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Was ist "FiFo"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

FiFo (First In, First Out) ist ein Steuerungsprinzip der Produktionslogistik, bei dem Materialien, Werkstücke oder Aufträge in genau der Reihenfolge entnommen bzw. bearbeitet werden, in der sie eingesteuert wurden. Das zuerst eingelagerte Teil wird auch zuerst verbraucht. Dieses Prinzip verhindert, dass ältere Bestände übersehen werden, und stellt eine gleichmäßige Durchlaufzeit sicher.

Funktion und Abgrenzung

Das FiFo-Prinzip sichert die Reihenfolgetreue im Materialfluss. Anders als bei einem Supermarkt, in dem jede Variante an einem definierten Platz lagert und einzeln entnommen werden kann, fließt Material in einer FiFo-Bahn in fester Reihenfolge von der Eingangs- zur Ausgangsseite. Es gibt keine Möglichkeit, ein Teil aus der Mitte zu entnehmen oder die Reihenfolge zu ändern.

Roser beschreibt die FiFo-Strecke als das einfachste und zugleich wirkungsvollste Mittel zur Bestandssteuerung zwischen zwei Prozessschritten: Durch die Begrenzung der Stellplätze in der FiFo-Bahn wird automatisch eine Obergrenze für den Bestand definiert. Ist die Bahn voll, muss der vorgelagerte Prozess stoppen, ein eingebauter Schutzmechanismus gegen Überproduktion (vgl. Roser 2016, S. 22–26).

Anwendungsbereiche

FiFo-Bahnen kommen überall dort zum Einsatz, wo die Einhaltung der Bearbeitungsreihenfolge wichtig ist:

  • Zwischen Fertigungsstufen: FiFo-Bahnen verbinden zwei aufeinanderfolgende Prozessschritte und begrenzen den Zwischenbestand. Dies ist die klassische Anwendung im Wertstromdesign.
  • Qualitätssicherung: Bei qualitätsrelevanten Produkten stellt FiFo die Rückverfolgbarkeit sicher. Im Falle eines Fehlers kann genau ermittelt werden, welche Teile betroffen sind.
  • Verderbliche Güter: In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist FiFo gesetzlich vorgeschrieben, um sicherzustellen, dass Produkte mit älterem Verfallsdatum zuerst verbraucht werden.
  • Auftragssteuerung: In der Auftragsabwicklung und in administrativen Prozessen sorgt FiFo dafür, dass früher eingegangene Aufträge zuerst bearbeitet werden und keine Aufträge „liegen bleiben“.

FiFo im Wertstromdesign

Im Wertstromdesign wird die FiFo-Strecke als Verbindungselement zwischen zwei Prozessen eingesetzt, wenn weder ein kontinuierlicher Fluss (One-Piece-Flow) noch ein Supermarkt sinnvoll ist. Die FiFo-Bahn hat eine definierte Maximalkapazität, typischerweise zwischen 5 und 30 Stellplätzen, je nach Taktzeit und Prozessstabilität. Die maximale Belegung wird visuell markiert, sodass Abweichungen sofort erkannt werden können.

Roser stellt die Entscheidungslogik dar: FiFo eignet sich besonders dann, wenn die Variantenvielfalt hoch ist und ein Supermarkt zu viele Stellplätze benötigen würde. Bei geringer Variantenvielfalt und stabilem Verbrauch kann dagegen ein Supermarkt mit Kanban-Steuerung die bessere Lösung sein (vgl. Roser 2017, S. 20–22).

Gestaltung in der Praxis

Eine wirkungsvolle FiFo-Strecke muss physisch so gestaltet sein, dass die Entnahmereihenfolge nicht umgangen werden kann. Typische Umsetzungsformen sind geneigte Rollenbahnen, bei denen die Schwerkraft die Teile von der Eingangs- zur Ausgangsseite befördert, markierte Bodenflächen mit nummerierten Stellplätzen oder Durchlaufregale mit definierter Kapazität.

Praxistipp: Definieren Sie die maximale Belegung jeder FiFo-Strecke und markieren Sie diese visuell, beispielsweise mit einem roten Strich oder einer Ampel. Wenn die Bahn voll ist, muss der vorgelagerte Prozess stoppen. Diese Bestandsobergrenze ist der eigentliche Hebel gegen Überproduktion.

Quellenangaben

Roser, C. (2016): Supermarkt und FIFO-Strecke, in: YOKOTEN 06/2016, S. 22–26.

Roser, C. (2017): Supermarkt und FIFO-Strecke, in: YOKOTEN 01/2017, S. 20–22.

Weiterführende Literatur

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. 2. überarb. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

Verwandte Konzepte

  • Supermarkt, Alternative Bestandssteuerung für geringe Variantenvielfalt mit Kanban.
  • Kanban, Signalgesteuerte Nachschubsteuerung, oft in Kombination mit Supermärkten.
  • Wertstromdesign, Methode, in der FiFo-Bahnen als Verbindungselement geplant werden.
  • Pull-Produktion, Bedarfsgesteuerte Fertigung, die durch FiFo unterstützt wird.
  • Milkrun, Getaktete Materialversorgung, die FiFo-Bahnen regelmäßig befüllt.
  • Verschwendung, FiFo verhindert Überproduktion und unnötige Bestände.

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