News

Prof. Dr. May im Interview mit der Wochenzeitung Ansbach

KATApult für das 21. Jahrhundert

Ein Interview mit Prof. Dr. Constantin May

Prof. Dr. Constantin May, Gründer und Akademischer Direktor des CETPM, einem Institut an der Hochschule Ansbach, hat kürzlich das „KATA Praxishandbuch“ herausgebracht. Im Interview mit Martina Schürmeyer berichtet er über die Inhalte des Buches und grundsätzliche Entwicklungen. Professor May lebt in Ansbach und lehrt seit 1999 an der dortigen Hochschule im Studiengang Betriebswirtschaftslehre. 2005 hat er das in Herrieden beheimatete CETPM gegründet und es seitdem zu einer führenden Weiterbildungseinrichtung entwickelt. May ist gefragter Redner, Verleger des Deutschen Managementverlags und Herausgeber einer Fachzeitschrift.

WochenZeitung: Professor May, um was geht es in Ihrem neuen Buch?

May: Ich muss etwas weiter ausholen: Wir leben in turbulenten Zeiten. Die Digitalisierung und globale Entwicklungen führen dazu, dass wir immer weniger in die Zukunft sehen können. In diesem Buch geht es darum, wie wir durch Übungsroutinen – sogenannte KATA – lernen können, besser mit der Ungewissheit und Komplexität der heutigen Zeit umzugehen. Bei der in diesem Buch vorgestellten wissenschaftlichen Denkweise geht es darum zu wissen, dass jede Idee getestet werden sollte. Es geht darum zu lernen, unsere Erwartungen mit dem, was tatsächlich passiert abzugleichen und um die Anpassung an das, was wir aus dem Unterschied entdecken. So eine wissenschaftliche Denkweise kann uns unheimlich erfolgreich machen, weil sie hilft, anspruchsvolle Ziel in unbekanntem Gelände zu erreichen.

WochenZeitung: Können Sie den Begriff KATA etwa näher erklären?

May: Bei KATA handelt es sich um Übungsroutinen, mit denen Sie anfangen zu lernen - wie z.B. Tonleitern spielen, wenn Sie ein Musikinstrument lernen möchten. KATA werden seit Jahrhunderten verwendet, um wirkungsvolle Fähigkeiten zu bewahren, sie von einem Menschen zum anderen zu übertragen und um eine effektive Teamarbeit aufzubauen. Beim Erlernen neuer Denkweisen hilft es, bewusst eine neue Routine einzuüben. Mit der richtigen Übung ist es möglich, neue Gewohnheiten (also neue neuronale Verknüpfungen) zu schaffen, die letztlich die alten ersetzen und unser Denken und Handeln verändern.

WochenZeitung: An wen wendet sich denn das Buch, nur an Manager?

May: Die Zielgruppe sind nicht nur Führungskräfte. Das in diesem Buch vorgestellte Vorgehen hilft dieser Personengruppe natürlich. Wir nähern uns dem Ende einer Phase, in der die überwiegende Herausforderung für das Management Effizienzmaximierung und Kostenreduzierung war. Nun treten wir ein in eine Phase mit vielfältigeren Aufgabenstellungen und weniger vorhersehbaren Pfaden. Die Lösungen von gestern passen vermutlich nicht auf die Probleme von morgen. Wir müssen also für neue Herausforderungen gewappnet sein und eine effektive Vorgehensweise üben, um damit umzugehen. Führungskräfte sollten sich meines Erachtens zukünftig weniger um die Arbeitsinhalte der Mitarbeiter, sondern um die Denk- und Handlungsmuster, die Menschen bei der Zielerreichung einsetzen, kümmern. Die Managementmethoden des 20. Jahrhunderts dienten wohl dem Zweck, die Ungewissheit zu verringern, aber die Managementmethoden der Zukunft könnten eher das Ziel haben, effektiv und komfortabel im Rahmen unvermeidbarer Ungewissheit zu arbeiten. Menschen ohne Führungsverantwortung können auch von der in diesem Buch vorgestellten KATA profitieren. Studenten von mir haben den Ansatz beispielsweise schon für Gewichtsreduktion, die Erreichung anspruchsvoller sportlicher Ziele und das Erlernen eines Instruments genutzt.

