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Operational Excellence

Effizienzsteigerung im gesamten Unternehmen durch Null-Verluste, Null-Stillstände, Null-Fehler und Null-Unfälle unter Einbeziehung aller Mitarbeiter in selbstorganisierten Teams. Ein System, das betriebliche Verbesserungsansätze wie Lean, TPM, Six Sigma, Kaizen und KVP vereint.

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Was ist "Lean Production"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Lean Production (schlanke Produktion) ist eine Optimierungsstrategie, die darauf abzielt, mit möglichst wenig Aufwand einwandfreie Produkte zur rechten Zeit herzustellen. Im Mittelpunkt steht die konsequente Beseitigung von Verschwendung, von Überproduktion über unnötige Transporte bis hin zu Wartezeiten und Nacharbeit. Das Konzept hat seinen Ursprung im Toyota Produktionssystem (TPS) und wurde in den 1970er-Jahren durch das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung und den Fokus auf höchste Qualität international bekannt.

Kerngedanke: Lean Production ist keine einmalige Maßnahme, sondern eine dauerhafte Geisteshaltung. Selbst Toyota als Pionier der Lean-Idee würde niemals behaupten, bereits alle Verschwendungen beseitigt zu haben. Wer sich mit dem Erreichten zufrieden gibt, hört auf, besser zu werden (vgl. Möller 2015, S. 24–25).

Ursprung und historische Entwicklung

Die Wurzeln der Lean Production liegen im Toyota Produktionssystem, das nach dem Zweiten Weltkrieg von Taiichi Ohno und Eiji Toyoda entwickelt wurde. Angesichts knapper Ressourcen musste Toyota Wege finden, effizienter zu produzieren als die großen amerikanischen Automobilhersteller. Die Lösung bestand darin, Verschwendung systematisch zu eliminieren und jeden Prozessschritt konsequent an der Wertschöpfung für den Kunden auszurichten.

Spätestens mit der MIT-Studie „The Machine That Changed the World“ (1990) von Womack, Jones und Roos wurde der Begriff Lean Production in der westlichen Industrie breit bekannt. Die Studie analysierte das Produktionssystem von Toyota und wies die Überlegenheit schlanker Produktionsmethoden gegenüber der traditionellen Massenproduktion nach (vgl. Möller 2015, S. 24–25).

Im Kontext anderer Verbesserungsansätze positioniert sich Lean Production als Strategie, die eher die Logistik und die Abfolge verschiedener Schritte im Prozess verfolgt (vgl. Koch 2021, S. 13–15). Im Vergleich dazu befasst sich Six Sigma schwerpunktmäßig mit der Optimierung individueller Aktivitäten innerhalb des Prozesses. Beide Ansätze ergänzen sich und werden häufig gemeinsam unter dem Dach von Operational Excellence eingesetzt.

Grundprinzipien der Lean Production

Lean Production basiert auf fünf Grundprinzipien, die zusammen ein schlüssiges System für die schlanke Produktion bilden:

  • Wert aus Kundensicht definieren: Jeder Prozessschritt wird danach bewertet, ob er aus Sicht des Kunden einen Wert erzeugt. Tätigkeiten, die keinen Kundenwert schaffen, gelten als Verschwendung und sind zu eliminieren.
  • Wertstrom identifizieren: Der gesamte Wertstrom vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt wird erfasst und analysiert. Wertstrom-Management und Wertstromdesign machen die Abläufe transparent und zeigen Verschwendung auf.
  • Fluss erzeugen (Flow): Die Produktion soll im kontinuierlichen Fluss ablaufen, ohne Unterbrechungen, Wartezeiten oder Zwischenlager. Alle Prozessschritte müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit in jeder Minute ein Produkt mit minimalem Aufwand hergestellt werden kann.
  • Pull-Prinzip umsetzen: Die Produktion wird nicht auf Vorrat gesteuert, sondern durch den tatsächlichen Kundenbedarf ausgelöst. Rüstzeit-Systeme und andere Pull-Mechanismen stellen sicher, dass nur produziert wird, was tatsächlich benötigt wird.
  • Perfektion anstreben: Lean Production strebt nach ständiger Verbesserung. Das Ziel ist nicht ein erreichbarer Endzustand, sondern die permanente Annäherung an den Idealzustand durch viele kleine Verbesserungsschritte.

