Benchmarking ist ein systematischer Prozess des Vergleichens und Lernens von den Besten. Unternehmen messen ihre eigenen Prozesse, Produkte oder Strategien an den Bestleistungen anderer Organisationen, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die eigene Leistungsfähigkeit gezielt zu steigern. Im Kontext von Lean Management und Operational Excellence dient Benchmarking als wichtiger Impulsgeber für die kontinuierliche Verbesserung. Am CETPM an der Hochschule Ansbach bilden regelmäßige Benchmarktreffen eine der vier tragenden Säulen des Netzwerkansatzes, über den Unternehmen vom aktiven Erfahrungsaustausch profitieren (vgl. YOKOTEN 2012, S. 16).
Die Anfänge des systematischen Benchmarkings gehen auf die Xerox Corporation zurück, die Ende der 1970er Jahre begann, ihre Produktionsprozesse systematisch mit denen der japanischen Konkurrenz zu vergleichen. Robert Camp, damals bei Xerox tätig, veröffentlichte 1989 das Grundlagenwerk „Benchmarking: The Search for Industry Best Practices that Lead to Superior Performance“ und legte damit das methodische Fundament für den strukturierten Leistungsvergleich.
Bereits zuvor hatten japanische Unternehmen den Gedanken des Lernens von den Besten in ihre Verbesserungsphilosophie integriert. Im Toyota-Produktionssystem war es üblich, andere Werke, Lieferanten und sogar branchenfremde Unternehmen zu besuchen, um Anregungen für die eigene Verbesserung zu gewinnen. Diese Tradition des aktiven Beobachtens und Lernens am Gemba ist tief in der japanischen Lean-Kultur verwurzelt und bildet eine wichtige Grundlage für das heutige Benchmarking-Verständnis.
Benchmarking lässt sich je nach Vergleichsobjekt und Vergleichspartner in verschiedene Arten unterteilen. Jede Art hat spezifische Stärken und eignet sich für unterschiedliche Fragestellungen und Reifegradstufen der Organisation.
Kerngedanke: Benchmarking bedeutet nicht einfach nur Kopieren. Es geht darum, die Prinzipien hinter den Bestleistungen zu verstehen, sie auf die eigene Situation zu übertragen und daraus eigene, überlegene Lösungen zu entwickeln. Im YOKOTEN-Magazin wird betont, dass Unternehmen besonders vom aktiven Austausch profitieren, wenn sie bereit sind, eigene Erfahrungen offen zu teilen und von anderen zu lernen (vgl. YOKOTEN 2012, S. 16).
Ein strukturiertes Benchmarking folgt einem systematischen Prozess, der sicherstellt, dass die gewonnenen Erkenntnisse tatsächlich in Verbesserungen umgesetzt werden. Der Prozess lässt sich in fünf Kernphasen gliedern, die einem ähnlichen Grundmuster folgen wie der PDCA-Zyklus der kontinuierlichen Verbesserung.
Im Rahmen von Operational Excellence und Total Productive Management spielt Benchmarking eine wichtige Rolle bei der standortübergreifenden Leistungssteigerung. May und Schimek beschreiben, dass systematische Vergleiche zwischen Werken dazu beitragen, Best Practices zu identifizieren und auf andere Standorte zu übertragen. Der Vergleich mit Best-in-Class-Unternehmen schafft Orientierungspunkte und macht die eigene Position im Wettbewerb transparent.
Koch betont die Bedeutung von Leistungskennzahlen als Grundlage für Benchmarking im TPM-Kontext. Die OEE (Overall Equipment Effectiveness) ist eine der am häufigsten genutzten Kennzahlen für das Benchmarking von Produktionsanlagen. Sie ermöglicht einen objektiven Vergleich der Anlageneffektivität zwischen verschiedenen Standorten, Linien oder Unternehmen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Vergleichbarkeit nur gegeben ist, wenn die Berechnungsgrundlagen standardisiert sind.
Eine besonders wirksame Form des Benchmarkings sind Benchmarktreffen, bei denen Vertreter verschiedener Unternehmen zusammenkommen, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Das CETPM an der Hochschule Ansbach organisiert regelmäßig solche Treffen, bei denen Unternehmen ihre Verbesserungsprojekte vorstellen und gemeinsam Lösungsansätze diskutieren. Dieses Netzwerklernen geht über den reinen Kennzahlenvergleich hinaus und ermöglicht einen tiefen Einblick in die Methoden und Praktiken anderer Organisationen.
Teeuwen und Schaller beschreiben, dass der regelmäßige Austausch zwischen Unternehmen wesentlich dazu beiträgt, den Blick für Verbesserungsmöglichkeiten zu schärfen. Wenn Mitarbeiter sehen, wie andere Unternehmen ähnliche Herausforderungen gelöst haben, entsteht eine Motivation, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Dieser Effekt ist besonders stark, wenn der Besuch am Gemba, also direkt am Ort der Wertschöpfung, stattfindet.
Der Erfolg eines Benchmarking-Projekts hängt maßgeblich von der Qualität der Vorbereitung und der Bereitschaft zur Veränderung ab. Folgende Faktoren bestimmen, ob Benchmarking zu nachhaltigen Verbesserungen führt:
Der Begriff YOKOTEN stammt aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich „horizontal ausbreiten“. Er beschreibt das Prinzip, erfolgreiche Lösungen und Verbesserungen auf andere Bereiche, Standorte oder Organisationen zu übertragen. Dieser Gedanke steht in engem Zusammenhang mit Benchmarking: Während Benchmarking die Leistungslücke identifiziert und Best Practices aufdeckt, beschreibt YOKOTEN den Prozess der systematischen Verbreitung dieser Erkenntnisse. OJT Solutions beschreibt, wie bei Toyota das Wissen um erfolgreiche Verbesserungen systematisch von einem Bereich auf andere übertragen wird.
Das YOKOTEN-Magazin des CETPM trägt diesen Gedanken bereits im Namen: Es dient als Plattform, um Erfahrungen und Best Practices aus der Welt des Lean Management und der Operational Excellence horizontal zu verbreiten. May und Schimek betonen, dass der systematische Wissenstransfer ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Verbesserungssystems ist. Benchmarking und YOKOTEN bilden zusammen einen Kreislauf des Lernens: Benchmarking schafft Transparenz über die Leistungslücke, und YOKOTEN sorgt dafür, dass die gewonnenen Erkenntnisse in der gesamten Organisation verbreitet werden.
Benchmarking ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der fest in die Verbesserungskultur eines Unternehmens eingebettet sein muss. Wie bei Kaizen geht es darum, den Vergleich mit den Besten zur Gewohnheit zu machen und daraus systematisch Verbesserungen abzuleiten. Unternehmen, die Benchmarking als kontinuierlichen Prozess betreiben, entwickeln eine stärkere Lernkultur und bleiben langfristig wettbewerbsfähig.
Im Sinne der Operational Excellence sollte Benchmarking daher nicht als isolierte Initiative verstanden werden, sondern als integraler Bestandteil des Verbesserungshauses. Gemeinsam mit Hoshin Kanri für die strategische Zielentfaltung und Shopfloor Management für die tägliche Steuerung bildet Benchmarking ein wichtiges Element zur Standortbestimmung und Zielorientierung.
Benchmarking: Profitieren Sie vom aktiven Austausch, in: YOKOTEN 06/2012, S. 16.