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Operational Excellence

Effizienzsteigerung im gesamten Unternehmen durch Null-Verluste, Null-Stillstände, Null-Fehler und Null-Unfälle unter Einbeziehung aller Mitarbeiter in selbstorganisierten Teams. Ein System, das betriebliche Verbesserungsansätze wie Lean, TPM, Six Sigma, Kaizen und KVP vereint.

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Was ist "KVP"?

Eine Definition aus dem CETPM-Lexikon

KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) ist die deutschsprachige Ausprägung der japanischen Kaizen-Philosophie und beschreibt die systematische, schrittweise Verbesserung von Prozessen, Abläufen und Produkte durch alle Mitarbeiter eines Unternehmens. Im Rahmen von TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) bildet KVP, auch als Kobetsu Kaizen bezeichnet, die erste und zugleich wichtigste Säule des Verbesserungshauses.

Säule 1: Lean Management und fokussierte Verbesserung mit KVP

Quelle: CETPM Seminarunterlagen 2026

Kerngedanke: TPM erreicht die Einführung des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses mit dem Ziel, sämtliche Verluste und Verschwendungen zu vermeiden, hauptsächlich dadurch, dass funktionsübergreifende Gruppenarbeit, wo immer möglich, im Unternehmen eingeführt wird.

Definition und Abgrenzung

Die zielgerichtete, kontinuierliche Verbesserung wird in der Fachliteratur auch als KVP oder Kobetsu Kaizen bezeichnet. Sie bildet den ersten und zugleich wichtigsten Baustein von TPM und Operational Excellence (vgl. May/Schimek 2015, S. 26). Während Kaizen eine umfassende Denkweise und Unternehmenskultur beschreibt, fokussiert KVP stärker auf den strukturierten Prozess: Verluste erkennen, analysieren und mit geeigneten Werkzeugen systematisch beseitigen.

Im Rahmen von KVP werden Verluste nicht im kaufmännischen Sinn und Verschwendung nicht als Leichtfertigkeit verstanden, sondern beides sind schlicht Beschreibungen für verbesserungsfähige Zustände (vgl. May/Schimek 2015, S. 26–27). Im Grunde meinen beide Begriffe annähernd dasselbe, allerdings wohnt dem Begriff Verschwendung etwas Vorwurfsvolles inne.

Die 16 Verlustarten als Ausgangspunkt

Ein wesentlicher Bestandteil des KVP ist die systematische Erfassung und Analyse von Verlusten. Im Rahmen von TPM werden 16 Verlustarten unterschieden, die sich in drei Kategorien gliedern: Verluste an Anlagen und Maschinen, Verluste durch Personal und Management sowie Verluste durch Material und Energie (vgl. May/Schimek 2015, S. 27–31).

Anlagen- und Maschinenverluste

  • Anlagenausfälle: Sporadische oder chronische Fehler an Produktionseinrichtungen, die zu reduzierter Ausbringung und Qualitätsproblemen führen. Ziel: Null-Anlagenausfälle.
  • Rüsten und Einstellen: Zeitverluste beim Umrüsten von einem Produkt auf ein anderes. Hier setzt SMED als Verbesserungsmethode an.
  • Geschwindigkeitsverluste: Die gewählte Geschwindigkeit entspricht nicht dem aktuell technisch Machbaren. Häufig wird bei Qualitätsproblemen die Laufgeschwindigkeit reduziert, ohne den eigentlichen Ursachen auf den Grund zu gehen.
  • Ausschuss und Nacharbeit: Reduzierung des Outputs durch fehlerhafte Teile, die nachbearbeitet oder verschrottet werden müssen.

Personal- und Managementverluste

  • Managementverluste: Versäumnisse des Managements, z. B. Wartezeiten durch fehlendes Material oder fehlende Anweisungen. Dazu gehören auch Überproduktion und zu hohe Lagerbestände.
  • Bewegungsverluste: Entstehen durch schlechte Anordnung am Arbeitsplatz, schlechte Ergonomie oder ineffiziente Arbeitsabläufe.
  • Logistikverluste: Verluste durch unnötige oder ineffiziente Transporte und Materialbewegungen.

