LIFO steht für Last In, First Out und beschreibt eine Lagerstrategie, bei der das zuletzt eingelagerte Material als erstes wieder entnommen wird. Im Gegensatz zum FIFO-Prinzip (First In, First Out), das in der Lean-Produktion als Standard gilt, wird bei LIFO die chronologische Reihenfolge umgekehrt. Diese Strategie ist in bestimmten Anwendungsfällen sinnvoll, steht jedoch im Kontext von Lean Management häufig in der Kritik, da sie zu erhöhten Beständen und Qualitätsrisiken führen kann.
Bei einer LIFO-Lagerung wird neues Material auf das vorhandene gestapelt oder davor platziert, sodass bei der nächsten Entnahme automatisch das jüngste Material gegriffen wird. Typische LIFO-Lagersysteme sind Einschubregale, Stapellager oder Einfahrregale, bei denen nur von einer Seite ein- und ausgelagert wird.
Im Vergleich dazu setzt das FIFO-Prinzip voraus, dass Material in derselben Reihenfolge entnommen wird, in der es eingelagert wurde, also das älteste Material zuerst. FIFO ist der Lean-Standard, weil es die Durchlaufzeit minimiert und sicherstellt, dass kein Material unnötig lange im System verbleibt. Im Wertstrom-Management werden FIFO-Bahnen als Verbindungselemente zwischen Prozessschritten eingesetzt, um einen gleichmäßigen Fluss zu gewährleisten.
Aus Lean-Perspektive birgt die LIFO-Lagerung mehrere Risiken, die den Prinzipien der schlanken Produktion entgegenwirken:
Trotz der genannten Nachteile gibt es Einsatzfelder, in denen LIFO logistisch oder wirtschaftlich sinnvoll ist. Schüttgüter wie Sand, Kies oder Kohle werden häufig in Halden gelagert, bei denen die Entnahme von oben, also nach LIFO-Prinzip, die einzig praktikable Lösung darstellt. Auch bei Materialien, deren Eigenschaften sich durch Lagerung nicht verändern, ist das Risiko der LIFO-Lagerung gering.
In der buchhalterischen Praxis wird LIFO als Bewertungsmethode eingesetzt, bei der die zuletzt beschafften Güter als erste verbraucht gelten. Dies kann in Zeiten steigender Preise steuerliche Vorteile bieten, ist jedoch in der internationalen Rechnungslegung (IFRS) nicht zulässig. Für die physische Lagerung im Lean-Umfeld bleibt die Empfehlung eindeutig: Wo immer möglich sollte FIFO dem LIFO-Prinzip vorgezogen werden.
Die Umstellung von LIFO auf FIFO erfordert in der Regel eine Veränderung der Lagerinfrastruktur. Durchlaufregale, bei denen Material auf einer Seite eingelagert und auf der gegenüberliegenden Seite entnommen wird, sind die klassische Lösung für eine konsequente FIFO-Steuerung. Die Schwerkraft sorgt dafür, dass das älteste Material automatisch nach vorne rutscht und zuerst entnommen wird.
Auch ohne bauliche Veränderungen lassen sich LIFO-Situationen entschärfen. Klare Markierungen, farbcodierte Lagerplätze und visuelle Hinweise auf die Entnahmereihenfolge helfen Mitarbeitern, das FIFO-Prinzip konsequent umzusetzen. Im Rahmen von Kaizen-Workshops können Teams gemeinsam Lagerlösungen erarbeiten, die sowohl platzsparend als auch FIFO-konform sind. Der Schlüssel liegt darin, die Umstellung nicht als einmalige Investition zu betrachten, sondern als kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der in das bestehende TPM-System integriert wird.
Praxistipp: Prüfen Sie in Ihrem Lager, ob LIFO-Situationen unbeabsichtigt entstanden sind, etwa durch Einschubregale oder Stapellager. Wenn die gelagerten Materialien qualitäts- oder haltbarkeitssensibel sind, stellen Sie auf FIFO-Bahnen um. Ein einfacher Test: Markieren Sie das älteste Material farblich und prüfen Sie nach einer Woche, ob es sich noch am selben Platz befindet.
Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden, S. 98–99.