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Was ist "Vendor Managed Inventory (VMI)"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

Vendor Managed Inventory (VMI) ist ein Konzept der Bestandsführung, bei dem der Lieferant die Verantwortung für die Verfügbarkeit und den Nachschub der Materialien am Standort des Kunden übernimmt. Anstatt dass der Kunde Bestellungen auslöst, überwacht der Lieferant die Bestände des Kunden und sorgt eigenständig für rechtzeitige Nachlieferungen. VMI ist eng mit dem Pull-Prinzip verwandt und stellt eine konsequente Weiterentwicklung der Kanban-gesteuerten Beschaffung dar.

Funktionsweise und Grundprinzip

Beim VMI-Modell stellt der Kunde dem Lieferanten seine Verbrauchs- und Bestandsdaten in Echtzeit oder in definierten Intervallen zur Verfügung. Auf Basis dieser Daten, ergänzt durch Prognosen, Produktionspläne und saisonale Muster, entscheidet der Lieferant eigenständig über Lieferzeitpunkt und Liefermenge. Der Kunde definiert lediglich Mindest- und Höchstbestände sowie Qualitätsanforderungen und Service-Level. Die operative Steuerung der Beschaffung geht vollständig auf den Lieferanten über.

Dieses Modell unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Beschaffung, bei der der Kunde auf Basis eigener Bedarfsrechnung Bestellungen auslöst. Im traditionellen Modell entsteht häufig der sogenannte Peitscheneffekt (Bullwhip-Effekt): Kleine Nachfrageschwankungen beim Endkunden verstärken sich über die Lieferkette hinweg und führen zu überhöhten Beständen oder Versorgungsengpässen. VMI reduziert diesen Effekt, weil der Lieferant den tatsächlichen Verbrauch sieht und nicht auf verzerrte Bestellsignale reagiert.

Voraussetzungen für erfolgreiches VMI

  • Transparenz: Der Kunde muss dem Lieferanten Echtzeit-Zugriff auf Bestandsdaten, Verbrauchszahlen und idealerweise auch auf Produktionspläne gewähren. Ohne diese Datentransparenz kann der Lieferant keine fundierte Nachschubentscheidung treffen.
  • Vertrauen: VMI erfordert eine partnerschaftliche Beziehung, die über das übliche Kunden-Lieferanten-Verhältnis hinausgeht. Der Kunde gibt einen Teil seiner Kontrolle ab und vertraut darauf, dass der Lieferant zuverlässig liefert.
  • Vereinbarte Spielregeln: Mindest- und Höchstbestände, Lieferfrequenzen, Qualitätsstandards und Eskalationsmechanismen müssen klar definiert sein.
  • IT-Integration: Ein elektronischer Datenaustausch (EDI) oder eine gemeinsam genutzte Plattform ist notwendig, um Bestandsinformationen zeitnah zu übermitteln.

Vorteile für beide Seiten

Für den Kunden reduziert VMI den Aufwand in der Disposition und im Einkauf erheblich. Fehlbestände werden seltener, weil der Lieferant den Verbrauch direkt beobachtet und proaktiv handelt. Gleichzeitig sinken die Lagerbestände, weil der Lieferant bedarfsgerecht liefern kann, statt auf pauschale Bestellmengen zu reagieren. Der Lieferant profitiert von besserer Planungssicherheit: Durch den Einblick in die tatsächlichen Verbräuche kann er seine eigene Produktion und Logistik effizienter gestalten. Er kann Schwankungen früher erkennen und seine Kapazitäten entsprechend anpassen.

In der Wertstrombetrachtung nach Klevers stellt VMI eine Form der lieferantengesteuerten Verbrauchssteuerung dar, die den Informationsfluss zwischen Lieferant und Kunde vereinfacht und den Materialfluss glättet. Die Verantwortungsübertragung an den Lieferanten ermöglicht es, die gesamte Supply Chain als ein System zu betrachten und nicht als Aneinanderreihung isolierter Bestellvorgänge.

Kerngedanke: VMI verlagert die Bestandsverantwortung dorthin, wo das größte Wissen über das Produkt und seine Verfügbarkeit liegt, zum Lieferanten. Dadurch werden Informationsasymmetrien abgebaut und die gesamte Lieferkette wird schlanker.

Abgrenzung zu Konsignationslager und Kanban

VMI wird häufig mit dem Konsignationslager verwechselt. Beim Konsignationslager stellt der Lieferant Ware beim Kunden ein, die bis zur Entnahme im Eigentum des Lieferanten bleibt. VMI hingegen beschreibt primär die Steuerungslogik, wer entscheidet über den Nachschub, und nicht die Eigentumsfrage. In der Praxis werden beide Konzepte häufig kombiniert: Der Lieferant verwaltet ein Konsignationslager beim Kunden und steuert den Nachschub eigenständig.

Gegenüber der klassischen Kanban-Steuerung geht VMI einen Schritt weiter: Bei Kanban löst der Verbrauch eines Behälters ein Signal aus, das zur Nachbestellung führt. Die Entscheidung, wann und wie viel nachgeliefert wird, trifft jedoch weiterhin der Kunde oder ein zwischengeschaltetes System. Bei VMI trifft der Lieferant diese Entscheidung eigenständig. VMI setzt damit ein höheres Maß an Vertrauen und Datenaustausch voraus, bietet aber auch größere Optimierungspotenziale in der gesamten Lieferkette.

Weiterführende Literatur

Klevers, T. (2015): Agile Prozesse mit Wertstrom-Management. CETPM Publishing, Herrieden. insb. S. 112–114.

Verwandte Konzepte

  • Kanban, Signalgesteuertes Nachschubsystem, das VMI ergänzt oder von VMI abgelöst wird.
  • Pull-Prinzip, Bedarfsgesteuerte Fertigung und Beschaffung, deren Logik VMI auf die Lieferkette überträgt.
  • Wertstromanalyse, Methode zur Visualisierung von Material- und Informationsflüssen in der Lieferkette.
  • Heijunka, Produktionsnivellierung, die durch VMI unterstützt wird.
  • Lean Management, Managementphilosophie, in die VMI als Element schlanker Beschaffung eingebettet ist.
  • WiP-Limit, Bestandsbegrenzung in Kanban-Systemen, die mit VMI kombiniert werden kann.
Diese Seminare passen zur Definition von "Vendor Managed Inventory (VMI)":

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