Verschwendung erkennen und beseitigen

Das Vermeiden von Verschwendung ist ein zentrales Prinzip der Lean Production. Wer seine Effizienz durch weniger Verschwendung steigert, reduziert seine Kosten und verbessert die Abläufe (vgl. Möller 2015, S. 24–25). Im Rahmen der schlanken Produktion werden klassisch sieben Arten der Verschwendung unterschieden, die als Muda bekannt sind:

  • Überproduktion: Herstellung von mehr als bestellt, die gravierendste Verschwendungsart, da sie alle anderen nach sich zieht.
  • Wartezeiten: Unproduktive Zeiten, in denen Material, Informationen oder Mitarbeiter auf den nächsten Prozessschritt warten.
  • Unnötige Transporte: Jeder Transport, der nicht unmittelbar der Wertschöpfung dient. Optimierte Layouts reduzieren diese Verluste.
  • Überbearbeitung: Leistungen und Qualitätsmerkmale, die über die Kundenanforderungen hinausgehen.
  • Bestände: Überhöhte Lagerbestände binden Kapital und verbergen Probleme im Produktionsprozess.
  • Unnötige Bewegungen: Ergonomisch ungünstige oder überflüssige Bewegungen am Arbeitsplatz beeinträchtigen die Gesundheit und mindern die Produktivität (vgl. Möller 2015, S. 24–25).
  • Fehler und Nacharbeit: Ausschuss und Nacharbeit führen zu Zeitverlust und höheren Kosten. Das Ziel ist die Null-Fehler-Produktion.

Ergänzend wird häufig eine achte Verschwendungsart genannt: ungenutztes Mitarbeiterpotenzial. Lean Production setzt deshalb stark auf die Einbindung aller Mitarbeiter in den Verbesserungsprozess.

Methoden und Werkzeuge der Lean Production

Lean Tools gehören zur Grundausstattung moderner Unternehmen. Doch ohne Anpassung des Führungsverhaltens führt die Verbesserung der Prozesse nur kurzfristig zu Erfolgen (vgl. OJT Solutions 2017, S. 21–23). Die wichtigsten Werkzeuge im Überblick:

  • 5S: Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren und Selbstdisziplin bilden das Fundament für alle weiteren Lean-Maßnahmen.
  • Wertstrom-Management: Visualisiert den gesamten Material- und Informationsfluss und macht Verschwendung sichtbar. Kaizen-Blitze kennzeichnen die Stellen mit dem größten Verbesserungspotenzial.
  • Rüstzeit: Pull-Steuerungssystem, das Überproduktion verhindert und einen gleichmäßigen Materialfluss sicherstellt (vgl. Klevers (2015), S. 101–108).
  • SMED: Rüstzeitoptimierung mit dem Ziel, Umrüstvorgänge auf unter zehn Minuten zu reduzieren und kleinere Losgrößen zu ermöglichen (vgl. Teeuwen/Grombach (2019), S. 16–20).
  • Heijunka: Produktionsnivellierung zur gleichmäßigen Verteilung von Volumen und Varianten, um Schwankungen auszugleichen.
  • Poka Yoke: Fehlervermeidungsmechanismen als zentrales Element der Null-Fehler-Strategie.
  • Standardisierung: Festlegung der besten bekannten Vorgehensweise als Basis für systematische Verbesserung.

Lean Production, Flow und OEE

Ein zentrales Ziel der Lean Production ist die Herstellung eines kontinuierlichen Flusses (Flow) im Produktionsprozess. Alle Prozessschritte müssen perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit in jeder Minute ein Produkt mit minimalem Aufwand hergestellt werden kann. Der Lean-Ansatz fordert, dass jede Station genau im Kundentakt produziert und Engpässe systematisch beseitigt werden.

Praxishinweis: OEE ist ein unentbehrliches Messinstrument für alle betrieblichen Verbesserungsansätze. Ob TPM, Lean, Six Sigma oder Kaizen, die Produktionsanlagen sollten immer beherrscht und zuverlässig arbeiten (vgl. Koch (2021), S. 10–11).

