Value Add (VA), auf Deutsch Wertschöpfung, bezeichnet alle Tätigkeiten in einem Prozess, die das Produkt oder die Dienstleistung aus Kundensicht tatsächlich verbessern und für die der Kunde bereit ist zu zahlen. Die Unterscheidung zwischen wertschöpfenden und nicht wertschöpfenden Aktivitäten ist ein Grundprinzip des (vgl. Klevers 2015, S. 9–10) Lean Management und bildet die Basis für die systematische Eliminierung von Verschwendung.
Eine Tätigkeit gilt nur dann als wertschöpfend, wenn sie alle drei folgenden Kriterien gleichzeitig erfüllt:
Erfüllt eine Aktivität nicht alle drei Kriterien, handelt es sich entweder um Muda (reine Verschwendung) oder um notwendige Nicht-Wertschöpfung, Tätigkeiten, die zwar keinen direkten Kundenwert erzeugen, aber unter den gegebenen Bedingungen unvermeidlich sind, etwa gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen.
Der VA-Anteil (Value-Add-Ratio) ergibt sich aus dem Verhältnis von wertschöpfender Zeit zur Gesamtdurchlaufzeit. In Lean-Wertstromanalysen zeigen sich typischerweise VA-Anteile von unter 5 %, das bedeutet, dass über 95 % der gesamten Durchlaufzeit auf Warten, Transport, Lagern und andere nicht wertschöpfende Aktivitäten entfallen. Diese Erkenntnis ist häufig der Ausgangspunkt für umfassende Verbesserungsinitiativen.
Die Wertstromanalyse (Value Stream Mapping) macht den VA-Anteil sichtbar, indem sie den gesamten Material- und Informationsfluss vom Lieferanten bis zum Kunden abbildet (vgl. Klevers 2015, S. 29–32). Jeder Prozessschritt wird daraufhin bewertet, ob er Wert schöpft, notwendig ist oder eliminiert werden kann. Ziel ist es, den Wertstrom so zu gestalten, dass der Anteil wertschöpfender Tätigkeiten maximiert und die Durchlaufzeit minimiert wird.
Praxisbeispiel: In einem typischen Fertigungsprozess mit 20 Tagen Durchlaufzeit beträgt die reine Bearbeitungszeit oft nur wenige Stunden. Der VA-Anteil liegt dann bei unter 1 %. Lean-Methoden wie One-Piece-Flow, Pull-Systeme und Rüstzeitreduzierung erhöhen den VA-Anteil, indem sie Wartezeiten und Bestände eliminieren.
Syska betont, dass Wertschöpfung neu gedacht werden muss: In einer zunehmend digitalisierten Welt verschiebt sich die Grenze zwischen wertschöpfenden und nicht wertschöpfenden Tätigkeiten. Automatisierung kann bisherige Verschwendung eliminieren, schafft aber gleichzeitig neue Formen nicht wertschöpfender Aktivitäten wie Systemwartung und Datenmanagement. Die Frage „Was ist Wertschöpfung?“ muss daher regelmäßig neu beantwortet werden.
Im Kontext von TPM bildet die Erhöhung des VA-Anteils eine zentrale Zielsetzung: TPM erreicht die Einführung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit dem Ziel, sämtliche Verluste und Verschwendungen zu vermeiden (vgl. May/Schimek 2015, S. 15–16). Jede beseitigte Verschwendung erhöht den VA-Anteil und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Syska, A. (2020): Gedanken zur Wertschöpfung, in: YOKOTEN 04/2020, S. 33–34.
Roser, C. (2019): The Power of Six, in: YOKOTEN 04/2019, S. 16–19.