Kakushin (wörtlich: Revolution, Innovation) bezeichnet im japanischen Management eine grundlegende, sprunghafte Veränderung, im Gegensatz zum schrittweisen Kaizen. Während Kaizen auf die kontinuierliche Verbesserung in kleinen Schritten setzt, steht Kakushin für revolutionäre Umbrüche, die bestehende Strukturen, Prozesse oder Technologien grundlegend verändern. Beide Konzepte sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich in einer ausgewogenen Verbesserungsstrategie.
Die Unterscheidung zwischen Kaizen und Kakushin ist für das Verständnis japanischer Verbesserungsphilosophien grundlegend. Kaizen verbessert das Bestehende innerhalb der vorhandenen Rahmenbedingungen: Prozesse werden optimiert, Verschwendung reduziert, Standards erhöht. Kakushin hingegen stellt die Rahmenbedingungen selbst infrage und ersetzt sie durch etwas fundamental Neues.
Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Die schrittweise Optimierung einer manuellen Montagelinie, bessere Werkzeuge, optimierte Arbeitspositionen, reduzierte Wege, ist Kaizen. Die Entscheidung, diese Montagelinie durch einen vollautomatisierten Roboterprozess zu ersetzen, ist Kakushin. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, erfordern aber unterschiedliche Vorgehensweisen, Ressourcen und Entscheidungsstrukturen.
Nicht jede Verbesserung lässt sich durch schrittweise Optimierung erreichen. Kakushin wird dann notwendig, wenn bestehende Systeme ihre Leistungsgrenze erreicht haben, disruptive Technologien neue Möglichkeiten eröffnen oder sich Marktbedingungen so grundlegend ändern, dass inkrementelle Anpassungen nicht ausreichen:
Erfolgreiche Unternehmen beherrschen sowohl Kaizen als auch Kakushin und setzen beide Ansätze gezielt ein. Nach einer revolutionären Veränderung (Kakushin) beginnt unmittelbar die Phase der kontinuierlichen Verbesserung (Kaizen), um das neue System zu stabilisieren und schrittweise zu perfektionieren. Dieser Wechsel zwischen Innovation und Optimierung erzeugt eine aufsteigende Leistungskurve.
Im Rahmen von TPM wird dieses Zusammenspiel besonders deutlich. Die Einführung von TPM selbst ist häufig ein Kakushin-Schritt: Die Organisation verändert grundlegend, wie sie über Instandhaltung, Qualität und Mitarbeiterentwicklung denkt. Innerhalb des TPM-Systems arbeiten die Teams dann mit Kaizen an der täglichen Verbesserung. Die kobetsu Kaizen-Säule sorgt für systematische Verlustreduzierung, während größere Investitions- oder Technologieentscheidungen als Kakushin-Projekte geplant werden.
Praxishinweis: Die größte Gefahr liegt in der einseitigen Fokussierung. Unternehmen, die ausschließlich auf Kaizen setzen, riskieren, disruptive Entwicklungen zu verpassen. Unternehmen, die nur auf Kakushin setzen, vernächlässigen die Stabilisierung und Optimierung neuer Systeme. Die Kunst liegt in der Balance, und in der Fähigkeit der Führung, den richtigen Zeitpunkt für revolutionäre Veränderungen zu erkennen.
Imai, M. (1986): Kaizen. The Key to Japan’s Competitive Success. McGraw-Hill, New York, S. 23–39.
Liker, J. K. (2004): The Toyota Way. 14 Management Principles from the World’s Greatest Manufacturer. McGraw-Hill, New York, S. 23–35.