Job Safety (JS) ist ein Programm aus dem Training Within Industry (TWI)-System, das Vorgesetzten, in der TWI-Terminologie „Supervisoren“, die Fähigkeit vermittelt, Gefährdungen am Arbeitsplatz systematisch zu erkennen, Maßnahmen zu beschließen und präventiv Unfälle zu verhindern. Während die drei bekannteren TWI-Module Job Instruction, Job Relations und Job Methods die Fähigkeiten des Unterweisens, Führens und Verbesserns adressieren, stellt Job Safety die Arbeitssicherheit in den Mittelpunkt. Das Programm wurde in Japan als Ergänzung zu den drei US-amerikanischen Basisprogrammen entwickelt und ist dort fester Bestandteil der Supervisor-Ausbildung (vgl. Latijnhouwers/Berendsen 2016, S. 7).
Wie alle TWI-Programme basiert Job Safety auf einer strukturierten Vier-Schritte-Methode, die von den Teilnehmern aktiv geübt wird. Die Schritte lauten:
Das Leitmotto von Job Safety lautet: „Sicherheitsvorfälle werden verursacht, durchbrechen Sie die Kette.“ Dieser Grundsatz verdeutlicht, dass Unfälle keine Schicksalsschläge sind, sondern durch systematisches Handeln verhindert werden können (vgl. Latijnhouwers/Berendsen 2016, S. 8).
Eine Job-Safety-Schulung umfasst fünf Einheiten zu je zwei Stunden, insgesamt also zehn Stunden. In diesen Einheiten üben Supervisoren anhand realer Beispiele aus ihrem Arbeitsumfeld, wie sie direkte und indirekte Ereignisse erkennen, die zu Zwischenfällen oder Unfällen führen können. Die Methode verbindet theoretisches Wissen mit praktischer Anwendung, wobei das Lernen durch Übung im Vordergrund steht.
Arbeitssicherheit steht im TWI-System nicht isoliert, sondern bildet den Mittelpunkt aller Supervisor-Kompetenzen. Ein Supervisor soll sich über die Gefahren seiner Arbeit inhaltlich bewusst sein, die Sicherheitsregeln und Gesetze kennen, beim Unterweisen auf sicheres Arbeiten achten und die Mitarbeiter führen, damit eine arbeitssichere Kultur entsteht. Auch bei Verbesserungen nach Job Methods soll stets die Arbeitssicherheit berücksichtigt werden (vgl. Latijnhouwers/Berendsen 2016, S. 7).
In Japan ist Job Safety fester Bestandteil der Supervisor-Ausbildung. Die Japanese Industrial Training Association (JITA) bildet unternehmensinterne Trainer in 43-stündigen Train-the-Trainer-Programmen aus, damit die Methode dauerhaft im Unternehmen verankert bleibt. Insgesamt wurden dort über 3.300 interne Job-Safety-Trainer ausgebildet (vgl. Latijnhouwers/Berendsen 2018, S. 8).
Praxistipp: Job Safety entfaltet seine volle Wirkung, wenn es nicht nur als Analysemethode für bereits eingetretene Unfälle eingesetzt wird, sondern proaktiv zur Prävention. Schulen Sie Ihre Supervisoren darin, täglich bei Rundgängen systematisch nach gefährlichen Situationen zu suchen, bei Dingen ebenso wie bei menschlichem Verhalten.
Die aktuelle Entwicklung in der Arbeitssicherheit zeigt eine Verlagerung von der rein technischen Verhinderung von Unfällen hin zu einer umfassenden Prävention, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Da die meisten Unfälle durch menschliches Versagen verursacht werden, ist es entscheidend, menschliches Verhalten systematisch zu verändern. Job Safety unterstützt diesen Wandel, indem es Supervisoren befähigt, neben technischen Lösungen auch Verhaltensänderungen durch Unterweisung und positive Führung anzustoßen. Das Ziel „Null Unfälle“ ist kein Zufall, sondern das Ergebnis systematischer Bemühungen.
Latijnhouwers, C.; Berendsen, G. (2016): Arbeitssicherheit im Rahmen von TWI, Von technischer Verhinderung von Unfällen zum Fokus auf menschliches Verhalten, in: YOKOTEN 05/2016, S. 6–8.
Latijnhouwers, C.; Berendsen, G. (2018): TWI in Japan, Erkenntnisse aus einer Japan-Studienreise, in: YOKOTEN 04/2018, S. 4–10.