Dojo (jap. für „Übungsraum“ oder „Ort des Weges“) bezeichnet im Kontext von Lean Management und TPM einen speziell eingerichteten Trainingsraum, in dem Mitarbeiter praktische Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen erlernen und vertiefen können. Ursprünglich aus den japanischen Kampfkünsten stammend, hat sich das Dojo-Konzept als wirkungsvolles Element der betrieblichen Qualifizierung in produzierenden Unternehmen etabliert (vgl. Leikep 2018, S. 28–33).
In der japanischen Tradition ist ein Dojo ein Ort, an dem Schüler unter Anleitung eines Meisters (Sensei) üben und ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt perfektionieren. Dieses Prinzip der wiederholten Übung bis zur Meisterschaft lässt sich direkt auf den industriellen Kontext übertragen: In einem Produktions-Dojo trainieren Mitarbeiter Montageschritte, Qualitätsprüfungen oder Rüstprozesse, bevor sie diese am realen Arbeitsplatz ausführen. Dadurch werden Fehler reduziert und die Anlernzeit verkürzt.
Ein Dojo unterscheidet sich grundlegend von einem herkömmlichen Schulungsraum: Es bildet die realen Arbeitsbedingungen möglichst genau nach. Werkzeuge, Materialien und Arbeitsabläufe entsprechen der tatsächlichen Arbeitsumgebung. So können Mitarbeiter in einem geschützten Rahmen üben, ohne den laufenden Produktionsprozess zu beeinträchtigen. Die Lernenden erhalten sofortiges Feedback und können Handgriffe so lange wiederholen, bis sie sicher beherrscht werden.
In modernen Produktionsunternehmen werden Dojos für unterschiedliche Qualifizierungszwecke eingesetzt. Besonders verbreitet sind:
Die GRIMME Landmaschinenfabrik hat beispielsweise im Rahmen ihres Produktionssystems GRIPS ein Qualitäts-Dojo aufgebaut, in dem neue Mitarbeiter systematisch an die Qualitätsstandards herangeführt werden. Durch diese strukturierte Einarbeitung konnte die Fehlerquote in der Montage deutlich gesenkt werden (vgl. Leikep 2018, S. 28–33).
Eine besondere Variante ist das Coaching-Dojo, in dem Führungskräfte ihre Kata-Coaching-Fähigkeiten gezielt trainieren. In diesem Format übt ein Coach die Führung eines Verbesserungsdialogs, während ein erfahrener Coach-Coach beobachtet und Feedback gibt. Das Dojo-Format bietet einen geschützten Rahmen, in dem Coaching-Fehler gemacht und reflektiert werden dürfen, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die reale Verbesserungsarbeit hat (vgl. Schwarz 2017, S. 16–19).
Im Coaching-Dojo werden typische Situationen simuliert: Ein Teilnehmer übernimmt die Rolle des Verbesserers, ein anderer die des Coaches. Der Coach-Coach achtet auf die Qualität der Fragen, die Einhaltung der Coaching-Kata-Routine und die Fähigkeit, den Verbesserer zum eigenständigen Denken anzuregen. Nach jeder Übungsrunde erfolgt eine strukturierte Reflexion.
Das Dojo-Konzept steht in enger Verbindung mit dem Gedanken der Lehrfabrik (Teaching Factory). Das CETPM an der Hochschule Ansbach betreibt am Campus Herrieden eine Lehrfabrik und ein Lehrbüro, die als praxisnahe Lernumgebungen fungieren. Hier können Studierende und Seminarteilnehmer Methoden wie 5S, Wertstromdesign oder Shopfloor Management in einer realitätsnahen Umgebung erproben, ganz im Sinne des Dojo-Prinzips.
Praxistipp: Ein Dojo muss nicht aufwändig sein. Bereits ein abgegrenzter Bereich mit den wichtigsten Werkzeugen und Trainingsmaterialien genügt, um systematisches Üben zu ermöglichen. Entscheidend ist die regelmäßige Nutzung und die strukturierte Anleitung durch erfahrene Mitarbeiter.
Leikep, S. (2018): Landmaschinen mit GRIPS produzieren, in: YOKOTEN 04/2018, S. 28–33.
Schwarz, T. (2017): Aus dem Leben eines KATA-Coaches, Teil 12, in: YOKOTEN 03/2017, S. 16–19.
Leikep, S. (2021): KATACON EUROPE 2021, in: YOKOTEN 04/2021, S. 33–34.