WochenZeitung: Was macht denn die heutigen Zeiten so veränderlich und komplex? Gab es nicht immer schon Veränderung?

May: Ja, die gab es schon immer. Aber durch disruptive Technologien und deren nichtlineare Entwicklung – denken Sie beispielsweise an die Veränderungen in Handel und Medien durch das Internet – hat sich der Wandel radikal beschleunigt. Und führen Sie sich mal den Hype um Greta Thunberg vor Augen. Das Mädchen ist innerhalb eines Jahres zur weltweiten Ikone der Klimaaktivisten geworden und hat eine hysterische Endzeit- und Erlösungsbewegung ausgelöst. Mittlerweile geht es in Deutschland vorwiegend nicht mehr um Wissenschaft, sondern um die Durchsetzung einer, von Aktivisten, Medien und Politik begrüßten Ideologie. Wir steuern auf eine Unfreiheit von Wort und Bild zu. Und ich muss gestehen, in Angesicht dieser Massenpsychose spüre ich etwas Panik.

WochenZeitung: Sie machen sich also Sorgen um unsere Zukunft?

May: Obwohl ich mich damit der Gefahr eines Shitstorms aussetze und vermutlich als „alter weißer Mann“ abgestempelt werde: Ja, ich mache mir Sorgen um Freiheit, Marktwirtschaft und Vernunft in unserem Land. Wir kaum noch Infrastrukturprojekte realisieren und bei der Mobilfunkabdeckung sind uns viele Entwicklungsländer voraus. Eine technik- und industriefeindliche Stimmung verbreitet sich, die Leistungsbereitschaft sinkt, Innovationen werden abgelehnt, die Automobilindustrie wird schlecht geredet, es herrscht weitgehend politischer Stillstand, asoziale Medien fördern Hass und Spaltung…

WochenZeitung: Asoziale Medien?

May: Ja, so nenne ich die verbreiteten Plattformen, in denen sich heute viele Menschen bewegen. Sozial ist daran wenig, vielmehr wird man durch die Algorithmen dieser Systeme in eine Filterblase gesteckt, die die eigene Meinung verstärkt und abweichende Meinungen diskreditiert bzw. ausblendet. So kommen keine seriös geführten Debatten zustande und Populismus wird gefördert. Aber um noch einmal auf die Zukunftsaussichten sprechen zu kommen. Ich bin im Grunde guter Dinge. Mit KATA beispielsweise können Sie auf der Grundlage von Zahlen, Daten, Fakten die Zukunft positiv gestalten. Sie können lernen, wie Sie Innovationen vorantreiben und agiler werden. Mein Co-Autor Mike Rother und ich vermitteln in dem Buch praktische Übungsroutinen, die Sie, Teams und ganze Organisationen bei der Bewältigung von Herausforderungen erfolgreicher machen. Sie bekommen die Informationen und die Übungsroutinen, die Sie brauchen, um neue Denkmuster aufzubauen, mit denen Sie effektiv Hindernisse überwinden und Ziele erreichen können.

WochenZeitung: Angenommen, einer unserer Leser interessiert sich für das Thema KATA, wo gibt es weitere Informationen?

May: Ich habe exklusiv für die Leser der Wochenzeitung etwas auf unserer Website zusammengestellt. Unter www.cetpm.de/wochenzeitung können Ihre Leser den ersten Teil des Buches als Mini-Buch zum selberbasteln oder als MP3- Hörbuch kostenfrei runterladen.

WochenZeitung: Vielen Dank, Professor May, für das interessante Gespräch…

30. September 2019