FiFo (First In, First Out) ist ein Steuerungsprinzip der Produktionslogistik, bei dem Materialien, Werkstücke oder Aufträge in genau der Reihenfolge entnommen bzw. bearbeitet werden, in der sie eingesteuert wurden. Das zuerst eingelagerte Teil wird auch zuerst verbraucht. Dieses Prinzip verhindert, dass ältere Bestände übersehen werden, und stellt eine gleichmäßige Durchlaufzeit sicher.
Das FiFo-Prinzip sichert die Reihenfolgetreue im Materialfluss. Anders als bei einem Supermarkt, in dem jede Variante an einem definierten Platz lagert und einzeln entnommen werden kann, fließt Material in einer FiFo-Bahn in fester Reihenfolge von der Eingangs- zur Ausgangsseite. Es gibt keine Möglichkeit, ein Teil aus der Mitte zu entnehmen oder die Reihenfolge zu ändern.
Roser beschreibt die FiFo-Strecke als das einfachste und zugleich wirkungsvollste Mittel zur Bestandssteuerung zwischen zwei Prozessschritten: Durch die Begrenzung der Stellplätze in der FiFo-Bahn wird automatisch eine Obergrenze für den Bestand definiert. Ist die Bahn voll, muss der vorgelagerte Prozess stoppen, ein eingebauter Schutzmechanismus gegen Überproduktion (vgl. Roser 2016, S. 22–26).
FiFo-Bahnen kommen überall dort zum Einsatz, wo die Einhaltung der Bearbeitungsreihenfolge wichtig ist:
Im Wertstromdesign wird die FiFo-Strecke als Verbindungselement zwischen zwei Prozessen eingesetzt, wenn weder ein kontinuierlicher Fluss (One-Piece-Flow) noch ein Supermarkt sinnvoll ist. Die FiFo-Bahn hat eine definierte Maximalkapazität, typischerweise zwischen 5 und 30 Stellplätzen, je nach Taktzeit und Prozessstabilität. Die maximale Belegung wird visuell markiert, sodass Abweichungen sofort erkannt werden können.
Roser stellt die Entscheidungslogik dar: FiFo eignet sich besonders dann, wenn die Variantenvielfalt hoch ist und ein Supermarkt zu viele Stellplätze benötigen würde. Bei geringer Variantenvielfalt und stabilem Verbrauch kann dagegen ein Supermarkt mit Kanban-Steuerung die bessere Lösung sein (vgl. Roser 2017, S. 20–22).
Eine wirkungsvolle FiFo-Strecke muss physisch so gestaltet sein, dass die Entnahmereihenfolge nicht umgangen werden kann. Typische Umsetzungsformen sind geneigte Rollenbahnen, bei denen die Schwerkraft die Teile von der Eingangs- zur Ausgangsseite befördert, markierte Bodenflächen mit nummerierten Stellplätzen oder Durchlaufregale mit definierter Kapazität.
Praxistipp: Definieren Sie die maximale Belegung jeder FiFo-Strecke und markieren Sie diese visuell, beispielsweise mit einem roten Strich oder einer Ampel. Wenn die Bahn voll ist, muss der vorgelagerte Prozess stoppen. Diese Bestandsobergrenze ist der eigentliche Hebel gegen Überproduktion.
Roser, C. (2016): Supermarkt und FIFO-Strecke, in: YOKOTEN 06/2016, S. 22–26.
Roser, C. (2017): Supermarkt und FIFO-Strecke, in: YOKOTEN 01/2017, S. 20–22.