Make to Stock (MTS), auf Deutsch Lagerfertigung, bezeichnet eine Produktionsstrategie, bei der Produkte auf Basis von Absatzprognosen gefertigt und in ein Fertigwarenlager eingelagert werden, bevor ein konkreter Kundenauftrag vorliegt. Der Kunde erhält seine Ware direkt aus dem Lagerbestand, was sehr kurze Lieferzeiten ermöglicht. MTS ist das Gegenmodell zur Auftragsfertigung (Make to Order), bei der erst nach Eingang eines Kundenauftrags produziert wird.
In einem MTS-System werden die Produktionsmengen auf Grundlage von Bedarfsprognosen geplant. Die Fertigung produziert in die Lagerbestände hinein, die als Puffer zwischen Produktion und Kundennachfrage dienen. Solange die Prognose zuverlässig ist, kann der Kunde sofort beliefert werden. Die Nachschubsteuerung erfolgt typischerweise über Meldebestands- oder Kanban-Systeme: Sobald der Lagerbestand eines Artikels einen definierten Schwellenwert unterschreitet, wird ein neuer Produktionsauftrag ausgelöst.
Die Lagerfertigung eignet sich besonders für Produkte mit stabiler und vorhersehbarer Nachfrage, hohen Produktionsvolumina und geringer Variantenvielfalt. Typische Beispiele sind Standardbefestigungsmaterial, Konsumgüter des täglichen Bedarfs, Grundchemikalien und Lebensmittel. In diesen Märkten erwarten Kunden sofortige Verfügbarkeit, ein leeres Regal bedeutet unmittelbaren Umsatzverlust.
Die Entscheidung zwischen Lagerfertigung und Auftragsfertigung hängt von mehreren Faktoren ab. Roser beschreibt drei zentrale Kriterien: die Lieferzeiterwartung des Kunden, die Vorhersagbarkeit der Nachfrage und die Produktvielfalt (vgl. Roser 2023a, S. 16–18). Wenn Kunden sofortige Verfügbarkeit erwarten, die Nachfrage gut prognostizierbar ist und die Variantenvielfalt überschaubar bleibt, spricht alles für MTS. Ist die Nachfrage hingegen unsicher, die Variantenvielfalt hoch oder die akzeptierte Lieferzeit lang genug für eine auftragsbezogene Fertigung, bietet sich Make to Order an.
In der Praxis finden sich häufig Mischformen. Viele Unternehmen fertigen Standardkomponenten auf Lager (MTS) und konfigurieren die Endprodukte erst bei Auftragseingang (Assemble to Order, ATO). Diese hybride Strategie vereint kurze Lieferzeiten mit einer gewissen Variantenflexibilität. Weitere Entscheidungsfaktoren sind die Wertdichte der Produkte, deren Haltbarkeit und die Komplexität der Fertigung (vgl. Roser 2023b, S. 22–24).
Aus Sicht des Lean Management ist die Lagerfertigung grundsätzlich mit dem Risiko der Überproduktion behaftet, der laut Toyota schlimmsten aller Verschwendungsarten. Allerdings wäre es zu vereinfacht, MTS pauschal als „nicht lean“ abzulehnen. Auch im Toyota-Produktionssystem werden bestimmte Teile auf Vorrat produziert, wenn die Nachfrage stabil genug ist. Entscheidend ist, die Bestände konsequent niedrig zu halten, die Taktzeit an den Kundenbedarf anzupassen und durch Pull-Steuerung (z. B. Kanban) sicherzustellen, dass nur nachproduziert wird, was tatsächlich verbraucht wurde.
Praxistipp: Bevor ein Unternehmen ein Produkt von MTO auf MTS umstellt, sollte es die Nachfragehistorie über mindestens zwölf Monate analysieren. Nur bei ausreichend stabiler und vorhersagbarer Nachfrage lohnt sich die Lagerfertigung. Der Variationskoeffizient der Nachfrage ist ein guter Indikator: Je niedriger er ist, desto besser eignet sich das Produkt für MTS.
Roser, C. (2023a): MTO versus MTS, Teil 2: Auftragsfertigung vs. Lagerfertigung, in: YOKOTEN 01/2023, S. 3–3.
Roser, C. (2023b): MTO vs. MTS, Teil 3: Zusätzliche Entscheidungsfaktoren, in: YOKOTEN 02/2023, S. 3–3.