Lean Management und Digitalisierung

Lean und Digitalisierung bringen neue Anforderungen der Optimierung von Prozessen und Wertschöpfungsketten. Eine erfolgreiche Symbiose gelingt dann, wenn Digitalisierung auf Lean-optimierten Prozessen aufbaut, nicht umgekehrt. Wer einen ineffizienten Prozess digitalisiert, erhält lediglich einen digitalisierten ineffizienten Prozess (vgl. Lean Management und Digitalisierung 2021, S. 24–26). Die Lean-Prinzipien bilden somit die notwendige Grundlage für eine sinnvolle digitale Transformation.

Lean Production in der Praxis

In den 1970er-Jahren sorgte Lean Production durch das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung und den Fokus auf höchste Qualität für einen Umbruch in der Fertigungsindustrie. Unternehmen wie Toyota zeigten, dass sich Qualität, Kosten und Lieferfähigkeit nicht gegenseitig ausschließen, sondern durch Lean-Methoden gleichzeitig verbessert werden können (vgl. Möller 2015, S. 24–25). Seitdem haben unzählige Unternehmen weltweit Lean-Prinzipien übernommen.

Die Lean-Einführung stellt Unternehmen oft vor große Herausforderungen. Eine Umfrage zur Lean-Praxis in Unternehmen zeigt, dass viele Organisationen zwar Lean-Werkzeuge einsetzen, aber die zugrunde liegenden Prinzipien und die notwendige Kulturveränderung vernachlässigen (vgl. Bilder 2015, S. 2). Erfolgreich sind vor allem jene Unternehmen, die Lean nicht als Werkzeugkasten verstehen, sondern als ganzheitliches Managementsystem, das alle Ebenen der Organisation durchdringt.

Unternehmen wie CEWE, Europas führender Fotoservice und Onlinedruckdienstleister, zeigen, dass Lean Management auch außerhalb der Automobilindustrie erfolgreich angewandt wird. Durch konsequente Lean-Einführung ziehen alle an einem Strang und sichern die Zukunft des Unternehmens (vgl. Bilder 2016, S. 2).

Lean Production und TPM

Lean Production und TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) verfolgen ähnliche Ziele, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Während Lean Production primär auf die Optimierung des Materialflusses und die Eliminierung von Verschwendung abzielt, fokussiert TPM auf die Verbesserung der Anlagenverfügbarkeit und die Vermeidung von Stillständen. TPM erreicht die Einführung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit dem Ziel, sämtliche Verluste und Verschwendungen zu vermeiden, hat alle Unternehmensbereiche im Blick und bezieht alle Mitarbeiter ein. In der Praxis ergänzen sich beide Ansätze ideal und werden oft parallel eingeführt.

Das Operational Excellence Reference Model (PQKLSM)

Quelle: CETPM Seminarunterlagen 2026

Quellenangaben

Koch, A. (2021): OEE für das Produktionsteam. 4. korr. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden, S. 10–15.

OJT Solutions Inc. (2017): Toyotas Geheimrezepte für die Mitarbeiterentwicklung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, CETPM Publishing, Herrieden, S. 21–40.

Möller, A. (2015): „Das volle Potenzial der Lean Production ist nicht annähernd ausgeschöpft“, in: YOKOTEN 03/2015, S. 24–25.

Lean Management und Digitalisierung, Wie kann eine Symbiose gelingen?, in: YOKOTEN 03/2021.

Bilder, P. (2016): Lean Management bei CEWE, Wenn alle an einem Strang nach vorne ziehen, in: YOKOTEN 02/2016, S. 2.

Bilder, P. (2015): Quo vadis Lean Management?, Umfrage zeigt Tendenzen über Lean-Praxis in Unternehmen, in: YOKOTEN 06/2015, S. 2.

Weiterführende Literatur

Teeuwen, B.; Schaller, C. (2017): 5S, Die Erfolgsmethode zur Arbeitsplatzorganisation. 4. unveränd. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2019): Toyotas Geheimrezepte für die Problemlösung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2023): Toyotas Fehlerlehre, Von der Kunst, Fehler in Erfolge zu verwandeln. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Womack, J. P.; Jones, D. T.; Roos, D. (1990): The Machine That Changed the World. Free Press, New York.

Verwandte Konzepte

Lean Management · TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) · Kaizen · 5S · SMED · Rüstzeit · Heijunka · Wertstrom-Management · Operational Excellence · OEE

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