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Was ist "Milkrun"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Milkrun (auch Milk Run) ist ein Logistikkonzept aus dem Lean Management, bei dem ein Transportfahrzeug auf einer festen Route in regelmäßigen Zeitintervallen mehrere Stationen anfährt, um Materialien abzuholen oder anzuliefern. Das Prinzip leitet sich von der früheren Milchauslieferung in den USA ab, bei der ein Fahrer auf einer festgelegten Runde die Milchflaschen an Haushaltstüren austauschte, volle gegen leere. Übertragen auf die Produktionslogistik bedeutet dies: Ein Routenzug beliefert die Arbeitsstationen getaktet und bedarfsgerecht mit Material.

Funktionsprinzip

Der Milkrun folgt einem festen Fahrplan mit definierten Haltepunkten, festen Abfahrtszeiten und standardisierten Ladungsträgern. Im Gegensatz zur konventionellen „Taxilogistik“, bei der Gabelstapler einzelne Paletten auf Zuruf transportieren, bedient der Milkrun-Fahrer mehrere Stationen in einer Tour. An jeder Station nimmt er leere Behälter mit und stellt volle bereit, genau nach dem Pull-Prinzip.

Klevers beschreibt den Milkrun als wesentliches Element einer fließenden Materialversorgung: Durch die Taktung der Transporte wird sichergestellt, dass an jeder Station immer genau die richtige Menge an Material verfügbar ist, nicht mehr und nicht weniger. Bestände an den Arbeitsstationen werden so auf ein Minimum reduziert, während gleichzeitig die Versorgungssicherheit steigt (vgl. Klevers 2015, S. 127–128).

Vorteile gegenüber konventioneller Logistik

  • Bestandsreduzierung: Durch häufige, kleine Lieferungen sinken die Materialpuffer an den Arbeitsstationen. Weniger Umlaufbestände bedeuten geringere Kapitalbindung und weniger Platzbedarf.
  • Transparenz: Der feste Fahrplan macht den Materialfluss sichtbar und planbar. Abweichungen, etwa ein versPäteter Milkrun, fallen sofort auf und können schnell korrigiert werden.
  • Effizienz: Statt vieler Einzelfahrten bündelt ein Milkrun mehrere Transporte in einer Tour. Die Auslastung der Transportmittel steigt, die Anzahl der Fahrten sinkt, und der Verkehr in den Produktionshallen wird reduziert.
  • FiFo-Sicherung: Durch die regelmäßige Rotation von Behältern wird das First-In-First-Out-Prinzip automatisch eingehalten.

Umsetzung in der Praxis

Die Einführung eines Milkrun-Systems erfordert eine sorgfältige Planung. Zunächst wird der Materialfluss analysiert: Welche Materialien werden an welchen Stationen in welcher Menge und welchem Takt benötigt? Auf dieser Basis werden die Route, die Taktzeit des Milkruns und die Behältergrößen festgelegt. Ein typischer Milkrun-Zyklus beträgt 20 bis 60 Minuten, je nach Produktionstakt und Entfernungen.

Altmann beschreibt, wie ein Unternehmen den Milkrun als zentralen Baustein beim Rollout seines Produktionssystems eingeführt hat: Die getaktete Materialversorgung ermöglichte es, die Flächen an den Arbeitsstationen um über 30 % zu reduzieren und gleichzeitig die Materialverfügbarkeit zu verbessern (vgl. Altmann 2017, S. 12–15). Entscheidend war dabei die enge Abstimmung zwischen Logistik und Produktion sowie die konsequente Standardisierung der Ladungsträger und Bereitstellflächen.

Praxistipp: Starten Sie mit einem Pilotbereich und einer einfachen Route. Standardisierte Behälter und ein visueller Fahrplan am Startpunkt des Milkruns erleichtern die Einführung. Erweitern Sie das System schrittweise, sobald der Basisprozess stabil läuft.

Quellenangaben

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 127–128.

Altmann, P. (2017): Vom Pilotprojekt zum Rollout, in: YOKOTEN 01/2017, S. 12–15.

Weiterführende Literatur

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. Ein Handbuch für Praktiker. Bestände abbauen, Durchlaufzeiten senken, Flexibler reagieren, 2., überarbeitete Auflage, Herrieden.

Froeleke, U. (2020): Die „atmende Fabrik“, in: YOKOTEN 02/2020, S. 12–16.

Verwandte Konzepte

  • Pull-Produktion, Der Milkrun ist ein Instrument der bedarfsgesteuerten Materialversorgung.
  • FiFo, First In First Out wird durch den getakteten Milkrun unterstützt.
  • Supermarkt, Dezentrales Materiallager, das häufig per Milkrun versorgt wird.
  • Kanban, Signalsteuerung für den Materialnachschub im Milkrun-System.
  • Wertstromdesign, Methode zur Analyse und Gestaltung effizienter Materialflüsse.
  • Verschwendung, Der Milkrun reduziert Transportverschwendung und Überproduktion.
Diese Seminare passen zur Definition von "Milkrun":

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