Lexikon
Forum
Downloads
Shop
Fachmagazin YOKOTEN
Login
Suche

Operational Excellence

Effizienzsteigerung im gesamten Unternehmen durch Null-Verluste, Null-Stillstände, Null-Fehler und Null-Unfälle unter Einbeziehung aller Mitarbeiter in selbstorganisierten Teams. Ein System, das betriebliche Verbesserungsansätze wie Lean, TPM, Six Sigma, Kaizen und KVP vereint.

   Zurück

Qualität & Six Sigma

In diesem Kompetenzbereich geht es darum, eine optimale Qualität sicherzustellen, um die Kundenzufriedenheit zu erhalten und zu steigern. Six Sigma ist dafür eine bewährte Methode. Weiterhin finden Sie hier Seminare zu den vielfältigen Themen der Qualitätssicherung.

   Zurück

Künstliche Intelligenz (KI)

Künstliche Intelligenz (KI) transformiert Branchen, revolutioniert Arbeitsweisen und schafft völlig neue Geschäftsmodelle. Mit unserem Weiterbildungsprogramm rüsten wir Sie mit dem notwendigen Wissen und den Werkzeugen aus, um die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen erfolgreich zu gestalten.

   Zurück

Was ist "Glätten"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Glätten (japanisch: Narashi) bezeichnet in der schlanken Produktion die gleichmäßige Verteilung von Arbeitsvolumen und Produktionslast über einen definierten Zeitraum. Es ist ein Teilelement des umfassenderen Heijunka-Konzepts, das neben der Volumenglättung auch die Nivellierung des Produktmixes umfasst. Während Heijunka den Gesamtansatz der Produktionsnivellierung beschreibt, fokussiert sich Glätten auf die erste Dimension: die Vermeidung von Auslastungsspitzen und -tälern, um einen stabilen und vorhersagbaren Produktionsrhythmus zu schaffen.

Warum Glätten notwendig ist

In vielen Unternehmen schwankt die Produktionslast erheblich: Aufträge werden in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet, Eilaufträge drängen sich vor, und zum Monatsende wird häufig mehr produziert als in den ersten Wochen. Diese Schwankungen verursachen eine Kaskade von Problemen: In Spitzenzeiten werden Überstunden geleistet, Maschinen überlastet und Qualitätsstandards unter Druck gesetzt. In schwachen Phasen stehen Mitarbeiter und Maschinen unproduktiv bereit. Die Folge sind hohe Kosten, schwankende Qualität und unzuverlässige Liefertermine.

Glätten wirkt diesem Muster entgegen, indem das verfügbare Produktionsvolumen gleichmäßig auf die Arbeitstage verteilt wird. Statt 1.000 Stück an einem Tag und 200 am nächsten zu fertigen, wird ein tägliches Produktionsniveau von 600 Stück angestrebt. Diese Glättung reduziert die Belastungsschwankungen auf allen Ebenen: für Mitarbeiter, Maschinen, Logistik und Zulieferer. Die gesamte Wertschöpfungskette profitiert von einem stabilen, vorhersagbaren Rhythmus.

Glätten als Grundlage für Pull-Systeme

Ein geglättetes Produktionsvolumen ist eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren von Pull-Systemen. Wenn die Kundennachfrage stark schwankt, müssen Bestände als Puffer vorgehalten werden, was dem Lean-Gedanken der Bestandsreduzierung widerspricht. Durch Glätten wird die Nachfrage in eine gleichmäßige Produktionsrate übersetzt, die es ermöglicht, mit minimalen Beständen zu arbeiten und dennoch eine hohe Liefertreue zu erreichen.

Im Toyota-Produktionssystem wird der geglättete Produktionsplan am sogenannten Schrittmacherprozess (Taktgeber) eingesteuert. Nur dieser eine Prozess erhält einen Produktionsauftrag, alle vorgelagerten Prozesse werden über Kanban-Signale im Pull-Prinzip gesteuert. Damit die Pull-Steuerung funktioniert, muss der Produktionsplan am Schrittmacher geglättet sein, weil sonst die Schwankungen durch die gesamte Kette weitergegeben würden.

Methoden und Werkzeuge zum Glätten

Das wichtigste Werkzeug zur Umsetzung der Glättung ist die Heijunka-Box (Nivellierungskasten). Dies ist ein physisches Steckbrett, in dem Produktionsaufträge in gleichmäßigen Zeitabschnitten verteilt werden. Jede Spalte der Box repräsentiert ein Zeitintervall (z. B. 10, 20 oder 30 Minuten), und jede Zeile steht für einen Produkttyp. Die Kanban-Karten werden so in die Box einsortiert, dass über den Tag verteilt ein gleichmäßiger Produktionsmix entsteht.

  • Volumenglättung: Das Gesamtvolumen wird gleichmäßig auf alle verfügbaren Produktionstage verteilt. Tagesschwankungen werden durch Pufferbestände an definierten Stellen abgefangen.
  • Sequenzierung: Aufträge für verschiedene Produkte werden in einer wiederkehrenden Reihenfolge (Pattern) über den Tag verteilt, statt in großen Losen nacheinander abgearbeitet zu werden.
  • Pitch: Das Produktionsvolumen wird in kleine, gleichmäßige Portionen (Pitches) aufgeteilt, die in festen Zeitintervallen an die Fertigung übergeben werden. Der Pitch ergibt sich aus dem Kundentakt multipliziert mit der Packungsgröße.

Herausforderungen beim Glätten

Die größte Herausforderung beim Glätten liegt in der Veränderung der Denkweise. Viele Unternehmen sind es gewohnt, auf Kundenaufträge direkt zu reagieren und diese in der Reihenfolge des Eingangs abzuarbeiten. Die Idee, Aufträge bewusst umzusortieren und in einen geglätteten Plan umzuwandeln, widerspricht dem intuitiven Verständnis von Kundenorientierung. Es erfordert die Erkenntnis, dass eine geglättete Produktion letztlich zu kürzeren und zuverlässigeren Lieferzeiten führt als eine ungefilterte Weitergabe schwankender Kundenbestellungen.

Eine weitere Voraussetzung für erfolgreiches Glätten sind kurze Rüstzeiten. Wenn die Umstellung zwischen Produktvarianten lange dauert, ist eine häufige Produktwechsel wirtschaftlich nicht darstellbar, und es müssen größere Lose gefertigt werden, was der Glättung entgegenwirkt. Daher geht die Einführung von Glätten oft mit einem systematischen Rüstzeitoptimierung-Programm einher, das die Umstellzeiten auf ein Minimum reduziert.

Kerngedanke: Glätten bedeutet nicht, die Kundenwünsche zu ignorieren, sondern sie intelligent in einen gleichmäßigen Produktionsrhythmus zu übersetzen. Eine geglättete Produktion liefert zuverlässiger, schneller und kostengünstiger als eine Produktion, die jeder Auftragsschwankung ungefiltert folgt.

Weiterführende Literatur

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden. insb. S. 36.

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden. insb. S. 94–96.

Verwandte Konzepte

Heijunka · Yamazumi Diagramm · Kanban · Pull-Prinzip · Kundentakt · Taktgeber · SMED · One-Piece-Flow · TPS

Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie geben Einwilligung zu unseren Cookies, wenn Sie unsere Webseite weiterhin nutzen.