Hitozukuri (jap. für „Menschen formen“ bzw. „Menschenschmiede“) beschreibt die japanische Philosophie der systematischen Entwicklung von Menschen als Grundlage jeder nachhaltigen Unternehmensverbesserung. Im Toyota-Kontext gilt der Grundsatz „Erst den Menschen entwickeln, dann das Produkt“, die Überzeugung, dass exzellente Produkte (Monozukuri) nur von exzellenten Mitarbeitern geschaffen werden können (vgl. Ölschleger 2012, S. 7–9). Hitozukuri ist damit weit mehr als klassische Personalentwicklung: Es ist ein kulturelles Leitprinzip, das die gesamte Führungsphilosophie durchdringt (vgl. OJT Solutions 2017, S. iii,24).
Der Begriff Hitozukuri setzt sich aus den japanischen Wörtern „hito“ (Mensch) und „zukuri“ (machen, formen) zusammen. Im Toyota-Produktionssystem (TPS) steht Hitozukuri für die Überzeugung, dass technische Systeme und Methoden nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn die Menschen, die sie anwenden, entsprechend befähigt und motiviert sind. Bereits die Gründerväter von Toyota erkannten, dass Maschinen zwar Produkte herstellen, aber erst kompetente und engagierte Mitarbeiter den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb ausmachen.
Bei Toyota wird Hitozukuri nicht als isoliertes Programm betrieben, sondern als fester Bestandteil des täglichen Führungshandelns gelebt. Jede Führungskraft versteht sich als Lehrer und Coach, der seine Mitarbeiter kontinuierlich weiterentwickelt. Dieses Prinzip spiegelt sich auch in der japanischen Redewendung „Monozukuri wa Hitozukuri“ wider (vgl. OJT Solutions 2017, S. 22): Die Kunst des Herstellens beginnt mit der Kunst, Menschen zu formen.
Im Rahmen von TPM und Lean Management bildet Hitozukuri das Fundament für alle Verbesserungsaktivitäten. Der Kompetenzmanagement-Baustein von TPM verfolgt genau diesen Ansatz: Mitarbeiter werden systematisch qualifiziert, um eigenständig Verluste zu erkennen, Probleme zu lösen und Prozesse zu verbessern. Ohne diese menschliche Grundlage bleiben Methoden wie 5S, SMED oder OEE-Analyse reine Werkzeuge ohne nachhaltige Wirkung (vgl. May/Schimek 2015, S. 56–62).
Die Verbindung zwischen Hitozukuri und Operational Excellence wird besonders deutlich, wenn Unternehmen erkennen, dass der Mensch, nicht die Methode, den nachhaltigen Erfolg bestimmt. Führungskräfte, die Hitozukuri konsequent umsetzen, investieren einen erheblichen Teil ihrer Zeit in die Entwicklung ihrer Teams. Sie schaffen Lernmöglichkeiten am Arbeitsplatz, geben konstruktives Feedback und fördern eigenverantwortliches Handeln.
Hitozukuri umfasst mehrere zentrale Elemente, die in der Praxis ineinandergreifen:
Praxisbezug: Bei Toyota verbringt ein neuer Teamleiter bis zu zwei Jahre in einer intensiven Ausbildungsphase, bevor er volle Verantwortung übernimmt. Diese Investition in Hitozukuri zahlt sich durch stabile Prozesse und geringe Fluktuation aus.
Die Umsetzung von Hitozukuri in westlichen Unternehmen erfordert ein Umdenken in der Führungskultur. Während in vielen Organisationen Ergebnisse und Kennzahlen im Vordergrund stehen, lenkt Hitozukuri den Fokus auf den Prozess der Mitarbeiterentwicklung. Ansätze wie die Verbesserungs-Kata und die Coaching-Kata greifen dieses Prinzip auf: Führungskräfte üben täglich mit ihren Mitarbeitern wissenschaftliches Denken und systematische Problemlösung.
Das CETPM an der Hochschule Ansbach unterstützt Unternehmen bei der Implementierung von Hitozukuri-Prinzipien durch Seminare, Zertifizierungsprogramme und den berufsbegleitenden Studiengang Wertschöpfungsmanagement. Dabei wird die japanische Philosophie mit westlichen Führungskonzepten verbunden, um praxistaugliche Entwicklungsprogramme zu gestalten.
Constantin May (2015): Liebe Leserinnen, liebe Leser,, in: YOKOTEN 01/2015, S. 3–3.
Ölschleger, B. (2012): „Menschenschmiede“ auf Japanisch: Hitozukuri, in: YOKOTEN 03/2012, S. 7–9.