Milkrun (auch Milk Run) ist ein Logistikkonzept aus dem Lean Management, bei dem ein Transportfahrzeug auf einer festen Route in regelmäßigen Zeitintervallen mehrere Stationen anfährt, um Materialien abzuholen oder anzuliefern. Das Prinzip leitet sich von der früheren Milchauslieferung in den USA ab, bei der ein Fahrer auf einer festgelegten Runde die Milchflaschen an Haushaltstüren austauschte, volle gegen leere. Übertragen auf die Produktionslogistik bedeutet dies: Ein Routenzug beliefert die Arbeitsstationen getaktet und bedarfsgerecht mit Material.
Der Milkrun folgt einem festen Fahrplan mit definierten Haltepunkten, festen Abfahrtszeiten und standardisierten Ladungsträgern. Im Gegensatz zur konventionellen „Taxilogistik“, bei der Gabelstapler einzelne Paletten auf Zuruf transportieren, bedient der Milkrun-Fahrer mehrere Stationen in einer Tour. An jeder Station nimmt er leere Behälter mit und stellt volle bereit, genau nach dem Pull-Prinzip.
Die Einführung eines Milkrun-Systems erfordert eine sorgfältige Planung. Zunächst wird der Materialfluss analysiert: Welche Materialien werden an welchen Stationen in welcher Menge und welchem Takt benötigt? Auf dieser Basis werden die Route, die Taktzeit des Milkruns und die Behältergrößen festgelegt. Ein typischer Milkrun-Zyklus beträgt 20 bis 60 Minuten, je nach Produktionstakt und Entfernungen.
Altmann beschreibt, wie ein Unternehmen den Milkrun als zentralen Baustein beim Rollout seines Produktionssystems eingeführt hat: Die getaktete Materialversorgung ermöglichte es, die Flächen an den Arbeitsstationen um über 30 % zu reduzieren und gleichzeitig die Materialverfügbarkeit zu verbessern (vgl. Altmann 2017, S. 12–15). Entscheidend war dabei die enge Abstimmung zwischen Logistik und Produktion sowie die konsequente Standardisierung der Ladungsträger und Bereitstellflächen.
Praxistipp: Starten Sie mit einem Pilotbereich und einer einfachen Route. Standardisierte Behälter und ein visueller Fahrplan am Startpunkt des Milkruns erleichtern die Einführung. Erweitern Sie das System schrittweise, sobald der Basisprozess stabil läuft.
Altmann, P. (2017): Vom Pilotprojekt zum Rollout, in: YOKOTEN 01/2017, S. 12–15.
Froeleke, U. (2020): Die „atmende Fabrik“, in: YOKOTEN 02/2020, S. 12–16.