Der PDCA-Kreislauf als Methode

KVP basiert auf dem PDCA-Kreislauf (Plan-Do-Check-Act), der den strukturierten Rahmen für jede Verbesserungsaktivität bildet. Der erste Schritt im PDCA-Kreis ist „Planen“: In dieser Phase werden ein bestehendes Problem analysiert und Daten gesammelt, die zur Erstellung eines Verbesserungsplanes benötigt werden. Außerdem werden Ziele gesetzt, die durch die Verbesserung erreicht werden sollen (vgl. May/Schimek 2015, S. 38–39).

Der PDCA-Zyklus wird ergänzt durch den Lean Management-Kreislauf (Standardize-Do-Check-Act), der die Stabilisierung erreichter Verbesserungen sicherstellt. Zunächst wird durch PDCA verbessert, dann durch SDCA der neue Standard verankert. Dieses Wechselspiel von Verbesserung und Standardisierung ist das Herzstück des KVP.

KVP-Werkzeuge und Vorgehensweise

Für die praktische Durchführung von KVP-Aktivitäten steht ein umfangreicher Werkzeugkasten zur Verfügung. Die Werkzeuge werden strukturiert und gezielt angewandt, und die Mitarbeiter werden in deren Anwendung geschult. Zu den wichtigsten Werkzeugen gehören:

  • 5S (5S-Methode): Arbeitsplatzorganisation als Basis für KVP. Mit 5S wird durch die verantwortungsvolle Einbindung der Mitarbeiter eine Geisteshaltung vermittelt, die sich positiv auf die Qualität auswirkt.
  • Verfügbarkeit (OEE): Die Overall Equipment Effectiveness dient als Werkzeug für den Fertigungsbereich, um Bewusstsein und Verantwortlichkeit für Verluste zu erzeugen (vgl. May/Schimek 2015, S. 35).
  • Verluststrukturanalyse: Systematische Auswertung, welche der 16 Verlustarten die größten Auswirkungen haben, damit Ressourcen gezielt eingesetzt werden.
  • Pareto-Analyse: Zur Priorisierung der Verbesserungsthemen nach dem 80/20-Prinzip.
  • Problemlösung in 7 Schritten: Strukturierte Vorgehensweise von der Themenauswahl über die Ursachenanalyse bis zur Verankerung des Ergebnisses.

KVP und Mitarbeiterbeteiligung

KVP lebt von der aktiven Beteiligung aller Mitarbeiter. Bei Toyota werden Mitarbeiter dazu angehalten, regelmäßig Verbesserungsvorschläge einzureichen. Im Rahmen des Ideen-Vorschlagswesens müssen auf einem Blatt der Ist-Zustand, der Verbesserungsvorschlag und der erwartete Effekt übersichtlich eingetragen werden (vgl. OJT Solutions 2017, S. 38–40).

Viele Unternehmen, die KVP eingeführt haben, beklagen, dass die Mitarbeiter sich nur wenig beteiligen. KVP wird lediglich über Impulse von Führungskräften in Form von Workshops angestoßen (vgl. Hollmayer 2022, S. 7). Untersuchungen zeigen, dass Mitarbeiter bestimmte Voraussetzungen benennen, deren Fehlen ihre Teilnahmebereitschaft hemmt, etwa fehlende Führungsunterstützung, fehlende Zeitfenster oder mangelnde Methodenkompetenz.

Praxiserkenntnis: Ergebnisse werden von Menschen erzielt, nicht von Maschinen. Wenn die Menschen entwickelt werden, dann folgen irgendwann die Zahlen (vgl. OJT Solutions 2017, S. 34–36). KVP kann nur gelingen, wenn die Mitarbeiterentwicklung parallel vorangetrieben wird.

Führung und KVP-Kultur

Eine erfolgreiche KVP-Kultur erfordert die Verpflichtung und volle Hingabe des Managements. Zu den Voraussetzungen gehören die Eigenverantwortung aller Mitarbeiter, funktionsübergreifende Teamarbeit, Standardisierung und Visualisierung.

Die Zielerreichung wird mit Kennzahlen in sechs Zielkategorien verfolgt: Produktivität (P), Qualität (Q), Kosten (K), Lieferservice (L), Sicherheit (S) und Motivation (M). Übergeordnete Ziele sind die Erreichung von Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit und Anteilseignerzufriedenheit.

Jede Führungskraft sollte regelmäßig an den Ort des Geschehens gehen und sich dort mit den Verbesserungsaktivitäten befassen. Die regelmäßige Überprüfung des Umsetzungsgrads durch Führungskräfte ist ein kritischer Erfolgsfaktor (vgl. May/Schimek 2015, S. 38).

