Kitting bezeichnet die Methode, alle für einen Arbeitsgang benötigten Materialien, Teile und Werkzeuge vorab zu einem Bausatz, einem sogenannten Kit, zusammenzustellen und als Einheit an den Arbeitsplatz zu liefern. Anstatt einzelne Komponenten aus verschiedenen Lagerorten zu entnehmen, erhält der Werker ein vorkommissioniertes Paket, das exakt den Bedarf für einen definierten Montageschritt oder Auftrag enthält. Im Kontext von Lean Management und Wertstrom-Management ist Kitting ein wirkungsvolles Instrument zur Reduzierung von Verschwendung, insbesondere von unnötigen Wegen, Suchzeiten und Wartezeiten am Montagearbeitsplatz.
Das Grundprinzip von Kitting besteht darin, den Materialfluss vom Lager zum Arbeitsplatz so zu organisieren, dass der Werker sich ausschließlich auf die wertschöpfende Tätigkeit konzentrieren kann. In einer dedizierten Kitting-Zone werden alle benötigten Teile auftragsbezogen zusammengestellt, in einer definierten Reihenfolge angeordnet und in geeigneten Behältern oder auf Kitting-Wagen bereitgestellt. Die Montagereihenfolge kann dabei bereits durch die Anordnung der Teile im Kit vorgegeben werden.
Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Regalmontage, bei der alle Varianten und Komponenten direkt am Arbeitsplatz bevorratet werden. Während die Regalmontage bei geringer Variantenvielfalt effizient sein kann, führt sie bei steigender Komplexität zu überfüllten Arbeitsplätzen, erhöhter Fehlerquote und langen Greifwegen. Kitting löst dieses Problem, indem die Komplexität in die vorgelagerte Kommissionierung verlagert wird.
Die Einführung von Kitting wirkt sich auf mehrere Dimensionen des Produktionssystems positiv aus:
Im Wertstrom-Management wird Kitting als Mittel betrachtet, den Flussgrad zu erhöhen und Bestände zwischen Prozessschritten zu reduzieren. Klevers beschreibt, wie durch auftragsbezogene Materialbereitstellung die Durchlaufzeit erheblich verkürzt werden kann. Der Materialfluss wird dabei konsequent auf den Kundentakt ausgerichtet, jedes Kit enthält genau das, was für einen Auftrag benötigt wird, nicht mehr und nicht weniger.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Gestaltung der Kitting-Zone selbst. Diese muss nach 5S-Prinzipien organisiert sein, damit die Kommissionierung fehlerfrei und zügig erfolgen kann. Pick-by-Light-Systeme, visuelle Hilfen und klare Kennzeichnungen unterstützen den Prozess. Auch die Verbindung mit Kaizen-Aktivitäten ist sinnvoll: Teams können die Kit-Zusammenstellung kontinuierlich verbessern und an veränderte Anforderungen anpassen.
Praxistipp: Beginnen Sie mit dem Kitting an Arbeitsplätzen mit hoher Variantenvielfalt und häufigen Fehlgriffen. Stellen Sie sicher, dass die Kitting-Zone nach 5S-Prinzipien gestaltet ist, und definieren Sie klare Standards für die Kit-Zusammenstellung. Ein Foto des vollständigen Kits als Referenz an der Kommissionierstation hilft, Vollständigkeit und korrekte Anordnung sicherzustellen.