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Was ist "MIFD"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Das MIFD (Material- und Informationsflussdiagramm) ist die standardisierte visuelle Darstellung eines Wertstroms, die im Rahmen einer MIFA (Material- und Informationsflussanalyse) erstellt wird. Das MIFD zeigt auf einem einzigen Blatt Papier den gesamten Fluss von Material und Informationen, vom Lieferanten über alle Produktionsschritte bis zum Kunden. Im englischen Sprachgebrauch wird das MIFD als Value Stream Map bezeichnet. Es ist das zentrale Kommunikationswerkzeug des Wertstrom-Managements und bildet die Grundlage für alle Verbesserungsaktivitäten entlang des Wertstroms.

Aufbau und Symbolik

Das MIFD verwendet eine standardisierte Symbolsprache, die branchenunabhängig eingesetzt wird. Der Materialfluss wird im unteren Bereich des Diagramms von links nach rechts dargestellt. Jeder Prozessschritt wird als Prozesskastensymbol eingetragen, das die wesentlichen Prozessdaten enthält: Zykluszeit, Rüstzeit, Verfügbarkeit, Losgröße und Anzahl Bediener (vgl. Klevers 2015, S. 37–47). Zwischen den Prozessschritten werden Bestandsdreiecke eingezeichnet, die die Menge des zwischengelagerten Materials in Stückzahlen angeben. Diese Bestände werden in Tagesreichweiten umgerechnet und in die Zeitlinie am unteren Rand übernommen.

Der Informationsfluss wird im oberen Bereich des MIFD dargestellt. Hier sind die Planungs- und Steuerungssysteme abgebildet: der Kundenbedarf, die Produktionsplanung, die Auftragssteuerung und die Kommunikation mit Lieferanten. Elektronische Informationsflüsse werden als Zickzack-Pfeile, manuelle als gerade Pfeile dargestellt. Diese Trennung macht sofort sichtbar, an welchen Stellen die Steuerung zentral (Push) und wo sie dezentral per Kanban (Pull) erfolgt.

Die Zeitlinie als Schlüsselelement

Am unteren Rand des MIFD verläuft die Zeitlinie, die das Verhältnis von Bearbeitungszeit zu Durchlaufzeit visualisiert. Die Bearbeitungszeiten (wertschöpfende Zeiten) werden als kurze Abschnitte unterhalb der Linie eingetragen, die Liegezeiten (nicht wertschöpfende Zeiten) als längere Abschnitte oberhalb der Linie. In typischen Fertigungsprozessen beträgt die Bearbeitungszeit weniger als fünf Prozent der gesamten Durchlaufzeit, eine Erkenntnis, die beim ersten MIFD häufig Überraschung auslöst und die Dringlichkeit von Verbesserungsmaßnahmen verdeutlicht.

Die Zeitlinie macht den wichtigsten Hebel sichtbar: Die Verkürzung der Durchlaufzeit gelingt nicht durch Beschleunigung der einzelnen Prozessschritte, sondern durch Reduktion der Liegezeiten zwischen den Schritten. Hohe Bestände zwischen Prozessschritten bedeuten lange Wartezeiten und damit eine aufgeblähte Durchlaufzeit. Die Lösung liegt in der Herstellung von Fluss: Wenn Material ohne Unterbrechung von Schritt zu Schritt fließt, sinkt die Durchlaufzeit dramatisch.

Ist-MIFD und Soll-MIFD

Im Wertstrom-Management werden zwei Arten von MIFDs erstellt: Das Ist-MIFD dokumentiert den aktuellen Zustand des Wertstroms mit allen realen Daten. Es wird ausschließlich auf Basis eigener Beobachtungen vor Ort erstellt, nicht anhand von ERP-Daten oder Prozessbeschreibungen. Das Soll-MIFD hingegen beschreibt einen angestrebten zukünftigen Zustand, in dem die erkannten Verluste beseitigt und Lean-Gestaltungsprinzipien umgesetzt sind. Der Vergleich beider Diagramme liefert den Verbesserungsplan: Jede Abweichung zwischen Ist und Soll wird zu einem konkreten (vgl. Klevers 2015, S. 29–32) Kaizen-Projekt.

Ein häufiger Fehler bei der Erstellung des Ist-MIFD ist die Verwendung von Sollwerten statt Istwerten. Wenn die Zykluszeit laut Arbeitsvorbereitung 45 Sekunden beträgt, aber die Messung vor Ort 62 Sekunden ergibt, muss der Istwert eingetragen werden. Nur so zeigt das MIFD die tatsächliche Situation und nicht eine idealisierte Version, die den wahren Verbesserungsbedarf verschleiert. Klevers empfiehlt, das Ist-MIFD stets mit Bleistift auf einem großen Papierbogen vor Ort zu zeichnen, diese analoge Methode zwingt das Team, den Wertstrom wirklich zu begehen und die Daten selbst zu erheben (vgl. Klevers 2015, S. 60–61).

Praxistipp: Erstellen Sie das MIFD immer auf einem einzigen Blatt, DIN A3 oder größer. Wenn der Wertstrom nicht auf ein Blatt passt, ist die gewählte Produktfamilie zu breit oder der Detaillierungsgrad zu hoch. Ein gutes MIFD zeigt den Gesamtfluss auf einen Blick, ohne dass man einzelne Seiten zusammensetzen muss.

MIFD als Kommunikationswerkzeug

Über seine analytische Funktion hinaus ist das MIFD ein mächtiges Kommunikationswerkzeug. Es schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Produktion, Logistik, Planung und Management. Wenn alle Beteiligten vor demselben MIFD stehen, sehen sie denselben Wertstrom mit denselben Daten und können Verbesserungen auf einer faktenbasierten Grundlage diskutieren. Viele Unternehmen hängen das aktuelle MIFD im Wertstrombereich aus und aktualisieren es regelmäßig, um den Fortschritt der Verbesserungsarbeit für alle sichtbar zu machen.

Quellenangaben

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 29–47, S. 60–61.

Verwandte Konzepte

  • MIFA, Die analytische Methode, deren visuelles Ergebnis das MIFD ist.
  • Wertstrom-Management, Ganzheitlicher Managementansatz zur Optimierung des Material- und Informationsflusses.
  • Kanban, Pull-Steuerung, die im MIFD als Signalfluss dargestellt wird.
  • Kaizen, Verbesserungsprojekte, die aus dem Vergleich von Ist- und Soll-MIFD abgeleitet werden.
  • Verschwendung, Nicht wertschöpfende Anteile, die durch die Zeitlinie im MIFD sichtbar werden.
  • Lean Management, Gestaltungsprinzipien, die den Soll-Zustand im MIFD prägen.

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