, der Aufbau eines Zielentwicklungsprozesses (Hoshin Kanri), die Umsetzung von Genba Kanri (Shopfloormanagement) sowie die Einbeziehung aller Mitarbeiter in den Verbesserungsprozess (vgl. May/Schimek 2015, S. 17). Das Referenzmodell bettet etablierte Methoden und Werkzeuge wie SMED, Wertstromanalyse (VSM), PM-Analyse und 5S in einen strukturierten Gesamtrahmen ein.
Im Dach des Operational Excellence Reference Models sind die sechs Zielkategorien verankert, anhand derer der Fortschritt gemessen wird. Die international gebräuchliche Abkürzung ist PQCDSM, in der deutschen Übertragung PQKLSM:
(vgl. May/Schimek 2015, S. 15–18)Innerhalb jeder Kategorie sollten zwei bis drei aussagekräftige Kennzahlen definiert werden. Die Kennzahlen werden visuell aufbereitet und regelmäßig am Shopfloor oder im Bürobereich kommuniziert, um den Fortschritt für alle Beteiligten transparent zu machen.
Über den sechs operativen Zielkategorien stehen die fünf übergeordneten Metaziele, die den strategischen Rahmen des Operational Excellence Reference Models bilden:
Diese fünf Metaziele verdeutlichen, dass Operational Excellence weit über die reine Produktivitätssteigerung hinausgeht. Sie verlangt ein ganzheitliches Denken, das alle Stakeholder einbezieht und langfristige Nachhaltigkeit über kurzfristige Ergebnisse stellt.
Jede der acht Säulen wird in sieben aufeinander aufbauenden Schritten implementiert. Die Erreichung jeder Stufe sollte mittels Audits überprüft und abgesichert werden (vgl. May/Schimek 2015, S. 43). Die ersten drei Schritte fokussieren auf die Wiederherstellung des Grundzustands und den Aufbau der Basisfähigkeiten. Die Schritte vier und fünf dienen der Weiterentwicklung und Professionalisierung. In den Schritten sechs und sieben werden die Aktivitäten auf höchstem Niveau systematisiert und zu einer umfassenden Anwendung ausgebaut.
Die Einführung des Referenzmodells erfordert eine klare Roadmap. Es empfiehlt sich, zunächst mit einer bis drei Pilotlinien zu beginnen und die Erfahrungen schrittweise auf weitere Bereiche auszuweiten. Die Reihenfolge der Säuleneinführung sollte an die spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens angepasst werden. In der Regel starten Unternehmen mit den Säulen 1 (Lean Management und fokussierte Verbesserung) und 2 (Autonome Instandhaltung), da diese die schnellsten sichtbaren Ergebnisse liefern.
Ein zentrales Merkmal des Operational Excellence Reference Models ist die konsequente Verlust- und Verschwendungsorientierung. Die 16 Verlustarten des TPM bilden den analytischen Ausgangspunkt für alle Verbesserungsaktivitäten. Sie werden in drei Kategorien untergliedert: Maschinen- und Anlagenverluste (8 Arten), Mitarbeiterverluste (5 Arten) und Ressourcenverluste (3 Arten). Maschinen- und Anlagenverluste wirken sich unmittelbar auf die OEE aus (vgl. May/Schimek 2015, S. 27–31).
Im Lean-Kontext werden ergänzend die sieben Verschwendungsarten (Muda) herangezogen: Überproduktion, Wartezeiten, unnötiger Transport, unangemessene Technologie, unnötige Bestände, unnötige Bewegung und Fehler/Nacharbeit. Die erste Säule des Referenzmodells integriert beide Perspektiven und nutzt je nach betrieblichem Kontext die geeignetere Systematik.
Zur Anerkennung herausragender Leistungen bei der Umsetzung von Operational Excellence vergibt das CETPM den Award for Operational Excellence in den Stufen Bronze, Silber und Gold. Das erste Award-Audit fand im November 2005 statt. Die Bewertung orientiert sich am Operational Excellence Reference Model und prüft den Reifegrad der Implementierung in den einzelnen Säulen (vgl. May/Schimek 2015, S. 135–137). Ergänzend vergibt das JIPM den TPM Excellence Award für herausragende TPM-Implementierungen weltweit. Das CETPM ist seit Januar 2012 als Assessment Agency für den JIPM-Award zertifiziert und damit eine von sechs solcher Agenturen weltweit.
Operational Excellence unterscheidet sich von anderen Verbesserungsansätzen durch seine Ganzheitlichkeit und seinen systematischen Aufbau. Während Lean Management primär auf die Eliminierung von Verschwendung aus Kundensicht fokussiert und Six Sigma auf die statistische Prozessbeherrschung setzt, integriert das Operational Excellence Reference Model beide Perspektiven in einen übergeordneten Rahmen. Die acht Säulen bieten einen Strukturrahmen, der alle betrieblichen Funktionsbereiche abdeckt und durch die sieben Implementierungsstufen einen klaren Entwicklungspfad vorgibt.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Betonung der Eigenverantwortung und der Rolle der Führungskräfte. Operational Excellence ist kein Methodenkoffer, den man „über die Organisation stülpt", sondern ein Kulturwandel, der von innen heraus wachsen muss. Die Führungskräfte sind nicht nur Auftraggeber für Verbesserungsprojekte, sondern aktive Vorbilder und Coaches, die ihre Mitarbeiter entwickeln und befähigen.
Grombach, A. (2018): TPM und Operational Excellence Reference Model, Teil 3: Die Säulen sechs bis acht, in: YOKOTEN 01/2018, S. 28–30.
May, C. (2012): Vom TPM-Haus zum Referenzmodell für Operational Excellence, in: YOKOTEN 05/2012, S. 3.
May, C.; Grombach, A. (2017): TPM und Operational Excellence Reference Model, Teil 2: Die Säulen eins bis fünf, in: YOKOTEN 06/2017, S. 28–30.
Nakajima, S. (1988): Introduction to TPM. Total Productive Maintenance. Productivity Press, Cambridge.
May, C.; Grombach, A. (2017): TPM und Operational Excellence Reference Model, Teil 1: Historie, Inhalt und Aufbau der Erfolgsmodelle, in: YOKOTEN 05/2017, S. 28–30.
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