Häufige Fehler im KVP

Trotz bester Absichten scheitern KVP-Initiativen in der Praxis häufig. Zu den typischen Fehlern gehören:

  • KVP als Programm statt als Kultur: Wenn KVP einen Start- und Endtermin hat, handelt es sich um ein Projekt, nicht um kontinuierliche Verbesserung. KVP muss als permanente Grundhaltung verankert werden.
  • Fehlende Verluststrukturanalyse: Ohne systematische Analyse der Verluste werden Verbesserungen an den falschen Stellen angesetzt. Die Verluststrukturanalyse zeigt auf, welche Verluste die größten Auswirkungen haben.
  • Mangelnde Standardisierung: Verbesserungen, die nicht als Standard verankert werden, gehen schnell wieder verloren. Der SDCA-Zyklus muss konsequent angewandt werden.
  • Keine Visualisierung: Verluste und Fortschritte müssen für alle sichtbar sein. Visuelle Hilfsmittel wie OEE-Boards helfen dem Produktionsteam, Einsicht in die bestehenden Verluste zu bekommen.
  • Fehlende Managementunterstützung: Ohne die aktive Beteiligung der Führungskräfte verlieren Verbesserungsinitiativen schnell an Dynamik.

KVP in der Praxis, Erfolgsbeispiele

Zahlreiche Unternehmen haben mit KVP nachhaltige Erfolge erzielt. Die Transformation zur kontinuierlichen Verbesserung erfordert jedoch Geduld und Durchhaltevermögen. Zukunftssicherung durch kontinuierliche Verbesserung ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der das gesamte Unternehmen einbezieht (vgl. May 2023, S. 3).

Im Bereich der Energieverluste kann sich das Finden und Eliminieren vieler kleiner Verluste richtig lohnen. So hat in einigen Fällen der Einsatz von Luftverbrauchsmessgeräten gezeigt, dass durch eine gründliche Wartung der pneumatischen Anlage der Verbrauch an Druckluft um ca. 40 % reduziert werden konnte.

Wichtig bei der Eliminierung der Verluste ist, dass man nicht nur die Störungen beseitigt, sondern auch nach deren Ursachen forscht und diese beseitigt. Wenn das nicht gemacht wird, treten Probleme aufgrund dieser Ursache immer wieder auf. Das Eisbergmodell veranschaulicht: Unter der sichtbaren Spitze der Störungen liegen verborgene Ursachen, die systematisch aufgedeckt werden müssen (vgl. May/Schimek 2015, S. 36).

Quellenangaben

May, C.; Schimek, P. (2015): Total Productive Management. 3. korr. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden, S. 26–39.

OJT Solutions Inc. (2017): Toyotas Geheimrezepte für die Mitarbeiterentwicklung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, CETPM Publishing, Herrieden, S. 34–40.

Hollmayer, J. (2022): KVP im Berufsalltag, Was hindert Mitarbeiter daran, KVP regelmäßig anzuwenden?, in: YOKOTEN 05/2022, S. 7.

May, C. (2023): Transformation, Zukunftssicherung durch kontinuierliche Verbesserung, in: YOKOTEN 04/2023, S. 3.

Weiterführende Literatur

Koch, A. (2021): OEE für das Produktionsteam. 4. korr. Aufl., Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Teeuwen, B.; Schaller, C. (2017): 5S, Die Erfolgsmethode zur Arbeitsplatzorganisation. 4. unveränd. Aufl., CETPM Publishing, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2019): Toyotas Geheimrezepte für die Problemlösung. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden.

OJT Solutions Inc. (2023): Toyotas Fehlerlehre, Von der Kunst, Fehler in Erfolge zu verwandeln. Übers. v. M. Furukawa-Caspary, Deutscher Management Verlag, Herrieden.

Nieder, N. (2016): Kontinuierliche Verbesserung, in: YOKOTEN 05/2016, S. 12–15.

Leikep, S. (2013): Die richtigen Schrauben im KVP drehen, in: YOKOTEN 02/2013, S. 14–15.

Verwandte Konzepte

5S · Kaizen · PDCA · OEE · SMED · Standards · TPM (im Sinne von Total Productive Maintenance) · Verluste · Yokoten · Operational Excellence · Lean Management · Verfügbarkeit

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